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Konjunktur in den USA:Ende der Rezession naht

Deutlicher Lichtblick für die US-Konjunktur: Die größte Volkswirtschaft der Welt hat im zweiten Quartal ihre schlimmste Talfahrt seit Jahrzehnten deutlich gedrosselt.

Als Ben Bernanke Mitte März "grüne Triebe" inmitten der konjunkturellen Eiswüste zu erkennen glaubte, winkten viele ab, verlachten den US-Notenbankchef gar. Zu katastrophal schien das Ausmaß dieser "Großen Rezession", wie man sie in den USA nennt, als dass irgendwo Besserung hervorlugen könnte. Knapp fünf Monate später scheint es, als habe Bernanke den richtigen Riecher gehabt.

Ben Bernanke hat schon vor Monaten "grüne Triebe" inmitten der konjunkturellen Eiswüste zu erkennen geglaubt.

(Foto: Foto: AP)

Immer mehr Indikatoren künden von der ersehnten Konjunkturwende für die größten Volkswirtschaft der Welt. Regierungsdaten unterstrichen am Freitag: Die Talfahrt hat sich im zweiten Quartal deutlich verlangsamt. Das Schlimmste, so scheint es, ist vorüber. Doch bricht mit Blick auf die erwartete Gesundung niemand in Jubel aus.

Auch die Medien machen Hoffnung

"Die Rezession ist vorbei!", verkündete auch das US-Magazin Newsweek auf seiner jüngsten Titelseite und fügt kleiner an: "Viel Glück dabei, die Erholung zu überleben." Zwar erwarten Ökonomen, dass nach vier Negativ-Quartalen in Folge der dritte Dreimonats-Zeitraum 2009 endlich wieder Wachstum zeigt. Aber nicht nur die Pessimisten unter den Auguren erwarten allenfalls einen äußerst trägen Aufschwung. Was viele besonders nervös macht: Die Lage am Jobmarkt dürfte sich noch eine Weile verschlechtern, die Notenbank erwartet, dass die Arbeitslosenquote erst Anfang 2010 den Scheitelpunkt erreicht, und das dann im zweistelligen Bereich. Im Juni kletterte sie bereits auf 9,5 Prozent - so hoch wie seit 26 Jahren nicht mehr.

Immerhin zeichnet sich das Ende der Talfahrt immer deutlicher ab - nachdem Notenbank und Finanzministerium Hunderte Milliarden Dollar in das taumelnden Finanzsystem pumpten und die Regierung von Präsident Barack Obama der notleidenden Wirtschaft mit einem Konjunkturpaket über 787 Milliarden Dollar (562 Milliarden Euro) zu Hilfe eilte. Keiner zweifelt: Die massiven Schritte verhinderten das Äußerste.

War das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal noch um dramatische 6,4 Prozent geschrumpft, so verlangsamte sich die Talfahrt im zweiten nur noch um ein Prozent. In ihrem jüngsten regionalen Konjunkturreport konnte die Zentralbank von zunehmender Stabilisierung im Lande berichten. In den Ballungsräumen ziehen die Immobilienpreise - deren Absturz die Krise einst auslöste - zum ersten Mal seit drei Krisenjahren wieder an und Stimmungsindikatoren sehen wieder besser aus. Und die US-Börsen legten - beflügelt von besser als erwarteten Quartalsergebnissen - seit ihrem Tiefpunkt Anfang März eine atemberaubende Rallye hin. Und die eingefrorenen Kreditmärkte sind wieder deutlich aufgetaut.

Für Nouriel Roubini kein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. "Ich sehe nicht viel Wachstum vor uns", meinte der Wirtschaftsprofessor von der Universität New York, einer der wenigen frühen Warner vor der dramatischen Krise, unlängst im Fernsehen.

Keine Freudensprünge

Allenfalls eine "blutarme" Konjunktur erwarte er, mit einem Wachstum von lediglich einem Prozent über die nächsten beiden Jahre. Die Federal Reserve ist da optimistischer und erwartet für 2010 immerhin ein Plus zwischen 2,1 und 3,3 Prozent. Der Grund für Roubinis düstere Prognose: "Die Verbraucher haben ausgeshoppt". Zu zwei Dritteln hängt die größte Volkswirtschaft der Welt vom privaten Konsum ab.

Überschuldet, von Arbeitslosigkeit bedroht und mit Häusern, die nun deutlich weniger wert sind, ist den Amerikaner ihre legendäre Kauflaune vorerst vergangen - und damit die bislang wichtigste Triebfeder für die amerikanische Wirtschaft.

Es muss anders gehen

Längst hat die Krise den Amerikanern klar gemacht, dass es nicht so weitergehen kann, dass das Leben auf Pump auch Dank massiver chinesischer Kredite ein Ende haben muss. Die USA hätten bereits gelernt, "wie wichtig es ist, als Land und auf Ebene des einzelnen Haushalts nicht über unsere Verhältnisse zu leben", räumte unlängst Finanzminister Timothy Geithner auf einem amerikanisch-chinesischen Wirtschaftsforum ein.

Und Ökonomen mahnen seit langem, die USA müssten ihre Exporte als Pfeiler ihrer Wirtschaft massiv stärken, während die Bürger stärker als bisher ihre Sparstrümpfe füllen oder sich zumindest nicht mehr über beide Ohren verschulden sollen.

Präsident Barack Obama übt sich derweil in vorsichtigem Optimismus. "Wir sind vielleicht Zeuge des Anfangs vom Ende der Rezession", meinte er erst am Mittwoch. Das sei allerdings kaum ein Trost für all jene, die ihren Job verloren hätten. "Wir wissen, dass die harten Zeiten noch nicht vorüber sind."