Geldautomaten Abgehobene Gebühren

Extrem kostspielig: Vereinzelt verlangen Institute immer noch bis zu zehn Euro fürs Geldabheben - obwohl die Gebühren für Fremdkunden sinken sollten. Eigentlich.

Von Harald Freiberger

Seit gut zwei Wochen ist an Geldautomaten alles anders: Verbraucher erfahren jetzt sofort, wie viel das Abheben von fremden Banken kostet. Eine erste Zwischenbilanz: Die Preise sind im Durchschnitt gefallen, vereinzelt verlangen Institute aber immer noch bis zu zehn Euro. "Wir sind weit von einem angemessenen Niveau entfernt", kritisiert Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale-Bundesverband.

Zehn für mich, zehn für die Bank: Das Abheben am Geldautomaten ist oft zu teuer.

(Foto: ag.dpa)

Eine Erhebung des Internet-Verbraucherportals biallo.de unter 262 deutschen Banken und Sparkassen ergab, dass das Abheben jetzt durchschnittlich 3,93 Euro kostet. Das sind etwa 1,70 Euro weniger als vor der Neuregelung.

Am teuersten sind die Sparkassen mit einem Durchschnittspreis von 4,40 Euro. Manche Institute langen weiter kräftig zu. Am teuersten ist die Sparkasse Anhalt-Bitterfeld, die von Fremdkunden zehn Euro kassiert. 7,50 Euro nehmen die Sparkassen Holstein und Altmark-West (Sachsen-Anhalt).

Die Genossenschaftsbanken sind mit einem Durchschnittspreis von 2,90 Euro deutlich billiger. Unter ihnen liegt die Volksbank Lübeck mit fünf Euro an der Spitze. Am günstigsten ist die PSD-Bank Niederbayern-Oberpfalz mit 1,89 Euro. Sie bleibt damit sogar unter dem Einheitssatz von 1,95 Euro, auf den sich private Banken geeinigt haben, darunter Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank und HVB.

Zu der Neuregelung wurden die Institute von Politik und Kartellamt gezwungen, nachdem die Gebühren enorm gestiegen waren. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken verlangten von Kunden fremder Banken häufig Gebühren von fünf, zehn oder sogar 20 Euro.

Die Banken selbst zahlen nur Centbeträge

Damals gab es aber noch ein Interbanken-Entgelt, das heißt, die Gebühr wurde zunächst der Bank des Kunden in Rechnung gestellt und diese gab sie dann an den eigenen Kunden weiter. Viele Geldhäuser deckelten den Betrag aber zum Beispiel bei fünf Euro und übernahmen den darüber hinausgehenden Betrag selbst.

Dieses Interbanken-Entgelt wurde mit der Neuregelung am 15. Januar abgeschafft. Die Bank zieht dem Fremdkunden das Geld nun direkt ab. Er sieht auch, was es kostet, bevor er die Transaktion ausführt und kann den Vorgang abbrechen, wenn es ihm zu teuer ist.

Verbraucherschützer Pauli moniert, dass Preise von knapp unter fünf Euro nach wie vor zu hoch seien. "Zwei Euro sollten das Maximum sein angesichts der Cent-Beträge, die der Vorgang die Banken wirklich kostet", sagt er. Sie lägen zwischen 30 und 70 Cent. Bekannt ist das dadurch, weil sich diese Beträge Banken aus der gleichen Institutsgruppe gegenseitig berechnen, die Geldabheben für ihre Kunden kostenlos anbieten.

Regionen ohne Wettbewerb sind benachteiligt

Auch die Anzeige des Betrages auf dem Display des Geldautomaten ist für Pauli noch nicht optimal. "Bei manchen Banken muss man dafür Karte, PIN-Nummer und den gewünschten Betrag eingeben, erst dann wird die Gebühr angezeigt", sagt er. Eigentlich sollte sie sofort beim Eingeben der Karte auftauchen.

Horst Biallo vom Verbraucherportal biallo.de erwartet, dass die Preise noch weiter sinken. "Gerade in Regionen, wo es Wettbewerb gibt, steigt der Druck für die Banken, weil die Verbraucher jetzt vergleichen können", sagt er. Was in Gebieten passiert, in denen es keinen Wettbewerb gibt und eine Bank dominiert, ist dagegen noch offen.

Das Kartellamt hat angekündigt, die Lage in den nächsten Monaten genau zu beobachten. "Gerade in ländlichen Regionen bleibt abzuwarten, ob sich die Preise tatsächlich bewegen", sagt Kartellamts-Chef Andreas Mundt.