Messe Frankfurt Drei Jahre geplant, zwei Jahre gebaut

In Spitzenzeiten haben mehr als 800 Handwerker auf der Baustelle der Halle 12 gearbeitet.

(Foto: Messe Frankfurt)

Die neue Halle der Messegesellschaft ist riesig groß und voll modernster Technik. Die Kosten dafür belaufen sich auf 250 Millionen Euro. Warum wird so viel Aufwand betrieben für eine reine Funktionsimmobilie?

Von Helga Einecke

Endspurt in Halle 12 auf dem Frankfurter Messegelände. Zur Automechanika am 11. September muss alles fertig sein. Der Neubau erstreckt sich über fünf Fußballfelder, und noch arbeiten Handwerker an vielen Ecken, starten Probeläufe von Elektrik, Belüftung, Kühlung, Wärme. Gleich im Foyer weist eine Rolltreppe steil nach oben. "Express-Rolltreppe" nennt man eine solche Himmelsleiter, die zehn Höhenmeter überwindet.

Uwe Behm, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, lässt die Rolltreppe rechts liegen und weist in die Weite der großen leeren Halle. Dicke Säulen tragen die Last des ersten Geschosses und des Daches. Zehntausende Elefanten müsse man zusammentreiben, um solche Gewichte zu stemmen. Unter der zehn Meter hohen Decke verlaufen ähnlich wie in Theatern Leitern, um die Beleuchtungen zu regeln. Am Boden spalten zwei Schächte längs die Halle. Man nennt sie Spartenkanäle. Sie dienen den Ausstellern als Versorgungszugänge. Je nach Größe ihres Standes können die Anbieter dort Strom, Wasser, Internet-Zugänge zapfen. Ein Blick in die Tiefe zeigt: Es gibt genug Kapazitäten. Verschlossen werden die Kanäle mit gusseisernen Deckeln. 19 000 Stück gibt es davon in dieser Halle, schon ein einziger lässt sich schwer bewegen. Sie sind so robust, weil sie die Last von Lkw aushalten müssen, die beim Auf- und Abbau der Stände quer durch die Halle rollen. Der Boden entspricht dem Straßenbelag. Unter diesem Boden sind die Keller-Kammern mit so viel Technik gespickt, dass 40 Prozent der Projektkosten dort hängenbleiben. Riesige Rohrer führen einmal rundherum unterhalb der Halle. Es geht um Lüftung, also Klimatechnik.

"Für unsere Messehallen ist die Versammlungsstättenverordnung das Maß der Dinge. Dort ist für diese Art von Immobilien alles geregelt", erläutert Behm und schwenkt das Gesetzbuch. Es geht um die Vorschriften, die in Kinos, Stadien, Gebäuden für viele Menschen greifen, also auch in dieser Halle, die auf 23 600 Besucher ausgerichtet ist. Fluchtwege, Zufahrten, Anzahl der Toiletten, Brandschutz, alle diese Details müssen beachtet, geplant und eingebaut werden. Den Ausstellern soll es an nichts fehlen.

Alles begann vor fünf Jahren mit einer Zeichnung von Gerhard Wittfeld, Partner der Kadawittfeldarchitektur. Er skizzierte eine asymmetrische Pyramide als Grundidee, durch die ein orange markiertes breit gezacktes Band läuft. Die Halle soll nämlich das verglaste übergeordnete Wegesystem der Messe - die sogenannte Via Mobile - einbeziehen und seinen Kreis schließen. Erstmals können dann Besucher trockenen Fußes sämtliche Messehallen in Frankfurt betreten, auf halber Höhe sozusagen. Die Halle 12 liegt direkt am neuen Europaviertel und öffnet sich nach Osten, Westen und Norden. Solarmodule auf dem Dach helfen beim Stromsparen. Für vier Restaurants und Bistros wird an Ausstattung und Design nicht gespart. Symmetrische Elemente verschönern die Fassade.

Geplant wurde drei Jahre, gebaut zwei Jahre. Kosten lässt sich die Frankfurter Messe ihren Neubau 250 Millionen Euro. Warum so viel Aufwand für eine Funktionshalle? Der Messemanager hat gute Argumente. Zum einen müsse die Halle sehr lange halten, das erfordere penible Planung. "Wer nicht sorgfältig vorplant, erhält die Quittung spätestens in der Bauphase, und dann laufen Kosten und Termin ganz schnell aus dem Ruder", sagt Behm, der dieses Geschäft seit zwei Jahrzehnten kennt. Er hebt außerdem die Besonderheiten des Frankfurter Messegeländes hervor, das mitten in der Stadt liegt, wegen des begrenzten Platzes auf zwei Geschosse ausgerichtet ist. Alle Gebäude werden ganz bewusst von einem anderen Architekten geplant, weshalb die Messe auch eine Bauhistorie über die Jahre hinweg bietet. "Architektur ist Teil unserer Genetik", gibt Behm ein wenig an, zudem müsse man sich mit Konkurrenten wie Shanghai, Singapur, Las Vegas messen.

Die Halle 12 ist auch ein Pfeiler des Masterplans der Frankfurter Messe, der über einen Zeitraum von 25 Jahren für eine Milliarde Euro die Sanierung und Ergänzung des Geländes vorsieht und 2023 endet. Die Messeleitung betont gern, diese Investitionen selbst zu erwirtschaften und nicht von Subventionen abhängig zu sein. Allerdings steht Frankfurt mit der Rundum-Sanierung des Ausstellungsgeländes nicht allein da. Sämtliche deutsche Messeplätze wollen ihre Gebäude auf den neuesten Stand bringen, denn allein die Vorschriften des Brandschutzes und die neuen technischen Möglichkeiten machen dies erforderlich. In München Riem bieten zwei neue Hallen den Messen für Bau, Umwelt und Sport mehr Platz. Hinzu kommt ein Kongressbereich für tausend Teilnehmer. In Essen geht es gleich um fünf neue Hallen, alle flach und mit Tageslicht. Die Messen in Köln und Düsseldorf haben sich ebenfalls mehrjährige Modernisierungsprogramme verordnet.

Den Architekten kommen solche Großprojekte sehr gelegen, können sie damit doch anspruchsvollen Gebäuden ihren Stempel aufdrücken. Man denke nur an die Hallen der Nürnberger Messe nach den Plänen der Architektin Zaha Hadid. Bis zum Jahr 2022 wollen die deutschen Messegesellschaften 900 Millionen Euro investieren in die Modernisierung bestehender Hallen und in Neubauten. Es geht um neue Hallenflächen von 55 000 Quadratmetern, wie eine Umfrage des Auma, des Verbandes der Deutschen Messewirtschaft, ergab.