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Spezial: Nachhaltig investieren:Für Gutmenschen und Kontoaufbesserer

Längst ist der grüne Markt mehr als ein Nischenprodukt für Weltverbesserer. Doch ein Blick auf die Kriterien der Öko-Fonds lässt Umweltschützer stutzen.

Jan Abele

Auf die Rendite kommt es an. Diese Binsenweisheit aus der Aktienwelt ist spätestens seit den Börsengängen der ersten Windparks vor rund 10 Jahre nicht mehr alleingültig. Nicht die Kapitalverzinsung war damals das oberste Ziel vieler Aktionäre, die ihr Geld in die Erneuerbaren Energien steckten, sondern die Aussicht darauf, einer verhassten Industrie den Kampf anzusagen.

Man muss kein Engel sein, um sein Geld mit gutem Gewissen nachhaltig anzulegen. Auch die Anleger, denen es nur um die Rendite geht, sind gut beraten, es den Weltverbesserern gleich zu tun.

(Foto: Foto: dpa)

Ohne die damals als "Weltverbesserer" belächelten Kleinanleger der ersten Stunde wäre der Anstieg des Windstrom-Anteils in Deutschland von null auf heute fast sieben Prozent nicht möglich gewesen.

Die Moral der Geschichte: Wer die Wirtschaft verändern will, muss ihre Instrumente zu nutzen wissen. Und: Auch die Anleger, denen es nach wie vor nur um die Rendite geht, sind gut beraten, es den Weltverbesserern gleich zu tun.

Nachhaltige Aktienindizes wie der 1997 eingeführte NAI (Natur Aktien Index) zeigen, dass sich die gelisteten Unternehmen im Vergleich zum Dax besser entwickelt und auch die Krisen in dieser Zeit mit geringeren Verlusten gemeistert haben.

Oekom Research, die deutschlandweit führende Ratingagentur im Bereich Nachhaltigkeit, musste im Zuge der aktuellen Finanzkrise aus ihrem "Global Challenges Index (GCI)" nur ein Unternehmen auslisten: das britische Finanzunternehmen Northern Rock. Es wurde 2008 verstaatlicht. Auch die anderen "grünen" Aktien-Indizes belegen, dass Unternehmen mit nachhaltiger Ausrichtung langfristig wettbewerbsfähig sind.

Wer die Indizes als Orientierungshilfe nutzen will, sollte aber wissen, welche Erfassungsmethoden zu Grunde liegen. Die beiden bekanntesten Indizes, der Dow Jones Sustainable Index (DJSI) und der Ethik-Index FTSE4good, listen die Unternehmen nach dem relativen "Best in Class"-Verfahren. Innerhalb der verschiedenen Branchen qualifizieren sich jeweils die in ökologischer, ethischer und sozialer Hinsicht führenden Unternehmen.

Methodischen Nachlässigkeit?

Da beim DJSI nur die Unternehmen aus dem Dow-Jones-Anlageuniversum berücksichtigt sind, tummeln sich viele Konzernmultis im Angebot, die bei manchen nachhaltigen Geldanlegern Stirnrunzeln auslösen.

Den Vorwurf der methodischen Nachlässigkeit machen Kritiker auch dem FTSE4good, den die Londoner Börse zusammen mit der Financial Times 2001 auflegte. Auch hier versammeln sich viele Akteure aus Branchen, die kritische Anleger nur schwer mit nachhaltigem Wirtschaften in Verbindung bringen.

So sorgte 2003 auch die Nachricht für Irritationen, dass die Starbucks-Cooperation in die Gruppe der 30 Akteure des wesentlich strengeren Natur-Aktien-Index aufgenommen wurde.

Starbucks gilt als vorbildlich bei der Einhaltung sozialer Standards und im Nachhaltigkeitsmanagement - als global agierender Filialist stellt die Kette aber nicht für jeden eine Anlageoption dar. Für Anleger mit streng ökologischer Ausrichtung könnte ein Blick auf den Öko-Dax der Deutschen Börse interessant sein. Er beinhaltet die zehn größten Unternehmen ausschließlich aus der Branche der Erneuerbaren Energien.

Für Kleinanleger kann es Vorteile haben, Geld in gemanagte Fonds zu investieren, statt selbständig die Indizes abzusuchen. Durch Fonds werden die Interessen der Aktionäre gebündelt, der Einfluss auf die Unternehmen erhöht sich durch die direkte Kommunikation zwischen Fondsmanager und Unternehmensführung. Kaum ein Unternehmen kann es sich aus Imagegründen erlauben, wegen der Geschäftspraxis aus einem nachhaltig orientierten Kapitalfonds gestrichen zu werden.

Bei den Fonds kann man grob vier Bereiche unterscheiden. Zunächst die Portfolios, die nach Ausschlusskriterien komponiert sind. Hier bleiben bestimmte Branchen (beispielsweise Atomenergie, Pornographie, Rüstungsindustrie, Alkohol oder Tabak) je nach Anlegerpräferenz außen vor.

Fonds, die nach dem "Best in Class"-Verfahren zusammengestellt sind, berücksichtigen die Unternehmen, die innerhalb ihrer Branchen bei ethischen und ökologischen Kriterien als führend eingestuft werden.

Bei indexorientierten Fonds wählen die Fondsmanager Aktien aus den bestehenden "grünen" Börsenindizes. Solche Indexfonds sind oft günstiger und schneiden oft besser ab als gemanagte Fonds.

Wer ausschließen will, dass in seinem Finanzpaket nicht doch ein global agierender Konzern oder ein Kernkraftwerk-Betreiber steckt, sollte auf Themenfonds setzen, die sich auf eine einzelne Branche wie beispielsweise Biomasse, Geothermik, Solartechnik, Windkraft oder Recycling beschränken.

Weil diese Unternehmen oft noch jung und die Branchen subventioniert sind, bergen sie allerdings ein vergleichsweise hohes Anlagerisiko.

Markt ist unübersichtlich

Da hilft es, sich beraten zu lassen. Denn der Markt für nachhaltige Geldanlagen ist unübersichtlich und ein verbindliches Gütesiegel für nachhaltige Finanzprodukte gibt es bislang nicht.

Immerhin können Fondsmanager seit 2008 mit einem Transparenzlogo deutlich machen, dass die Zusammenstellung der Fonds überprüfbar ist. Es wird vom Europäischen Dachverband für nachhaltige Geldanlagen Eurosif vergeben, der auf die steigende Zahl von nachhaltigen Finanzprodukten reagierte. Mittlerweile bieten alle großen Bankhäuser und Fondsmanager "grüne" Geldanlagen an, aber nicht in allen Fällen ist gewährleistet, dass die Fonds tatsächlich im Sinne des Anlegers zusammen gestellt sind.

Fonds, die etwa auf dem FTSE4good basieren, können für den Anleger mit hehren nachhaltigen Zielen böse Überraschungen bereit halten.

Der Anteil nachhaltiger Geldanlagen ist in Deutschland gemessen am Gesamtvolumen mit zwei Prozent noch relativ gering. Mit der derzeit steigenden Nachfrage nach "grünen" Geldanlagen wächst der Druck auf die Unternehmen sich zu verändern. Jeder grün angelegte Euro macht da den Unterschied, ganz egal, was der Anleger vorrangig bezweckt: Eine faire Weltwirtschaft, mehr Windkraft aus der Steckdose - oder ganz einfach: Rendite.

© sueddeutsche.de/hgn

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