Süddeutsche Zeitung

Deutschlands jüngster Unternehmer:Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vorzeige-Jugendlichen

Er gilt als Überflieger, Wunderkind und Tausendsassa: Bereits mit 13 Jahren soll Christoph Julius Caesar seine erste Firma gegründet haben, im Frühjahr erst ließ er sich als Deutschlands jüngster Unternehmer feiern. Doch jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 16-Jährigen.

Erst im Februar gab es viele positive Schlagzeilen über Christoph Julius Caesar. Von einer Auszeichnung durch den damaligen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle war die Rede, von Millionengewinnen, die er mache. Caesar war damals 15 Jahre alt. Als Chef seines Zerbster Unternehmens galt er als Wunderkind. Doch jetzt führt die Staatsanwaltschaft Dessau ein Verfahren gegen ihn.

Wegen Urkundenfälschung, Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Steuervergehen ermittele die Behörde gegen den Jungunternehmer, schreibt die Bild-Zeitung in ihrer Onlineausgabe. Das Blatt zitiert einen 64-Jährigen - er soll der Vermieter von Caesar sein - mit den Worten: "Seit Monaten habe ich keine Miete bekommen, bin einem Hochstapler aufgesessen." Ein Sprecher der Stadt Zerbst sagte sueddeutsche.de: "Die Stadt ist Verfahrensbeteiligte als zuständige Gewerbebehörde." Genauere Angaben machte er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Auch die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau äußerte sich gegenüber sueddeutsche.de zurückhaltend: "Ich kann bestätigen, dass wir ein Ermittlungsverfahren führen", sagte ein Sprecher auf die Frage, ob gegen Caesar ermittelt wird. Mehr könne er nicht sagen, schließlich handele es sich um einen Minderjährigen. Aus dem Unternehmen des mittlerweile 16-jährigen Caesar heißt es, die Bild-Zeitung habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt: "Der junge Mann kann jedoch alle Vorwürfe mit Beweisen von sich schieben und gibt sich deshalb entspannt."

In der Pressemitteilung heißt es weiter: "Christoph Caesar dementierte heute, dass Unternehmer auch bestimmte Krisen überstehen müssen." Die Vorwürfe der Urkundenfälschung und der Veruntreuung entkräftigt dieser Satz nicht. Schuld sein soll irgendwie auch die Partei der Freien Wähler Sachsen-Anhalt, heißt es weiter in der Mitteilung. Caesar habe sie nämlich Anfang des Jahres im Landtagswahlkampf unterstützt. Die Freien Wähler hätten jedoch den Einzug ins Parlament verpasst und dann ihre Rechnungen an Caesar nciht bezahlt, so der Vorwurf.

Er hat sich Medienberichten zufolge bereits mit 13 Jahren selbständig gemacht. Zusammen mit einem Geschäftspartner leitete er eine Marketingagentur in Sachsen-Anhalt. Zu den Kunden der Firma gehören auch der MDR und BMW, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Die Caesar Unternehmensgruppe beschäftigt derzeit etwa 30 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben erwartet sie in diesem Jahr einen Gewinn von fast sieben Millionen Euro bei 13 Millionen Euro Umsatz. Das klingt erfolgreich - Brüderles Sprecherin dementiert aber, dass er im Februar als jüngster deutscher Unternehmer ausgezeichnet worden sei.

Sollten die Vorwürfe stimmen, weckt der Fall Caesar Erinnerungen an das Wirtschafts-Wunderkind der neunziger Jahre, Lars Windhorst. Mit 16 Jahren hatte der gebürtige Westfale einst seine erste Firma gegründet. Er begleitete den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf Auslandsreisen, galt als "Kohls Wunderkind". 2010 verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen Veruntreuung zu einer Bewährungs- und einer Geldstrafe.

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