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Online bezahlen:Wie wollen Sie bezahlen?

Internetnutzung

Im Café noch schnell liegen gebliebene Überweisungen abarbeiten: Mit einigen Diensten geht das ganz unkompliziert.

(Foto: Robert Schlesinger/dpa)

Neben Paypal gibt es inzwischen viele weitere Bezahldienste im Netz. Was die Anbieter voneinander unterscheidet - und welcher Dienst zu wem passt.

Von Victor Gojdka

Paypal, Paydirekt, Giropay: Viele Onlineshops bieten mehrere Online-Bezahlmethoden an. Schon klar, alle haben irgendwie mit "pay" zu tun, mit dem Bezahlen also. Aber was unterscheidet diese Dienste? Eine kleine Handreichung.

Paypal - für Überallkäufer

Im Internet schnell bezahlen, ohne jedes Mal umständlich eine Tan-Sicherheitsnummer generieren zu müssen? Mit Paypal ist das möglich. Nutzer können sich bei dem Anbieter einen eigenen Account einrichten und ihre Girokonten oder Kreditkarten damit verbinden. Beim Bezahlen im Onlineshop müssen sie nur ihren Paypal-Nutzernamen und das zugehörige Passwort eingeben und am Ende die Zahlung mit einem Klick auslösen. Das Verfahren ist bei vielen Nutzern sehr beliebt, da 77 Prozent der deutschen Onlineshops diese Zahlmethode akzeptieren, wie das Kölner Handelsforschungsinstitut ECC ermittelt hat. Auch in Onlineshops aus anderen Ländern lässt sich mit Paypal meist problemlos einkaufen.

Verbraucherschützer sehen allerdings Kritikpunkte: Das Portal sammele vergleichsweise viele Daten, wenn Kunden sich registrieren und zahlen, so zeigt es eine Erhebung der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die große Popularität von Paypal macht das System außerdem zu einem Angriffsziel. Kriminelle versuchen regelmäßig mithilfe täuschend echter E-Mails, Nutzer dazu zu bringen, ihre Zugangsdaten offenzulegen.

Paydirekt - für Bankkunden

Was Paypal kann, können wir schon lange - so dachte eine Gruppe deutscher Banken und gründete den Paypal-Verschnitt Paydirekt. Wollen Kunden im Onlineshop zahlen, können sie Paydirekt als Zahlmethode wählen, dann ihren Paydirekt-Nutzernamen und das Passwort eingeben. Am Ende ein letzter Klick zur Bestätigung - schon ist die Zahlung unterwegs.

In einem zentralen Punkt unterscheiden sich die Dienste jedoch: Einen Paydirekt-Account kann eröffnen, wer ein Konto mit Onlinebanking-Funktion bei einer der 1400 teilnehmenden Banken oder Sparkassen hat. Im Internetbanking ihrer Bank können Kunden Paydirekt aktivieren und einen Nutzernamen mitsamt Passwort festlegen. "Paydirekt fragt beim Registrierungs- und Bezahlprozess genauso wie Paypal mehr Einzeldaten von den Nutzern ab als andere Dienste", sagt Kirsti Dautzenberg, Expertin für Onlinebezahlen der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Problematisch scheint aus praktischer Sicht, dass nur etwa 30 Prozent der deutschen Shops Zahlungen über den Dienst akzeptieren, wie die ECC-Handelsforscher ermittelten. Wollen Nutzer über verschiedene Bankkonten einkaufen, müssten sie für jedes Konto einen eigenen Paydirekt-Account eröffnen. Beim Konkurrenten Paypal lassen sich dagegen mehrere Konten mit einem Account verbinden.

Giropay - für Datenschützer

Wie Paydirekt ist auch der Anbieter Giropay eine Initiative deutscher Banken, funktioniert aber gänzlich anders: Anstatt sich bei einem externen Bezahldienst einzuloggen und von dort die Zahlung anzuweisen, leitet Giropay die Kunden vom Onlineshop direkt ins Onlinebanking ihrer jeweiligen Bank. Zu einer Sparkasse, Volksbank oder Postbank - dorthin eben, wo der jeweilige Kunde sein Konto hat. Sobald sich die Käufer mit ihrem angestammten Nutzernamen und Passwort ins Onlinebanking ihrer Bank eingeloggt haben, erscheint dort ein ausgefülltes Überweisungsformular: Produkt, Summe, Empfänger, Kontonummer - alles bereits ausgefüllt. Wer bezahlen will, muss wie bei herkömmlichen Onlineüberweisungen am Ende eine Tan-Nummer eingeben, nur bei kleinen Einkäufen kann das entfallen.

Aus Kundensicht hat dieses Verfahren Vorteile: Anders als bei Paypal oder Paydirekt, muss man sich nicht bei einem neuen Dienst anmelden und daher keine neuen Passwörter merken. Es reichen die Zugangsdaten des eigenen Onlinebankings. Außerdem sammelt der Dienst vergleichsweise wenige Daten, wie die Erhebung der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigt. Ähnlich wie bei Paydirekt arbeitet bislang jedoch nur eine Minderheit der deutschen Händler mit Giropay.

Sofort - für Passwortmuffel

Wählen Nutzer den Zahlungsdienst Sofort, leiten Onlinehändler ihre Kunden auf die Seite des Zahlungsanbieters. Dort wählen Verbraucher ihre Bank aus und loggen sich mit den herkömmlichen Zugangsdaten für ihr Onlinebanking ein. Dann finden sie ein vorausgefülltes Überweisungsformular und müssen eine Tan-Nummer eingeben.

Auf den ersten Blick wirkt alles wie beim Konkurrenten Giropay, doch es gibt einen gravierenden Unterschied: Beim Anbieter Sofort geben Kunden ihre Zugangsdaten fürs Onlinebanking nicht auf der Seite ihrer Hausbank ein, sondern auf der Seite von Sofort, das die Daten an die Bank überträgt. Dabei prüft der Zahlungsdienstleister auch, ob der Kunde genug Geld auf dem Konto hat. "Kunden sollten sich gut überlegen, ob sie ihre persönlichen Bankdaten einem weiteren privaten Unternehmen anvertrauen wollen", sagt Verbraucherschützerin Dautzenberg.

Nach Ansicht des Landgerichts Frankfurt aus dem Jahr 2015 berge das "erhebliche Risiken für die Datensicherheit". Sofort versichert aber, dass weder Onlinehändler, noch eigene Mitarbeiter Zugriff auf die Daten haben. Missbrauchsfälle sind nicht bekannt - und mit 55 Prozent akzeptieren vergleichsweise viele deutsche Händler das Verfahren.

© SZ vom 23.07.2018/vit
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