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Sal. Oppenheim:Ende der Tradition

Beim Bankhaus Sal. Oppenheim räumen die noch aktiven Familienmitglieder vorzeitig das Feld. Der neue Mann an der Spitze heißt Wilhelm von Haller.

Caspar Dohmen

Schneller als erwartet ist Schluss mit dem familiären Führungsquartett bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Vor allem Bankchef Matthias Graf von Krockow wurde das Missmanagement, das schließlich zum Verkauf des Traditionshauses geführt hat, angelastet. Jetzt zieht er daraus die Konsequenzen: Der Bankchef werde noch vor Heiligabend zurücktreten und seine Aufgaben an Wilhelm von Haller übergeben, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Finanzkreisen. "Endlich hat er ein Einsehen", kommentierte ein Insider. Doch ganz freiwillig kam diese Entscheidung Krockows nicht: Die Finanzaufsicht Bafin hat Druck gemacht. Sie will die Verhältnisse an der Führungsspitze der größten europäischen Privatbank noch vor Jahresende geklärt wissen.

Sal. Oppenheim, Foto: ddp

Wilhelm von Haller soll neuer Chef der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim werden.

(Foto: Foto: ddp)

Die Aufseher hatten den Bankern schon seit Jahresanfang genauer auf die Finger geschaut. Zunächst ging es lediglich um eine normale Sonderprüfung. Doch dann kam Oppenheim ins Schlingern. Nicht zuletzt das Engagement beim Warenhauskonzern Arcandor lief schief, die Eigenkapitaldecke der Bank wurde bedrohlich dünn, die Ratingagentur Fitch drohte mit Herabstufung der Bonität - und die Gesellschafter waren nicht mehr in der Lage, die Löcher zu stopfen. Als Rettung blieb nur noch der Verkauf an die Deutsche Bank.

Was die Aufseher zuletzt alarmierte, war die Verquickung von geschäftlichen und privaten Angelegenheiten bei der Bank. Die Führungskräfte hatten sich großzügig Kredite zu Vorzugsbedingungen genehmigt, mit Zinssätzen von teils nur 1,5 Prozent - Konditionen, von denen ein normaler Bankkunde nur träumen kann. Knapp die Hälfte davon sei gar ohne Sicherheiten ausgezahlt worden, kolportieren Insider. Und mittlerweile ist auch klar: Die Bank hat im zweiten Halbjahr rote Zahlen geschrieben.

In der Kritik steht die gesamte Führungsspitze; neben Krockow sind dies Christopher Freiherr von Oppenheim, Dieter Pfundt und Friedrich Janssen. Sie werden voraussichtlich im Januar das Institut verlassen. Einzig Christopher von Oppenheim könnte bei der künftigen Deutsche-Bank-Tochter eine repräsentative Aufgabe übernehmen. Als ausgeschlossen gilt aber, dass er operativ ins Geschäft eingreifen wird. Das will die Aufsicht verhindern.

Das neue Team für die Privatbank steht offenbar bereits fest. "Die Führungsriege hat Haller schon zusammengestellt", heißt es in Bankkreisen. Allerdings müssen die Gremien von Oppenheim formal noch zustimmen. Ein Sprecher des Bankhauses und der Deutschen Bank wollten dies nicht kommentieren.

Die Wettbewerber schlafen nicht

Sicher ist: Mit dem Abgang der persönlich haftenden Gesellschafter wird die Bank der Reichen zu einer ziemlich gewöhnlichen Bank, jedenfalls was die Führungsriege anbelangt. Künftig wird das Institut von angestellten Vorständen geführt. Haller, 57 Jahre alt und seit Dezember schon als Generalbevollmächtigter an Bord, kommt von der Deutschen Bank und gilt als Experte für mittelständische Firmen.

Die übrigen Vorstände sollen dem Vernehmen nach aus dem Haus rekrutiert werden. Die neue Crew steht nun vor allem vor der Aufgabe, das Vertrauen der reichen Kundschaft zurückzugewinnen. Das wird nicht einfach. Denn die Wettbewerber schlafen nicht. Einige Konkurrenten haben schon in der Nähe des Kölner Stammsitzes von Sal. Oppenheim Filialen eröffnet.

Für die Bank ist es ein herber Abstieg. Lange schienen die Kölner Bankiers ein gutes Gespür für Geschäfte zu haben. Der Verkauf des Versicherers Colonia 1989 und der Rückzug aus dem Hypothekengeschäft, beides kluge Schachzüge, hatten die Kasse der Oppenheims prall gefüllt. Davon profitierte die Bank noch, als sie 2005 die Frankfurter BHF-Bank weitgehend übernahm. Damals traf man auf Empfängen einen gut gelaunten Krockow, der bei einem Glas Rotwein gerne darüber plauderte, was für ein Schnäppchen er gemacht habe. Es war die Zeit, als die Bankiers von Oppenheim in der Prager Burg die Eröffnung einer Niederlassung in Tschechien feierten und dafür ein Symphonieorchester engagierten. Bald erschien den persönlich haftenden Gesellschaftern der Bankplatz Köln als zu eng: Man zog nach Luxemburg, begann mit dem Bau einer neuen Zentrale.

Bank in gefährlichem Fahrwasser

Selbstbewusst las Krockow damals der Branche die Leviten und forderte im Sommer 2008 beispielsweise eine Mässigung der Banker. Kritikern, die das Engagement der Bank beim Warenhaus- und Touristikkonzern Arcandor skeptisch beäugten, rechnete er vor, dass sich die Beteiligung bald lohnen würde. Doch schon kurz darauf wurde klar, dass die Bank gar nicht mehr eigenständig überleben kann - manche Äußerung der Bankiers erschien nun in einem völlig neuen Licht.

Die persönlich haftenden Gesellschafter hatten ihre Bank in gefährliches Fahrwasser manövriert. Sie hatten unter anderem Millionensummen im Zertifikategeschäft verzockt. Gleichzeitig entpuppten sich zahlreiche Beteiligungen als Flop, ob bei der Immobiliengesellschaft IVG, der Industrie-Kreditbank IKB oder eben bei Arcandor. Vor allem im Pleitefall Arcandor sahen viele die Kölner Bankiers als Großaktionäre in der Pflicht - bis klar wurde, dass sie gar nicht mehr in der Lage waren zu helfen. So verfügten einige Gesellschafter nicht mehr über ausreichend Liquidität, auch, weil sie in den Vorjahren hohe Summen in die geschlossenen Fonds der Tochterfirma Oppenheim-Esch investiert hatten. Nun war klar, dass die Bank ihre Unabhängigkeit verlieren wird.

Wenn die Zentrale in Luxemburg fertig sein wird, wird die traditionsreiche Privatbank nur noch eine Tochter der Deutschen Bank sein, ähnlich wie künftig auch die Postbank. Krockow wird den Neubau nicht mehr einweihen.

© SZ vom 22.12.2009/tob

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