Absturz Voll erwischt

In Calgary sind innerhalb kurzer Zeit viele Jobs im Energiesektor verloren gegangen. Das hat auch große Auswirkungen auf den Immobilienmarkt.

(Foto: Bloomberg)

Calgary leidet unter dem niedrigen Ölpreis. Das Beispiel zeigt, dass Immobilienmärkte schnell kippen können.

Gewerbe-Immobilien sind derzeit in vielen Städten der Welt sehr gefragt. Auch deutsche Fonds und institutionelle Anleger wie Versicherungen kaufen viele Büros oder Shoppingcenter im Ausland. Doch die Märkte sind riskant, vor allem dann, wenn die Stadt stark von einer Branche abhängig ist. Eigentümer von Büro-Immobilien in Calgary, dem Zentrum der kanadischen Öl-Branche, bekommen den Einbruch bei den Energiepreisen wohl bald mit voller Wucht zu spüren.

Die Leerstände in der Stadt befinden sich bereits auf dem höchsten Niveau seit fünf Jahren, während die Mieten auf dem niedrigsten Stand seit 2006 liegen. Zuletzt wurden Tausende Bürojobs gestrichen. Energie-Unternehmen haben nun verstärkt damit begonnen, um Nachlässe bei ihren Mieten zu bitten, berichten Makler wie Jones Lang LaSalle und Avison Young Canada. Einige der Unternehmen würden ihre Flächen sogar zur Hälfte der gängigen Raten untervermieten, heißt es.

Und damit nicht genug. Fünf neue Bürotürme mit unterm Strich 353 031 Quadratmetern sollen in den nächsten drei Jahren in Calgary eröffnet werden. Man befinde sich jetzt auf dem Höhepunkt einer negativen Entwicklung, die Angst und Unsicherheit auslöse, sagt Alexi Olcheski, Spezialist für Büros bei Avison Young. Unter Druck sind große Büro-Vermieter wie Dream Office REIT, Artis REIT und Morguard Corp. geraten, deren Aktien in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu knapp 30 Prozent gesunken sind. Im Zentrum von Calgary betrug der Leerstand im dritten Quartal 14 Prozent - das ist der höchste Wert seit 2010 und fast dreimal so hoch wie die Quote von fünf Prozent in der Innenstadt von Toronto, zeigen Daten von CBRE Group. Der Preis des US-Rohöls ist seit dem Hoch im Juni 2014 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Zuletzt bewegten sich die Preise für ein Fass um die Marke von 45 Dollar. Mitgesunken ist auch der Personalstand. Die Anzahl der Mitarbeiter bei Penn West Petroleum Ltd. war beispielsweise zuletzt auf weniger als 800 geschrumpft, verglichen mit etwa 2250 noch vor drei Jahren. Die Athabasca Oil Corp. strich im vergangenen Monat mehr als 25 Prozent der Stellen. Selbst das bekannteste Hochhaus von Calgary namens "Bow", das erst vor ein paar Jahren fertiggestellt wurde, kann sich dem negativen Trend nicht entziehen. Das 58 Etagen umfassende Gebäude gehört H&R REIT und ist bis zum Jahr 2038 an den Energiekonzern Encana vermietet. Encana hat sich dazu entschieden, große Teile an das Unternehmen Cenovus Energy unterzuvermieten - das nun wiederum die Hälfte seines Teils weitervermieten will, wie ein Sprecher von Cenovus berichtet. Zusammen haben die beiden Unternehmen allein in diesem Jahr rund 1500 Stellen gestrichen.

Insgesamt sind in Kanada seit dem Beginn des Ölpreis-Einbruchs mehr als 36 000 Arbeitsplätze im Energiesektor verloren gegangen. Untervermietungen sind derzeit weit verbreitet. Sie haben den Gebäudebesitzern dabei geholfen, den Gegenwind aus dem Energie-Sektor abzufedern. Allerdings bringen die Untervermietungen teilweise nur bis zu 50 Prozent der ursprünglichen Mietkosten ein, sagt Damien Mills vom Broker JLL.

Für einige Gebäudebesitzer könnte es nun bald eng werden. Bei zwei Dritteln der Büroflächen von Dream Office in Calgary laufen die Mietverträge in den Jahren bis 2019 aus - und lediglich für 13 Prozent gibt es Nachmieter, heißt es beim Unternehmen. Büro-Experte Olcheski, der seit zehn Jahren in Calgary arbeitet, versucht trotz der Unsicherheit optimistisch zu bleiben. Mit Grund: 2015 wird sein bisher bestes Jahr für Vermietungen an kleinere Mieter von außerhalb des Energie-Sektors.

"Nur Gott weiß, was passiert, wenn sich der Ölpreis nicht erholt", sagt er. "Ich versuche, mir nicht zu viele Gedanken darum zu machen.

Bloomberg