Süddeutsche Zeitung

Bundesverband deutscher Banken:Neuer Job für Michael Kemmer?

Seit seinem Rückzug als Chef der BayernLB ist es ruhig geworden um Michael Kemmer. Offenbar hat der 53-Jährige einen neuen Posten im Blick - als Lobbyist.

Was macht eigentlich Michael Kemmer? Seit seinem Rückzug als Vorstandschef der Bayerischen Landesbank (BayernLB) Ende 2009 ist es ruhig geworden um den hageren Banker. Doch jetzt zeichnet sich für den 53-Jährigen offenbar ein neuer Job ab: Kemmer sei als Hauptgeschäftsführers des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), dem Interessenverband der privaten Geldinstitute, im Gespräch, berichtete das Handelsblatt (HB) unter Berufung auf Branchenkreise.

Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es. Der BdB wollte die Personalie nicht kommentieren.

Kemmer hatte glücklos an der Spitze der Chaos-Bank agiert. Anfang 2008 war er auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Landesbank gerückt, nachdem sein Vorgänger Werner Schmidt nach Fehlspekulationen der Bank das Handtuch geworfen hatte.

Eine bleibende Szene

Als Kemmer übernahm, war von einem neuen Zeitgeist die Rede - doch bewahrheitet hat der sich nicht. Kemmer war eher ein Landesbankchef in heikler Mission, der den Menschen in München und Umgebung vor allem mit einer Szene in Erinnerung blieb: Als Ende Oktober 2008 rund 1500 Mitarbeiter der BayernLB bei einer Demonstration vor der Bankzentrale ihre Solidarität mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden teilten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte Bankchef Kemmer schon damals loswerden wollen.

An die Zeit, als er schon dem Vorstand angehörte, aber noch nicht Bankchef war, dürfte sich Kemmer eher ungern erinnern. In diese Phase fiel die Übernahme der österreichischen Finanzgruppe Hypo Alpe Adria - ein Deal mit Milliardenverlusten und fatalen Spätfolgen.

Gegen Ex-Ex-Vorstand Schmidt wird seit Monaten ermittelt, er bestreitet die Vorwürfe. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft weitere der seinerzeitigen acht Vorstandsmitglieder als Beschuldigte in die Akten eingetragen - unter ihnen Kemmer. Scheitert Kemmers Neuanfang beim BdB womöglich an seiner Vergangenheit?

Die 21 Monate als Vorstandsvorsitzender seien sehr anstrengend und herausfordernd gewesen, aber sie "waren die beste Zeit in meinem bisherigen Berufsleben", sagte Kemmer damals zu seinem Abschied von der BayernLB. Vielleicht wird es schon bald wieder quierliger um Kemmer. Schließlich ist der BdB ein nicht unwichtiger Lobbyverband der Banken. Und die wollen ja gerne mitreden.

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