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Reden wir über Geld: Klaus Schlappner:Was junge Fußballer damals verdienten und weshalb sie meistens keine Ahnung vom Leben hatten

SZ: Was verdienten Spieler damals?

Klaus Schlappner, Foto: Bongarts/Getty Images

Klaus Schlappner sagt: "Ich wollte immer finanziell unabhängig vom Trainerjob sein."

(Foto: Foto: Bongarts/Getty Images)

Schlappner: Etwa 1000 US-Dollar im Jahr. Das war viel Geld. Mein Dolmetscher zahlte für seine Wohnung weniger als zwei Euro - im Monat. Und es ging ja erst richtig los mit dem Fußball. Parallel bauten wir damals eine Profiliga auf. Bald gab es einen Zuschauerboom, mehrere zehntausend Besucher pro Spiel.

SZ: Und heute?

Schlappner: Die Spieler können in der Profiliga bis zu eine Million Dollar verdienen. Das ist zu viel, viele Talente verderben früh. Das Interesse an der Fußball-Liga flaut ab. Wegen der Wettskandale ist der chinesische Fußball sehr in Misskredit geraten, auch wenn die Behörden versuchen, dagegen vorzugehen. Als ich Ende 2009 das Spiel China gegen Libanon sah, zogen Finanzfahnder im Stadion Leute wegen Wettbetrug raus. Die Gewohnheiten sitzen halt tief.

SZ: Sie waren immer Fußballtrainer und Unternehmer, auch in China.

Schlappner: In dem Fall war das gar nicht geplant. Was schätzen die Chinesen an Deutschland am meisten? Fußball, Bier und Autos. Immer wieder bestürmten mich Leute, es müsse deutsches Bier geben. Das war eine Riesenchance, weil die Regierung die Märkte öffnete. Ich wandte mich an deutsche Brauereien. Aber die wollten abwarten. Das beobachtete ich öfter, dass deutsche Firmen zögern. Wie schade! Damals war China leicht zugänglich, heute ist die Konkurrenz knallhart. Tja. Ich habe es am Ende halt selbst gemacht: Schlappner-Bier, gebraut in meinem Auftrag.

SZ: Bier vom Nationaltrainer, um dessen Autogramme sich die Chinesen rissen. Was blieb da für Sie hängen?

Schlappner: Nicht so viel. Es gab Ärger mit der deutschen Firma, die das Bier für mich braute. Die füllten Frachtpapiere schlampig aus, die Ware blieb im Zoll hängen, die chinesischen Partner wollten nicht zahlen. Besser lief es mit Handelslizenzen für unseren Elektrobetrieb.

SZ: Sie waren erst Elektromeister und wurden erst spät Bundesligatrainer.

Schlappner: Die sechziger Jahre waren voll durchgeplant: Heiraten, Haus bauen, einen Sohn kriegen, noch einen Sohn und eine Tochter kriegen, Jägerprüfung, Meisterprüfung, eigener Betrieb.

SZ: Verstehe.

Schlappner: Die siebziger Jahre schafften meine Frau und ich voll durch. Das mit dem Trainer kam dann im Jahr 1979 eher zufällig.

SZ: Sie führten den Elektrobetrieb weiter, als Sie Bundesligatrainer wurden. Warum haben Sie sich den Stress angetan, in der Bundesliga wird gut gezahlt?

Schlappner: Ich wollte immer finanziell unabhängig vom Trainerjob sein. Zu anderen Trainern sagte ich: "Ich muss nicht Meister werden. Ich bin schon Meister."

SZ: Elektromeister. Warum war Ihnen die Unabhängigkeit so wichtig?