Ehepaare und eingetragene Partner Einzelveranlagung ist in Ausnahmefällen vorteilhaft

Das Finanzamt geht automatisch von einer gemeinsamen Veranlagung aus, wenn Sie keine Einzelveranlagung beantragen. Letztere wird hauptsächlich genutzt, wenn eine Beziehung vor dem Aus steht und die Partner sich nicht mehr gegenseitig unterstützen wollen. Es gibt aber auch Ausnahmen, in denen die Einzelveranlagung in intakten Partnerschaften sinnvoll ist. Wenn folgende Situationen zutreffen, sollten Sie sich genauer informieren und gegebenenfalls einen Steuerberater fragen:

  • Einer der Partner mit steuerpflichtigem Einkommen hat zusätzlich Lohnersatzleistungen erhalten. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitslosen- und Krankengeld. Diese Leistungen selbst müssen zwar nicht versteuert werden, erhöhen aber die Steuern auf das übrige Einkommen (Progressionsvorbehalt).
  • Einer der Partner ist selbständig, der andere angestellt. Der Selbstständige profitiert mehr vom erweiterten Sonderausgabenabzug als das Paar vom Splittingtarif.
  • Einer der Partner hat Verluste gemacht. Sind die Eheleute oder Lebenspartner zusammen veranlagt, werden ihre Einkünfte miteinander verrechnet. Dann kann der erfolgreiche Partner womöglich nicht mehr alle Steuervorteile wie Kinderfreibeträge, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen ausschöpfen. Bei einer Einzelveranlagung können die Verluste durch Rück- oder Vortrag in andere Jahre mit positiven Einkünften verrechnet werden.
  • Beide Partner jobben nebenher. Sind die Partner einzeln veranlagt, darf jeder 450 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Bei Zusammenveranlagung gilt diese Grenze für beide zusammen.
  • Einer der Partner hat eine Abfindung bekommen. Für solche und andere außerordentlichen Einkünfte gelten nach § 34 des Einkommensteuergesetzes günstigere Tarife.

Neben der Zusammen- und Einzelveranlagung können die Steuern für Ehe- und Lebenspartner auch nach den Verfahren des Sondersplittings im Trennungsjahr oder des Verwitwetensplittings berechnet werden.

Doppelter Grundfreibetrag für Ehe- und Lebenspartner

Wird das Paar wie ein Steuerpflichtiger behandelt, können Frei- und Abzugsbeträge optimal ausgenutzt werden. Der Einkommensteuerfreibetrag (auch Grundfreibetrag) eines Paares ist exakt doppelt so hoch wie der eines Alleinstehenden und liegt aktuell bei 18 000 Euro (Stand 2018). Paare, die mit ihrem gemeinsamen Einkommen dauerhaft unterhalb dieses Betrages liegen, müssen keine Steuern zahlen. Wenn Sie von dieser Regelung betroffen sind, beantragen Sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung. Dann müssen Sie drei Jahre lang keine Einkommenssteuererklärung einreichen. Vor allem Arbeitnehmer mit mehreren Arbeitgebern sind verpflichtet, sich diese Bescheinigung zu besorgen.

Partner, die mit ihrem gemeinsamen Einkommen oberhalb des Grundfreibetrages liegen, können Sonderausgaben geltend machen. Dazu gehören zum Beispiel die Kirchensteuer, Rentenbeiträge und Kosten für das erste Studium. Diese Aufwendungen werden summiert und von dem zu versteuernden Einkommen abgezogen. Werden keine Nachweise eingereicht, berechnet das Finanzamt pauschal 36 Euro pro Person.