Griechenland in Not:Papandreou im Orkan

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou lässt seine Landsleute für die Finanzmisere bluten. Ob die finanziellen Opfer allerdings reichen, ist offen.

Christiane Schlötzer

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou agiert wie ein Ertrinkender in der sturmgepeitschten Ägäis. Er schreit immer lauter nach Hilfe und hofft, dass seine Landsleute sein Flehen erhören und das griechische Schiff gemeinsam aus dem Orkan steuern werden.

Die Last, die die Retter dabei schultern sollen, ist schwer. Sie sollen weniger verdienen und mehr zahlen. Wer tut das schon gern? Die meisten Griechen haben zwar verstanden, dass ganz Hellas inzwischen in Seenot geraten ist. Aber ob dies reicht, den finanziellen Untergang abzuwenden, ist noch keineswegs gewiss.

Denn bislang waren Betrug und Selbstbetrug in Griechenland eng miteinander verbunden. Viele dachten, es gehe schon irgendwie weiter. Jeder nahm Kredite für alles und jedes auf, für das neue Auto, für die Reise nach Amerika. So machte es auch der Staat.

Nun fordert dieser Staat auf einmal etwas von seinen Bürgern. Auf 4,8 Milliarden Euro sollen sich die geplanten Sparmaßnahmen jetzt summieren, das sind zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Deutschen müssten 50 Milliarden Euro einsparen, wenn Berlin es Athen gleichtun wollte.

Papandreou möchte aber nicht nur, dass seine Landsleute seine schrillen Hilfeschreie und sein Wehklagen hören. Der Premier hofft, dass seine Beschwörungen auch in Berlin und Brüssel vernommen werden.

Am Mittwoch gab es bereits ein erstes Echo aus der EU, und dies könnte in Athen zumindest einen leichten Hoffnungsschimmer auslösen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte erstmals deutliches Lob für die griechische Regierung. Dies dürfte Athen an den Kreditmärkten helfen - und damit hätten sich Papandreous Bittgesänge schon gelohnt.

Im Video: Nach der Veröffentlichung der geplanten Sparmaßnahmen in Griechenland sprach Ministerpräsident Papandreou von schweren Entscheidungen.

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