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Schuldenkrise:Rehn geißelt "Herdenverhalten" der Finanzmärkte

EU-Währungskommissar Olli Rehn macht Druck: Der Finne wettert über das angstgetriebene Gebaren von Anlegern und Investoren, die Euro-Staaten drängt er, die Rettungsschirm-Neuerungen zügig durchzusetzen. Deutschland habe eine besondere Rolle - und einiges gut gemacht.

EU-Währungskommissar Olli Rehn hat die Euro-Staaten aufgefordert, die beim EU-Gipfel im Juli beschlossenen Änderungen am Euro-Rettungsschirm so schnell wie möglich zu verabschieden. Die Euro-Länder müssten die Vorgaben "nun ganz schnell in die Tat umsetzen, spätestens im September, um die Unsicherheit zu beenden", sagte Rehn der Bild-Zeitung.

Rehn fordert schnelles Handeln der Euro-Laender

EU-Währungskommissar Rehn fordert, die Änderungen am Euro-Rettungsschirm rasch in die Tat umzusetzen.

(Foto: dapd)

Zuden kritisierte Rehn das Verhalten der Finanzmärkte scharf und warf ihnen vor, "anfällig für Herdenverhalten und Massenpanik" zu sein. Die Märkte seien sehr nervös und wollten "alles auf einmal". Für die Übertreibungen auf den Märkten gebe es keinen Grund. "Die Wirtschaftszahlen in der Eurozone sind solide und rechtfertigen keine derartigen Marktturbulenzen", sagte Rehn.

Rehn rechnet nicht damit, dass weitere Länder unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müssen. Gefragt nach etwaigem Hilfebedarf für Länder wie Italien, Spanien und Frankreich sagte der Währungskommissar: "Wir erwarten nicht, dass diese Länder Hilfen aus dem Stabilitätsmechanismus brauchen." Er rechne auch nicht mit Banken-Zusammenbrüchen in Europa, die neue Krisen- und Rezessionsgefahren nach sich ziehen könnten. "Der EU-Bankensektor ist viel widerstandsfähiger als 2008", erklärte Rehn.

Bei dem Sondergipfel am 21. Juli hätten die Regierungschefs der Euro-Zone "wegweisende Entscheidungen" getroffen. "Beamte in ganz Europa arbeiten jetzt Tag und Nacht an der Umsetzung. Die Detailarbeit ist sehr komplex, aber es handelt sich um Wochen, nicht Monate", sagte der finnische EU-Politiker. Um Vertrauen zurückzugewinnen, müsse jetzt auf allen Ebenen gehandelt werden. Die gefährdeten Staaten müssten rigoros sparen. Aber auch die jüngsten Eingriffe der Europäischen Zentralbank, die Anleihen von Spanien und Italien aufgekauft hatte, seien "zur Stabilisierung nötig geworden".

Besondere Rolle Deutschlands

Deutschland trage bei der Bewältigung der Euro-Krise eine große Verantwortung, sagte Rehn. Als Exportnation profitierte Deutschland stark vom Euro. "Wirtschaftserfolg und Verantwortung kann man nicht trennen, und vor beidem habe ich große Achtung."

Deutschland habe seinen Haushalt "sehr gut in Ordnung gebracht und zahlt einen sehr niedrigen Zinssatz, das hilft", sagte Rehn. "Unsere Antwort auf die Krise muss maximale Durchschlagskraft haben, denn kein Land sollte eine größere Last tragen, als es kann."