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Reden wir über Geld (22): Theo Waigel:"Der Euro ist mein Schicksal"

SZ: Wie lange war bei Ihnen Geld knapp?

Waigel: Schon eine Weile. Als junger Mann konnte ich kaum mal mit einem Mädchen ausgehen. Mit 19 lud ich ein Mädchen ins Café ein und merkte: Hoppla, du hast ja nur 4,50 Mark. Wenn sie jetzt zwei Viertel Wein bestellt, kannst du nicht zahlen. Gott sei Dank war sie so anständig, nur ein Viertel zu bestellen. Später als Student bin ich stundenlang für Theaterkarten angestanden, die dann oft nicht mehr da waren.

SZ: Wollten Sie reich werden?

Waigel: Ich wollte nicht arm sein. Aber reich? Bei meiner Berufswahl habe ich mich nicht daran orientiert.

SZ: Was verdienten Sie als Finanzminister?

Waigel: Etwa 10.000 bis 12.000 Euro.

SZ: Ihr amerikanischer Ministerkollege Robert Rubin hat sich von der Citibank abwerben lassen.

Waigel: Ach, die Banker. Da waren schon einige dabei, die immer alles besser wussten, ob es um die deutsche Einheit ging oder den Euro. Das waren so Ex-Post-Klugscheißer, die haben auf uns Politiker heruntergeschaut. Aber wenn ich mir angucke, was die alles in den Sand setzen, nicht nur in der Finanzkrise, da habe ich keinen Minderwertigkeitskomplex.

SZ: Rubin hat Millionen verdient. Sind Sie neidisch?

Waigel: Ich hätte auch zu einer Bank gehen können, damals. Es gab ein Angebot. Wenn ich nicht bis zum letzten Moment für den Euro hätte kämpfen müssen, wäre ich 1997 aus der Politik ausgeschieden und Banker geworden.

SZ: Sie bekommen wegen der Währungsunion Drohbriefe, und jetzt wollen Sie wirklich sagen, Sie hätten sich den Euro auch noch Millionen kosten lassen?

Waigel: So genau will ich das gar nicht wissen. Ja, der Euro ist wohl mein Schicksal. Was soll's. Das war es wert, historisch gesehen. Ich persönlich bin sowieso mit dem zufrieden, was ich habe.

SZ: Sie darben ja nicht. Wie hoch ist Ihre Pension?

Waigel: Das sage ich Ihnen jetzt nicht. Ich bin kein Freund des gläsernen Politikers.

SZ: Sie arbeiten auch noch als Anwalt.

Waigel: Meist umsonst für gute Zwecke.

SZ: Sie halten auch viele Vorträge, genauso wie Joschka Fischer oder Gerhard Schröder. Tun Sie das wegen des Geldes oder eher aus Eitelkeit? Waigel: Eitelkeit? Sie sind hässliche Menschen. Ich mache meist nur Vorträge oder Debatten, die mich interessieren.

SZ: Welchen Luxus leisten Sie sich?

Waigel: Ich habe mein Elternhaus bewahrt und renoviere es. Ich wollte meine Heimat erhalten, für mich und meine Kinder. Das ist ein Luxus, den ich mir leiste. Und wenn ich meinen Kindern helfen kann, dann helfe ich. Da bin ich der Meinung: Es ist besser, wenn die warme Hand gibt als die kalte.

SZ: Was war Ihr bestes Geschäft als Finanzminister?

Waigel: Das war bei der Wiedervereinigung. In der DDR lebten 500.000 russische Soldaten und eine Million Angehörige, es standen etwa 30.000 Panzer dort, und es gab Tausende nuklearer Waffen. Für den friedlichen Abzug hat die Bundesrepublik damals nur 15 Milliarden Mark gezahlt, davon drei Milliarden nur als Kredite, die Russland komplett und sogar vorzeitig zurückbezahlt hat.