HSH Nordbank:Aufgeladene Lage

Laut Protokoll war die Lage 2009 "zulasten der Bank äußerst aufgeladen". Man habe es in der Türkei nicht nur mit der dortigen Reederei K. und der Justiz zu tun. Im Protokoll taucht ein bis dato unbekannter Mitspieler auf: die türkische Bankenkommission. Diese hatte die Firma K. offenbar in der Hand, weil die Firma einem türkischen Finanzinstitut viel Geld geschuldet haben soll. Daher sei nun die Bankenkommission der neue Gegner der HSH, ist dem Protokoll zu entnehmen.

Daher sei die Prevent AG gebeten worden, in der Türkei "über ihr Netzwerk im Hintergrund Gespräche mit der Politik und der Wirtschaft zu führen und die wahrgenommene Einseitigkeit der Bankenkommission aufzubrechen". Pikant: Bereits 2005 und 2006 war die deutsche Botschaft bei ähnlichen Versuchen gescheitert. Auffällig sind die hohen Honorare an Prevent, die ebenfalls in der Vorstandssitzung erörtert wurden: Die Kosten für Prevent beliefen sich bis Ende Juni 2009 angeblich auf 4,7 Millionen Euro. Sie enthalten das Erfolgshonorar plus Beratungskosten: Berechnet wurden 2400 Euro pro Mitarbeiter und Tag. Nicht nur KPMG bezweifelt, dass es dafür tatsächlich Gegenleistungen gegeben hat. "Es gibt erhebliche Ungereimtheiten über im Zusammenhang mit dem Projekt "Shisha" geleistete Zahlungen", sagte ein HSH-Sprecher am Dienstag.

Alle gemäß Protokoll beteiligten Akteure beteuern ihre Unschuld. Prevent habe nie zu illegalen Maßnahmen gegriffen, so ein Prevent-Sprecher. Auch HSH-Chefjurist Gößmann betonte am Dienstag über seine Anwälte, "stets in Abstimmung mit seinen Vorgesetzten und immer rechtmäßig sowie korrekt" gehandelt zu haben. Auch Nonnenmacher und Rieck halten sich nicht für verantwortlich. Rieck, der sich 2009 sogar mit dem ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz in Sachen Shisha traf, betont sogar, von den Honorarvereinbarungen mit Prevent nichts gewusst zu haben: "Die fragliche Zahlung ist ohne meine Einbindung geleistet worden."

© SZ vom 08.12.2010/hgn
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