Société Générale: Der Fall Kerviel Alles oder nichts

Und es gibt tatsächlich gute Gründe, stutzig zu werden. So geht aus der Anklageschrift, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, nicht nur hervor, dass die beiden Briefe, die die Handelsüberwachungsstelle Eurex in Frankfurt an die Société Générale schickte, sich an mehrere Personen und ganze Abteilungen richtete.

Darin zeigt sich auch, dass die Antworten lange auf sich warten ließen und schließlich von offizieller Seite so vage formuliert waren, dass die Aufseher in Frankfurt daraus nicht schlau werden konnten. Gab es also Mitwisser? Oder war Kerviel so gerissen, alle Bedenken seiner Vorgesetzten auszuräumen und das gesamte Kontrollsystem auszutricksen?

Davon ist der Anwalt der Société Générale überzeugt, die ebenfalls prominent vertreten wird: Jean Veil ist der Sohn der ehemaligen französischen Politikerin und KZ-Überlebenden Simone Veil.

Urlaub im Knast

Die Verhörprotokolle sprechen für Veils Einzeltäter-These: "Die Société Générale wusste nichts von meinen Positionen", sagte Kerviel vor dem Untersuchungsrichter. Seine Vorgesetzten hätten auch nichts von seinem Riesengewinn Ende 2007 gewusst. Er gestand zudem ein, E-Mails gefälscht zu haben.

Und als Eurex nachforschte, chattete er mit seinem Freund und Geschäftspartner Moussa Bakir: "Ich sitze in der Scheiße." "Warum?", fragte Bakir. "Ich hab zu viel Kohle gemacht ... Eurex zermalmt mir noch die Eier..." Und einen Monat später, Mitte Dezember 2007, antwortete Kerviel auf den Ratschlag des Freundes, unbedingt Urlaub zu nehmen: "Jau, im Knast." Bank-Anwalt Veil sieht in dem Chat deutlicher vielleicht noch als in den Aussagen vor der Polizei und den Untersuchungsrichtern das Eingeständnis, strafbar gehandelt zu haben.

Doch Veil will Kerviel nicht nur verurteilt sehen: "Ich werde zudem die Wiedergutmachung des Schadens einfordern, den die Bank erlitten hat, einerseits den finanziellen Schaden in Höhe von 4,9 Milliarden Euro, andererseits den Imageschaden, den die Bank gerade ermittelt."

Die Summe könnte in den zweistelligen Milliardenbereich gehen. Für Kerviel steht alles auf dem Spiel.