Gewinne bei HSBC und Barclays:"Investmentbanking ist wieder da"

Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger: Nach guten Zahlen der Banken HSBC und Barclays wächst am Finanzplatz London die Hoffnung - die frohe Kunde beflügelt auch den Dax.

Die US-Banken machten den Anfang. Mit überraschend guten Quartalszahlen sorgten Goldman Sachs, JP Morgan und Citigroup für einen Paukenschlag an der Wall Street. Jetzt ziehen die Kollegen aus Großbritannien nach - und wecken die Hoffnung auf ein Ende der Bankenkrise.

Finanzzentrum Canary Wharf, London, Foto: AFP

Banker im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf: Die gescholtenen Institute erwirtschaften wieder hohe Gewinne - dank des florierenden Investmentbankings.

(Foto: Foto: AFP)

Die beiden Institute Barclays und HSBC konnten im ersten Halbjahr trotz hoher Abschreibungen Gewinne verbuchen. Während Barclays bis Ende Juni das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 2,98 Milliarden Pfund (3,5 Milliarden Euro) steigern konnte, verlor HSBC mehr als 50 Prozent und sackte auf fünf Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) ab.

Ausgerechnet das viel gescholtene Investmentbanking trug maßgeblich zu den Gewinnen bei. Bei Barclays konnte die Investmentbanking-Sparte ihren Gewinn auf 1,05 Milliarden Pfund verdoppeln, ebenso erging es HSBC. Das Institut verdoppelte seinen Gewinn im Investmentbanking auf 6,3 Milliarden Dollar. Erwartet wurden nach den positiven Ergebnissen auch wieder hohe Bonuszahlungen für die Investmentbanker der Londoner City.

In den anderen Bereichen sah es weniger gut aus. Bei Barclays lahmte das Geschäft mit Privatkunden weiter - dort brach das Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 268 Millionen Pfund ein. Die Abschreibungen auf faule Kredite verdoppelten sich nahezu von 2,45 Milliarden auf 4,56 Milliarden Pfund.

Dax auf Neun-Monatshoch

Bei HSBC, Europas größter Bank, stiegen diese Abschreibungen um 39 Prozent auf 13,9 Milliarden Dollar. Die Bank ist vor allem in Asien stark. Die Krise hatte HSBC allerdings auch mitgerissen, weil sie im Hypothekengeschäft in den USA aktiv war. Dieses Geschäft, das die weltweite Finanzkrise ausgelöst hatte, wird derzeit jedoch drastisch abgebaut. Der Vorstandsvorsitzende Stephen Green sagte, der Tiefpunkt auf den Finanzmärkten sei wohl überstanden.

Die Aktienmärkte reagierten prompt. Sowohl die HSBC-Aktie als auch die Papiere von Barclays legten am Montag deutlich zu. Analyst Ralph Silva sagte: "Investmentbanking ist wieder da." Großinvestoren würden ihr Geld dabei vor allem bei Banken anlegen, die keine Staatshilfen bekommen hätten. Barclays profitierte auch davon, dass sie Teile der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers übernommen hatte.

Auch der Dax reagierte auf die guten Nachrichten aus Großbritannien. Der deutsche Leitindex knackte die Marke von 5400 Punkten und kletterte bis zum Nachmittag um 1,78 Prozent auf ein neues Neun-Monatshoch von 5427 Zählern. Ganz vorne mit dabei waren Finanzwerte. Die Aktien der Commerzbank stiegen um 5,09 Prozent auf 5,78 Euro und für die Papiere der Deutschen Bank ging es um 2,78 Prozent auf 46,65 Euro deutlich aufwärts.

"Was uns bislang fehlt, ist die Kurserholung in der Breite", sagte ein Börsianer. "Die große Frage ist, wann die institutionellen Anleger, die die bisherige Rally verpasst haben, endlich ihre Zurückhaltung aufgeben und in großem Stil einsteigen. Dann könnte es im Dax Ruck-Zuck weitere 500 Punkte nach oben gehen."

Rückversicherer unter Druck

Auf die Zwischenbilanz von Metro reagierten die Anleger dagegen mit Verkäufen. Die Aktie fiel um 1,23 Prozent. Unter Verkaufsdruck standen die beiden Versicherungskonzerne Hannover Rück mit einem Minus von 2,52 Prozent und die Münchener Rück mit einem Minus von 1,3 Prozent.

Am Finanzplatz London herrscht dagegen Optimismus. Trotz des weiter "schwierigen Umfelds" rechnet Barclays-Chef John Varley für das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen. Das Institut geht davon aus, dass die Gefahr von Kreditausfällen im zweiten Halbjahr zurückgehen wird, die Abschreibungen dürften sich aber ähnlich entwickeln wie in der ersten Jahreshälfte.

Die Ergebnisse von Barclays und der HSBC dürften die positiveren in der britischen Bankenlandschaft sein. Ebenfalls diese Woche stellen die beiden teilverstaatlichten Sorgenkinder Royal Bank of Scotland und die Lloyds Banking Group, die 2008 die Krisenbank HBOS übernommen hatte, ihre Halbjahreszahlen vor. Die Institute konnten nur durch Hilfe der britischen Regierung überleben.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob/pak
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