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Letzter Wille:Besonderheiten des gemeinschaftlichen Testaments

Komplizierter ist es bei einem gemeinschaftlichen Testament, das Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner verfasst haben. Darin enthaltene "wechselbezügliche Verfügungen" können im nachhinein nicht einfach auf Wunsch eines Partner abgeändert werden. Wechselbezügliche Verfügungen sind zum Beispiel, wenn sich Ehegatten in einem "Berliner Testament" gegenseitig als Erben einsetzen oder beide im Testament die gemeinsamen Kinder zu gleichen Teilen als Schlusserben bestimmen.

"Wechselbezügliche Verfügungen können von beiden Partnern einvernehmlich aufgehoben werden", erläutert der Anwalt. Will aber nur ein Ehegatte von der Erbeinsetzung des Partners wieder abrücken, dann muss er den Widerruf notariell beglaubigen und diesen dem anderen zustellen lassen. Damit wird das gemeinschaftliche Testament ungültig und es kann ein neues errichtet werden.

Kinder aus zweiter Ehe haben das Nachsehen

Das Recht zum Widerruf erlischt mit dem Tod eines Ehegatten oder Lebenspartners. Sind die gemeinsamen Kinder als Schlusserben eingesetzt und heiratet der hinterbliebene Partner erneut, dann haben der neue Partner und etwaige Kinder aus dieser Ehe lediglich Anspruch auf den Pflichtteil. Die gemeinsame Verfügung, in der allein die Kinder aus erster Ehe als Erben eingesetzt wurden, ist bindend.

"Es bleibt in einem solchen Fall nur die Möglichkeit innerhalb eines Jahres nach der zweiten Heirat oder der Geburt des zweitehelichen Kindes das gemeinschaftliche Testament beim Nachlassgericht anzufechten", sagt Frieser. Dadurch wird das gemeinschaftliche Testament rückwirkend ungültig. "Der hinterbliebene Ehegatte bekäme dann zwar nur seinen gesetzlichen Anteil, dafür kann er aber wieder frei über seinen Nachlass verfügen und seinen neuen Partner und seine neuen Kinder testamentarisch bedenken."