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Geldanlage:"Geheimtipp" für vorsichtige Sparer

Sicher und berechenbar soll die Geldanlage sein, finden die Deutschen. Beim derzeitigen Zinsniveau landen sie damit unweigerlich im Minus. Einen Ausweg für Risikoscheue bieten Wohngenossenschaften.

Ende Oktober ist wieder Weltspartag. Aber wer geht da noch hin? Außer Sparbüchsen und Kuscheltieren ist bei deutschen Banken und Sparkassen schon lange nichts mehr zu holen. Mickerzinsen von 0,05 bis 0,8 Prozent, soweit das Auge reicht. Gibt es mal ein volles Prozent, ist das schon spitze. Trotzdem können Sparer damit nicht einmal der Inflation Paroli bieten. Von echter Rendite ganz zu schweigen.

Wer sein Geld brav zur Hausbank aufs Sparbuch trägt, macht derzeit garantiert Miese. Deutsche Wohnungsgenossenschaften haben da mit bis zu 1,75 Prozent und mehr aufs Ersparte schon Besseres zu bieten. Für risikoscheue Sparer "ein Geheimtipp", sagt Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH. Im Vergleich zu den Bankofferten seien das "annehmbare, solide Angebote".

Zum Beispiel der Spar- und Bauverein Solingen. Dort kriegen Sparer aktuell 1,5 Prozent Zinsen plus 14 Prozent Bonus auf die im jeweils aktuellen Jahr eingezahlte Sparleistung. Zur Orientierung: Die Top-Konditionen einiger Banken für vergleichbare Sparpläne lägen momentan bei 1,3 bis 1,6 Prozent, aber ohne Bonus, wie Zinsexperte Herbst vorrechnet.

Der Inflationsrate die Stirn bieten

Interessant auch die Angebote der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892. Fürs regelmäßige Einzahlen ab 50 Euro im Monat gibt's dort beispielsweise 1,73 Prozent im Jahr. Ab dem dritten Sparjahr kommen noch Prämien obendrauf, die mit den Jahren bis zu 50 Prozent auf die Einzahlungen ansteigen. Zum Weltspartag haben die Berliner Genossen eine einwöchige Sonderaktion ausgerufen: Wer mindestens 5000 Euro anlegt, bekommt sein Erspartes mit zwei Prozent auf drei Jahre verzinst. Die Gewoba Nord aus Schleswig bietet noch mehr: Ab 500 Euro Einlage auf zwei Jahre wird der Sparer mit 2,25 Prozent Festzins belohnt, auf sechs Jahre gar mit 3,25 Prozent. So lässt sich der Inflationsrate, die im September bei 1,4 Prozent lag, tatsächlich die Stirn bieten und noch ein wenig Gewinn machen.

"Da können Geldinstitute mit den üblichen 0,25 Prozent Guthabenzins nicht mithalten", sagt Zinsexperte Herbst. "Aber kaum ein Bürger weiß davon", betont Andrea Heyer, Finanzfachfrau der Verbraucherzentrale Sachsen.

Eigentlich ist das Kerngeschäft der Wohngenossenschaften mit Namen wie "Familienheim Freiburg" oder "Frohe Zukunft Halle" der Bau und die Verwaltung günstiger Wohnungen für ihre Mitglieder. Zusätzlich betreiben aber derzeit 49 der bundesweit etwa 2000 Gesellschaften eine eigene Spareinrichtung und verzinsen Spareinlagen wie Festzinsverträge oder Sparbücher. Sie sind damit formal auch Kreditinstitute. Warum sie das tun, liegt auf der Hand: So können sie sich günstiger mit frischem Kapital versorgen als über Bankdarlehen. Sparer sind bereits ab zehn Euro monatlich dabei. Vor allem für Kinder und Jugendliche gibt es attraktive Sparanreize. Tagesgeldangebote gibt es grundsätzlich nicht.

Selbst aktiv werden

Bis vor zwei Jahren lockten einige Wohnungsgenossenschaften noch mit herausragend guten Zinsen, vor allem für Prämiensparer mit langem Atem. "Aber auch wir mussten unsere Konditionen dem allgemeinen Niedrigzinsniveau anpassen", sagt Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Mehr als die Hausbank um die Ecke hätten die Genossenschaften aber allemal im Angebot. "Wer mit den mageren Zinsen seiner Filialbank unzufrieden ist und ausländischen Banken sein Geld nicht anvertrauen will, sollte die Chance nutzen", betont Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Doch das ist erst mal mühsam. Die Gesellschaften mit jahrzehntelanger Tradition wie etwa die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft, Einheit Erfurt oder der Spar- und Bauverein Konstanz machen keine Reklame. Wer sich für ihre Sparangebote interessiert, muss selbst aktiv werden, die einzelnen Genossenschaften abklappern und vergleichen. Eine Übersicht aller Offerten gibt es nicht. Jede Genossenschaft hat eigene Zinssätze. Und die Unterschiede sind immens.

Dafür gilt bei allen: Niemand muss Mieter sein, um sein Geld anzulegen. Die meisten Genossenschaften stehen allen Sparern offen, oft auch online. Wer ein Festzinskonto oder einen Sparplan für Teenager eröffnen will, muss allerdings zuerst Mitglied der Wohnungsgenossenschaft werden und einmalig Pflichtanteile erwerben. Die Kosten liegen zwischen fünf und 25 Euro. Manche wenige auch bei 300 oder 1000 Euro. Wird die Einlage aufgelöst, bekommen die Kunden das Geld in der Regel zurück. "Häufig auch noch verzinst", sagt Herbst. Zusatzvorteil: Auch die Angehörigen von Mitgliedern, also Kinder, Ehepartner, Geschwister oder Enkel können Geld anlegen, ohne selbst beitreten zu müssen. Wichtig: Wer anlegt, sollte darauf achten, sich nicht allzu langfristig fest zu binden, rät Herbst. Ziehen die Zinsen wieder an, ist sonst die Chance auf kurzfristigen Ausstieg und mehr Rendite verbaut.

Weniger riskante Kredite

Um die Sicherheit der Ersparnisse müsse sich keiner Sorgen machen, sagt Oelmann. Die Kundengelder seien sicher. Die Genossenschaften stehen dafür mit ihrem Immobilienbestand gerade. Im Gegensatz zu normalen Geldinstituten vergeben sie keine riskanten Kredite, halten sich von spekulativen Finanzmanövern fern und müssen auch nicht Millionengehälter an Bankvorstände zahlen. Die Spareinlagen werden in die Modernisierung oder den Neubau von Wohnungen investiert, erklärt Esser.

Sollte eine Genossenschaft finanziell in Schieflage geraten, springt der Selbsthilfefonds des GdW ein. Dieser Fonds existiere seit 1974, musste aber noch nie aushelfen. Kontrolliert werden die Wohnungsunternehmen von der Berliner Bankenaufsicht Bafin. Aber: Die Genossenschaften haben im Gegensatz zu anderen Geldinstituten keine gesetzliche Einlagensicherung zu bieten.

Aufpassen sollten Sparer bei Offerten von Wohnungsgenossenschaften, die keine Spareinlagen annehmen, aber Beteiligungen am Unternehmen verkaufen, warnt Heyer. Solche Angebote seien riskant, weil sie nicht der staatlichen Aufsicht unterliegen.