Süddeutsche Zeitung

Deutsche Bank:Der Goldjunge und Herr Fitschen

Der Investmentbanker Anshu Jain gilt als Favorit für den Chefposten der Deutschen Bank. Doch der Inder wird die Bank zunächst kaum alleine führen. Womöglich wird ihm der bodenständige Jürgen Fitschen zur Seite gestellt.

Zwei Mann für die Zwillingstürme: Auf ein Duo als Nachfolger von Vorstandschef Josef Ackermann könnte sich der Nominierungsausschuss der Deutschen Bank am Sonntag verständigen. Der Inder Anshu Jain und der Deutsche Jürgen Fitschen gelten als aussichtsreichste Kandidaten.

Beide sollen sich gut verstehen, obschon sie - gemessen an Faktoren wie Herkunft, Werdegang oder Sprache - höchst unterschiedlich sind. Möglicherweise liegt aber gerade darin die Stärke des Duos. Jain, der englischsprachige Investmentbanker, könnte der Mann für die großen Gewinne sein, der gut vernetzte Fitschen hingegen die Bank in Deutschland vertreten.

Jain, 48, wohnhaft im Londoner Westen, hatte einst als Börsenmakler angefangen. Seit Mitte der neunziger Jahre steht er in Diensten der Deutschen Bank, zuletzt als Chef des Investment-Geschäfts. Er ist, neben Ackermann, der Star der Bank.

Jain verdient mehr als Ackermann

Weil seine Sparte so prächtig verdient, wird Jain mit Bezügen von bis zu zwölf Millionen Euro für 2010 nach Auszahlung aller Boni zum wiederholten Male mehr Geld verdient haben als sein Chef Ackermann.

Dem Talent Jains für Analysen und den gekonnten Zusammenbau von Finanzprodukten zollen Kenner seit Jahren Respekt. Der studierte Ökonom, so heißt es, habe eine natürliche Gabe fürs Geschäft. Dennoch hat er vor allem in Deutschland nicht nur Unterstützer. Kritiker warfen ihm vor, der massive Ausbau des Investmentbankings verdränge zunehmend das klassische, heimische Geschäft der Bank: die Kreditvergabe an die Industrie. Mit der "Arroganz eines Hochbegabten" habe er Gräben zwischen London und Frankfurt ausgehoben.

Fitschen - der Bodenständige

Wenn Jürgen Fitschen redet, klingt sanft der norddeutsche Einschlag durch. Der 62-Jährige aus der Samtgemeinde Harsefeld in Niedersachsen könnte in dem Führungsduo die Lücke in Deutschland füllen. Von Beginn seiner beruflichen Karriere an ließ es Fitschen bodenständiger angehen als Jain. Er machte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Danach folgte das Wirtschaftsstudium.

1975 stieg Fitschen ins Bankgeschäft ein, zwölf Jahre später bei der Deutschen Bank. Dort ist er eigentlich schon seit 2004 so etwas wie Jains ergänzender Gegenpart. Seitdem ist er - neben dem internationalen Regionenmanagement - für das Deutschlandgeschäft verantwortlich.

Entscheidend für den Erfolg eines Unternehmers sei, dass er "in der Lage ist, sich mit guten Leuten zu umgeben", hatte Fitschen einmal gesagt. "Die Bereitschaft zuzuhören, von anderen zu lernen und mit ihnen in einem guten Team zu arbeiten." Fitschen und Jain könnten ein gutes Team bilden. Der Deutsche wäre für Jain ein guter, weil ergänzender Partner. Umgekehrt wäre Fitschen ohne den schillernden Jain alleine kaum vorstellbar auf dem Chefsessel in Frankfurt am Main.

Nur in der Freizeit gehen sie wohl auch weiter getrennte Wege. Jain liebt Golf und Cricket. Fitschen geht lieber joggen.

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