bedeckt München

Rangfolge der Erben:Ehegatten und unverheiratete Paare

Neben den Verwandten haben auch Ehegatten und Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ein im Gesetz verankertes Erbrecht - das allerdings nicht so umfassend ist, wie viele Paare glauben: Sein Erbe muss der überlebende Partner möglicherweise mit Schwiegereltern, Schwägerin oder Schwager teilen. Alleinerbe ist er nur, wenn der Verstorbene keine Eltern, Großeltern oder Geschwister (mehr) hat.

Ehegatten-Erbrecht

Kurt hinterlässt seine Frau Luise, mit der er im gesetzlichen Güterstand lebte, die beiden Kinder Markus und Nathalie sowie seinen Bruder Otto. Nachdem mit den beiden Kindern Erben erster Ordnung vorhanden sind, ist der Bruder von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen. Die Ehefrau erbt die Hälfte des Vermögens, nämlich das ihr laut Gesetz zustehende Viertel plus ein weiteres Viertel als Zugewinnausgleich. Die Kinder Markus und Nathalie teilen sich die zweite Hälfte des Nachlasses.

Wichtig für die Berechnung der Erbanteile ist der Güterstand, in dem das Paar lebte. Bei den meisten Eheleuten ist das der gesetzliche Güterstand, die sogenannte Zugewinngemeinschaft. Dabei erbt der Ehepartner neben den Erben erster Ordnung, also seinen Kindern oder Enkeln, zunächst einmal ein Viertel, gegenüber Verwandten zweiter Ordnung sowie Großeltern des Verstorbenen die Hälfte. Außerdem hat er ein Anrecht auf den sogenannten Zugewinnausgleich. Dafür wird entweder der Basisanteil pauschal um ein Viertel erhöht. Oder die Summe wird - ähnlich wie bei einer Scheidung - an Hand des Vermögens ermittelt, das während der Ehe tatsächlich gemeinsam gebildet wurde. Welches Modell am günstigsten ist, sollte man sich im Einzelfall errechnen lassen. Bei einer Gütertrennung fällt der Zugewinnausgleich weg.

Wären Kurt und Luise kinderlos geblieben, sähe die Verteilung folgendermaßen aus: Luise erbt drei Viertel, denn ihr stehen die Hälfte des Nachlasses plus ein Viertel Zugewinnausgleich zu. Ihr Schwager Otto erhält als Erbe zweiter Ordnung ein Viertel.

Geschiedene Ehepartner können einander nicht beerben. Das gilt auch dann, wenn die Scheidung noch gar nicht ausgesprochen, der Erblasser aber schon den Scheidungsantrag gestellt oder dem Scheidungsantrag des überlebenden Partners zugestimmt hatte (Oberlandesgericht Köln, Az: 2 Wx 122/11).

Kein gesetzliches Erbrecht für unverheiratete Partner

Bei unverheirateten Paaren steht dem länger lebenden Partner nach dem Gesetz kein Erbrecht zu. Das Vermögen wird ausschließlich an die Verwandten des Verstorbenen verteilt. Wer seinen Partner wirtschaftlich absichern und ihm das ganze Vermögen oder zumindest große Teile davon zukommen lassen will, muss ein Testament oder einen Erbvertrag errichten.

Soweit das Gesetz - allerdings ist niemand verpflichtet, sich an die Regeln der gesetzlichen Erbfolge zu halten und der ungeliebten Cousine oder dem ohnehin schon schwerreichen Onkel etwas zu vererben, nur weil das BGB es so vorsieht. Jeder gesetzliche Erbe kann durch ein Testament von der Erbfolge ausgenommen werden, indem der Erblasser ihn explizit ausschließt - oder einfach gar nicht erwähnt und andere Personen zu Erben beruft. Allerdings können Enterbte oft einen Pflichtteil geltend machen. Die Summe muss ihnen dann von den Erben ausgezahlt werden.

Wenn zur Zeit des Erbfalles überhaupt keine Verwandten mehr leben und es auch keinen Ehegatten beziehungsweise keinen eingetragenen Lebenspartner gibt, wird der Staat gesetzlicher Erbe.

© SZ.de/dd/sry

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite