bedeckt München 16°
vgwortpixel

Index über 6000 Punkte:Da hilft auch der Dax nichts

Erstmals seit dem Lehman-Kollaps ist der Dax über 6000 Zähler gestiegen. Doch Optimismus ist nicht angebracht. Denn wer meint, die Krise sei vorüber, redet sich die Lage schön.

Jene, die die Weltwirtschaftskrise für allmählich überstanden halten, werden sich bestätigt fühlen: An der Börse stieg der deutsche Leitindex Dax über 6000 Punkte - zum ersten Mal seit September 2008.

Der Dax ist erstmals seit dem Lehman-Kollaps wieder über die Marke von 6000 Punkten gestiegen.

(Foto: Grafik: SZ)

Schon wahr, das ist eine gute Nachricht. Die Optimisten werden sie zu nutzen wissen. Und werden wieder verkünden, was Deutsch-Banker Josef Ackermann schon vor mehr als einem Jahr prophezeit hatte, bevor ihn der Kollaps von Lehman Brothers eines Besseren belehrte: dass die Krise bald vorbei sei.

Dieser Optimismus ist gewagt. Denn noch immer mangelt es an einem Gut, das für Volkswirtschaften und Finanzmärkte unverzichtbar ist: Es fehlt an Vertrauen, das Manager und Politiker zerstört haben. Wie lange es noch dauern wird, bis die Bürger den Banken- und Staatenlenkern wieder vertrauen, weiß niemand. Es sieht jedenfalls nicht danach aus, als ob dies bald der Fall sein wird.

Und dafür gibt es gute Gründe. Zuerst wankten die Banken, nun so manche Staaten. In vielen Schwellenländern droht ein Zusammenbruch der Währungen, in einzelnen Fällen sogar ein Staatsbankrott. Mit Ausnahme von China, dessen Regierung mit enormen Konjunkturprogrammen der Misere gegensteuert, stecken die meisten Staaten Osteuropas, Asiens und Lateinamerikas weiter in der Schuldenfalle.

Wie anfällig die Weltwirtschaft nach wie vor ist, offenbarte kürzlich die Geldnot des einstigen Glitzer-Emirats Dubai. Auch als von den explodierenden Schulden Griechenlands zu hören war, stürzten die Börsenkurse weltweit ab.

So erfreulich es ist, wenn der Dax am Ende des Jahres noch einmal steigt - wer jetzt glaubt, die Krise sei überwunden, redet sich die Lage schöner, als sie ist.