IWF: Cyberattacke Hacker greifen Währungsfonds an

"Ausgeklügelter" Angriff auf das Computersystem des Internationalen Währungsfonds: Die Finanzorganisation ist Opfer einer monatelangen Cyberattacke geworden. Ob vertrauliche Daten gestohlen wurden, will der IWF nicht verraten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist nach einem Bericht der New York Times Opfer einer "ausgeklügelten" Cyberattacke geworden. Demnach erfolgte der Angriff auf das Computersystem, in dem hochvertrauliche Daten über die Finanzsituation verschiedener Länder gespeichert sind, in den vergangenen Monaten.

Er habe vor der Festnahme des inzwischen wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn begonnen. Die Mitarbeiter und der Verwaltungsrat der Einrichtung seien aber erst am vergangenen Mittwoch darüber informiert worden. Einem Sprecher zufolge ist die Finanzorganisation "voll funktionsfähig" und untersucht den Vorfall.

Die von der Zeitung zitierten Mitarbeiter wollten keine Angaben zum Ursprung der Cyberattacke machen. Laut New York Times könnte es sich um ein sogenanntes Spear Phishing gehandelt haben, bei dem ein Nutzer dazu verleitet wird, einen schädigenden Weblink oder ein Programm anzuklicken, mit dessen Hilfe sich Kriminelle Zugang zu Daten des fremden Rechners verschaffen können.

Das Ausmaß des Hackerangriffs sei noch unbekannt, schrieb die Zeitung. Sie zitierte aber Insider mit den Worten, die Computer-Attacke sei ernst. "Es war ein sehr bedeutender Eingriff", sagte demnach ein Beamter. Wie es weiter hieß, wurde die Attacke so ernst genommen, dass die Weltbank vorsichtshalber eine Computerverbindung zum Informationsaustausch mit dem IWF kappte. Die Hauptquartiere beider Institutionen liegen sich an einer Straße in Washington gegenüber.

Der IWF verfügt über detaillierte Finanzdaten seiner Mitgliedsstaaten, mit deren Kenntnis Bewegungen auf den Finanzmärkten beeinflusst werden können. Er spielt eine wichtige Rolle bei dem Versuch, Griechenland und Portugal vor dem Staatsbankrott zu retten.

Der Zeitung zufolge geht man beim Währungsfonds nicht davon aus, dass der Eingriff mit dem spektakulären Hackerangriff auf das Unternehmen RSA Security vom März zusammenhängt. Die Firma liefert Sicherheitsmechanismen zum Schutz vor unbefugten Zugriffen auf Computersysteme und hat weltweit Tausende von Unternehmen als Kunden.

Erst im vergangenen Monat hatten Hacker offenbar mit Hilfe der bei RSA Security gestohlenen Informationen versucht, in das Computersystem des Konzerns Lockheed Martin einzudringen. Lockheed ist der größte US-Hersteller militärischer Ausrüstungen.

Der IWF befindet sich bereits seit mehreren Wochen in den Schlagzeilen, weil er einen neuen Chef benötigt. Der bisherige Geschäftsführende Direktor Dominique Strauss-Kahn war nach Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung eines Hotel-Zimmermädchens zurückgetreten. Auf ihn kommt nun ein Prozess zu. Bis zum 30. Juni soll über die Nachfolge entschieden sein.

Um den einflussreichen Posten bewerben sich die französische Finanzministerin Christine Lagarde, der mexikanische Zentralbankchef Agustín Carstens und seit Samstag auch der israelischer Zentralbankchef Stanley Fischer. Der 67-jährige Fischer, der neben der israelischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, war von 1994 bis 2001 stellvertretender Direktor des Währungsfonds gewesen.