Süddeutsche Zeitung

Ex-BayernLB-Chef Kemmer:Ein Diplomat für Berlin

Bei der BayernLB wurde er gefeuert - jetzt aber hat Michael Kemmer einen neuen Job. Er wird Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken - auch weil er in Bayern diplomatisch geschult wurde.

Als Michael Kemmer 2006 Finanzchef der BayernLB wurde, da konnte er schon ahnen, dass alles noch viel politischer werden würde als bei seinem vorherigen Job bei der Hypovereinsbank. Als Kemmer dann aber im Frühjahr 2008 Chef der Landesbank wurde, wusste er es genau: BayernLB-Chef zu sein, vor allem in Zeiten der Finanzkrise, war nicht nur politisch. Es war höchst brisant - und gefährlich. Zum Beispiel im Oktober 2008, als Kemmer mitten in den Machtkampf zwischen Staatsregierung und bayerischen Sparkassen hinein geriet und Politiker seine Ablösung forderten. Vielleicht hätte es ihn schon damals erwischt. Wenn nicht mehr als 1000 Mitarbeiter noch spät abends in den Innenhof des Bankgebäudes an der Münchner Brienner Straße gezogen und für ihren Vorstand demonstriert hätten.

Am Ende verließ Kemmer mit Tränen in den Augen den Innenhof. Seine Rührung kam nicht von ungefähr: Er dürfte einer der ganz wenigen in der Branche sein, für den seine Banker auf die Straße gegangen sind. Ende vergangenen Jahres aber musste Kemmer doch gehen - er stolperte über den Kauf der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria (HGAA), bei dem die BayernLB 3,7 Milliarden Euro in den Sand gesetzt hatte. Der gebürtige Nördlinger war als Finanzchef mit im Boot gewesen, als die verhängnisvollen Entscheidungen fielen.

Für die Klimaverbesserung

Zum 1. Oktober nun wird der 53-Jährige, der alle drei Säulen des deutschen Bankensystems kennt, neuer Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Wie Verbandspräsident Andreas Schmitz am Dienstag in Berlin mitteilte, verständigte sich der Vorstand des Verbands der privaten Banken einstimmig auf Kemmer als Nachfolger von Manfred Weber. Kemmer gelte als ideale Besetzung für den Job und die Vermittlerrolle, die beim privaten Bankenverband gefragt sei - nicht zuletzt wegen seiner diplomatischen Erfahrungen. Er soll dafür sorgen, dass das Klima zwischen den Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken besser wird.

Es geht für Kemmer also mit Volldampf in die Zukunft. Dabei: So ganz hinter sich gelassen hat er seine Landesbanken-Vergangenheit noch nicht. Vor allem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München zur HGAA laufen - und sorgen für Schlagzeilen. Die Probleme mit der HGAA bescherten der BayernLB noch im vergangenen Jahr erneut Milliardenverluste. Auch wenn Kemmer bislang keine Schuld nachgewiesen werden konnte.

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass die HGAA unter Kemmers Vorgänger Werner Schmidt absichtlich zu teuer gekauft wurde. Auch der Name Kemmer fällt immer wieder, schließlich verantwortete er damals bei der Bank die Finanzgeschäfte. Zuletzt war der Banker Mitte Juni vor den BayernLB-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags getreten. Freilich ohne viel zu sagen. Wie alle anderen früheren Manager der Landesbank verweigerte auch er die Aussage mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen. Solange nachgeforscht wird, bestehen Risiken. Für Kemmer selbst, und damit wohl auch für den Bankenverband.

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SZ vom 01.09.2010/hgn
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