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SZ-Serie: Die großen Spekulanten (43):Ein echter Wiener geht unter

Bawag leugnet Beteiligung

Ihm folgt Helmut Elsner, genannt Marcel. Der Verteidiger eines Bawag-Vorstandes wird vor Gericht sagen, eben dieser Elsner sei "der Ziehvater des Patriarchensohns Wolfgang Flöttl" gewesen. Marcel und Wolfi fahren gemeinsam in den Urlaub, jetten in Flöttls Privatflugzeugen um den Globus und essen Hummer und Austern in den nobelsten Hotels der Welt.

1995 beginnt Elsner wieder damit, Karibik-Geschäfte anzuleiern. Flöttl wird vor Gericht aussagen: "Ja, wir haben spekuliert, aber wir durften das auch tun!" Elsner wird sagen: "Der größte Fehler meines Lebens war, Flöttl vertraut zu haben. Heute weiß ich, dass es falsch war, Flöttl Geld zu geben. Die Bawag hat nicht durchschaut, dass die Risikoabdeckung nicht reicht." Genau das ist die Frage, die das Gericht beschäftigt: Was weiß die Bawag von den Spekulationsgeschäften Flöttls?

Es gibt da ein zentrales Dokument. Aus dem Protokoll einer Vorstandssitzung vom Oktober 1998 gehe, so die Vorsitzende Richterin, eindeutig hervor, dass die aufgetretenen Verluste geheim gehalten werden sollten - und der Vorstand mit den höchst spekulativen Geschäften weitermachen wollte. Es habe keine Absicherung des Kreditausfall-Risikos gegeben, es sei durch unrichtige Darstellung bewusst verharmlost worden. Bawag-Chef Elsner habe von Flöttl verlangt, dass dieser "aggressiv und risikoreich" anlege. Vor Gericht wird Elsner nichts mehr davon wissen wollen: "Aus heutiger Sicht besteht der Eindruck, dass wir Wahnsinnige waren, die einem Wahnsinnigen vertraut haben."

Der Wahnsinnige heißt Wolfgang Flöttl und wettet mit dem Vermögen der einstigen Arbeiterbank auf den fallenden Yen. Doch die japanische Währung steigt. Im Oktober 1998 hat Flöttl 639 Millionen Dollar der Gewerkschaftsbank in den Sand gesetzt. Um sich und seinen Ruf als glänzender Spekulant zu retten, sichert er die Verluste mit seinem Privatvermögen ab.

Retter der Kunstbranche

Und davon gibt es genug. Noch. Ihm gehört das Apartment 8/9B in der 740 Park Avenue. Dort residierten einst die Rockefellers und Vanderbilts; Jackie Kennedy wuchs hier auf. Dieser Luxus ist Flöttl acht Millionen Dollar wert. Er und seine Frau Anne Barbara ziehen aber nie ein. "Es war einfach zu groß", sagt sie. Dafür wohnen die beiden zwei Blocks weiter, auch nicht gerade schlechter, und haben ein Sommerhaus in den Hamptons, Butler, eine Yacht, teure Autos und zwei Gulfstream-Jets.

Auch in der New Yorker Kunstszene kennt man Flöttl. Er ist, so heißt es beim Auktionshaus Sotheby's, der Retter einer Branche, deren Markt nach einer beispiellosen Hausse wie eine Blase geplatzt war. Flöttl tritt als Mr. X auf und kauft Werke von Picasso, Degas und Zeitgenössisches von Jasper Johns und Willem de Kooning. Der talentierte Mister Flöttl ist fester Star der "Inside Art"-Kolumne der New York Times. Zu Recht: Flöttl macht Riesengeschäfte. Cézannes "Jeune fille italienne se reposant" verkauft er 2003 für etwa 50 Millionen Dollar an das Getty-Museum in Los Angeles; bezahlt hatte er dafür nicht einmal die Hälfte. Und Picassos Frauenporträt "Le rêve", ersteigert für 48 Millionen Dollar, verkauft er an den Casino-Unternehmer Stephen Wynn für 62 Millionen. Not bad.

Als die Höhe der Bawag-Gesamtforderungen gegen Flöttl schließlich 1,9 Milliarden Euro beträgt, vermerkt ein Prüfbericht der Bankenrevisionsabteilung der Österreichischen Nationalbank lakonisch: "Es stellt sich in diesem Zusammenhang die (...) Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass ein erfahrener Portfoliomanager wie Wolfgang Flöttl über Jahre hindurch jedes ihm anvertraute Geld in den Totalverlust führt." Die Nationalbank sollte recht behalten. Das Geld ist weg. Am 4. Juli 2008 wird Ex-Bawag-Chef Elsner zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Flöttl bekommt zweieinhalb Jahre - wegen Beihilfe zum Betrug. Keine harte Strafe, das weiß auch die Richterin. Es gebe eben einfach keine Hinweise, dass Flöttl Geld eingesteckt habe. Tja.

© SZ vom 25.11.2008/ld/mel

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