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Reden wir über Geld:"Olympische Spiele - ein Desaster"

SZ: Sie arbeiten als Psychologin in einem Programm für Drogensüchtige. Wurde auch Ihr Gehalt gekürzt?

Ganatsious: Ich bekomme bis zu 15 Prozent weniger. Vor den Kürzungen verdiente ich inklusive Kindergeld 1700 Euro.

Komninos: Und alles wird teurer. Die Steuern gehen hoch. Zigaretten sind um 20 Prozent teurer, sie kosten vier Euro. Benzin kostet 60 Prozent mehr als vor einem Jahr, für den Liter Super zahlt man 1,80 Euro. Ich denke manchmal, Athen ist die teuerste Stadt Europas.

SZ: Wie kommt das?

Komninos: Wir produzieren nichts. Alles kommt von außen. Sogar Zitronen und Obst importieren wir mittlerweile.

SZ: Was bauten Sie als Architekt?

Komninos: Bahnhöfe, Fußgängerbrücken, Häuser und Hotels, alles.

SZ: Waren Sie schon mal arbeitslos?

Komninos: Nein. Im Jahr 2004 wurden hierzulande ja die Olympischen Spiele vorbereitet.

SZ: Es herrschte Goldgräberstimmung.

Komninos: Für Griechenland war es ein Desaster. Baufirmen verdienten zwar ein Riesengeld, in fünf Jahren sollte eine komplett neue Infrastruktur aus dem Boden gestampft werden. Aber das war zu teuer für unser armes Land. Alles war zu unorganisiert und es gab viel Korruption.

Ganatsious: Die Korruption ist noch immer da. Auch im Gesundheitssektor. Ich glaube nicht, dass das besser geworden ist.

Komninos: Arbeitslos zu sein, ist schlimm. Mein Gefühl ist, der ganze Bausektor ist nun tot. Was in der Infrastruktur getan werden musste, ist getan. Und das Land steht voller Geisterstädte. 200.000 neu gebaute Häuser stehen leer. Dabei war ich noch einer der Glücklichen. Viele Kollegen haben schon lange keine Arbeit mehr.

SZ: Architekten sind zusammen mit Rechtsanwälten und Ärzten die Buhmänner der Nation, werden als Steuerhinterzieher an den Pranger gestellt.

Komninos: Das gilt nur für eine kleine Gruppe von Spitzenverdienern. Meine Kunden zahlten mich dagegen nie bar, sondern immer per Überweisung, ich bin für Steuerbehörden leicht kontrollierbar.

SZ: Hat sich Ihr Leben verändert?

Komninos: Wir haben nur mehr ein Gehalt. Und wir haben keine Ersparnisse, auf die wir zurückgreifen konnten. Vorher kamen wir beide zusammen auf 40 oder 45.000 Euro im Jahr, vor Steuern. Davon konnten wir ab und zu ins Restaurant gehen oder ins Theater.

Ganatsious: Jetzt gehen wir nicht mehr aus. Ferien sind gestrichen. Im Supermarkt lassen wir den teuren Käse liegen. Gleichzeitig haben wir mehr Ausgaben mit dem Baby. Unsere Freunde treffen wir jetzt nicht mehr im Lokal, sondern lieber im Park oder gleich zu Hause.

SZ: Sie wirken so zuversichtlich.

Komninos: Lasst uns unsere letzten Tage mit Wein und Rosen genießen... (lacht)

Ganatsious: Wir müssen optimistisch sein. Wir haben zwei Kinder. Aber wir haben keine große Hoffnung für ihre Zukunft. Es gibt keine Jobs. Die Schulen werden schlechter von Tag zu Tag. Gut, sie kosten nichts. Aber sie sind so schlecht, dass wir die Kinder zusätzlich auf private Paukschulen schicken müssen.

Komninos: Im Krankenhaus gilt das Gleiche. Wenn du eine Operation brauchst, dann lässt dich das staatliche Krankenhaus vielleicht ein Jahr warten. Wenn es eilt, musst du in eine Privatklinik. Bislang war es auch üblich, den Ärzten unterm Tisch ein wenig Geld zuzustecken. Aber wir haben das bei der Geburt unseres Sohnes nicht getan. Und wir wurden dennoch sehr nett behandelt.

Ganatsious: Wir sehen nun, was für Glück wir hatten, mit all dem, was wir erleben durften in unserem Leben. Aber was wird mit ihnen? (Sie deutet auf ihre Tochter).

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