1x1 der Geldanlage:Wer länger spart, ist früher reich

Lesezeit: 3 min

Es ist gar nicht so schwer: Mit Fondssparplänen kann jeder seine Rente sichern. Am wichtigsten ist es, konsequent zu bleiben.

Catherine Hoffmann

Zeit ist Geld. Das wusste schon Benjamin Franklin. "Bedenke, dass Geld von einer fruchtbaren Natur ist", schrieb der amerikanische Politiker und Wissenschaftler vor rund 200 Jahren. "Geld kann Geld erzeugen, und die Sprösslinge können noch mehr erzeugen und so fort." Damit beschreibt Franklin ein Phänomen, das viele noch aus dem Mathematikunterricht in schlechter Erinnerung haben: den Zinseszins. Er ist das Geheimnis von Fondssparplänen. "Bereits mit geringen monatlichen Beträgen können Sparer über Jahre hinweg ein ansehnliches Vermögen aufbauen - wenn sie nur früh genug damit beginnen", sagt Wolfgang Mansfeld, Präsident des Fondsverbandes BVI.

1x1 der Geldanlage: Je früher man mit dem Sparen anfängt, umso stärker wirkt der Zinseszins.

Je früher man mit dem Sparen anfängt, umso stärker wirkt der Zinseszins.

(Foto: Foto: dpa)

Wunderformel Zinseszins

Selbst 30, 50 oder 100 Euro addieren sich, kontinuierlich zurückgelegt, über viele Jahre zu stattlichen Summen. Besonders eindrucksvoll ist das Ergebnis, wenn erwirtschaftete Erträge nicht ausgegeben, sondern wieder angelegt werden. So bringt eine einmal erzielte Rendite Jahr für Jahr immer wieder neue Erträge, und das Vermögen wächst ganz von alleine. Obwohl der Zinseszinseffekt jedem bekannt ist, wird seine Wirkung immer wieder unterschätzt. Wer in den vergangenen zehn Jahren Monat für Monat 100 Euro in einen durchschnittlichen deutschen Aktienfonds investiert hat, besaß am Ende 18.063 Euro - trotz des Kursdebakels nach dem Platzen der Internetblase. Sparer, die 30 Jahre durchgehalten haben, verfügen heute sogar über 202.844 Euro. Das zeigt: Je früher man mit dem Sparen anfängt, umso stärker wirkt der Zinseszins.

Nicht alle Eier in einen Korb legen

Mit Fondssparplänen lassen sich zwei zentrale Grundsätze der Geldanlage einfach umsetzen: Erstens gehören nicht alle Eier in einen Korb. Denn wenn er herunterfällt, sind alle kaputt. Anleger sollten in eine breite Palette von Aktien, Anleihen oder Immobilien investieren. Das ist mit Fonds ein Leichtes, weil viele Manager 100 und mehr Aktien in ihren Depots halten. So senken sie das Risiko, dass bei einem Kurseinbruch alles verloren ist. Und zweitens sollten Menschen, die fürs Alter vorsorgen wollen, möglichst regelmäßig anlegen.

Keine Angst vor Kurseinbrüchen

Für Anleger, die zur Jahrtausendwende einmal mit einer größeren Summe am Aktienmarkt einstiegen, hatten die zwischenzeitlich dramatischen Kursverluste verheerende Folgen. Anders für Anleger, die regelmäßig einen kleinen Betrag sparten. Das liegt am "Cost-Average-Effekt": Wer monatlich einen festen Betrag investiert, erwirbt an schlechten Börsentagen mehr Fondsanteile als an guten, so dass die Anteile zu einem günstigen Durchschnittspreis erworben werden. Sparpläne schneiden deshalb besser ab als Einmalanlagen - wenn Anleger nicht gerade am Ende der Sparphase von einem Börsenkrach überrascht werden.

Wer länger spart, ist früher reich

Anlage mit vielen Freiheiten

Verglichen mit Lebens- und Rentenversicherungen, Riestersparplänen und vielen anderen beliebten Formen der privaten Geldanlage haben Fondssparpläne einen unschlagbaren Vorteil: Sie sind flexibel. Jeder Anleger darf selbst entscheiden, wann, wie viel und wie lange er einzahlt. Die Sparpläne können jederzeit aufgegriffen, erhöht, gesenkt, stillgelegt oder beendet werden. Wer mit einem Fonds unzufrieden ist, kann mühelos in einen anderen wechseln. Und was die Sparer am Ende mit ihrem Vermögen machen, ist ihnen ganz und gar selbst überlassen. Da besteht kein Zwang zur Verrentung, Vorsorge für die liebe Verwandtschaft oder anderes.

Im Einkauf liegt der Gewinn

Wie bei jeder Geldanlage gilt auch hier: Auf die Kosten achten! Denn ein Prozentpunkt weniger Rendite bedeutet im Alter rund 20 Prozent weniger Ertrag - ebenfalls eine Folge des Zinseszinses. Anleger sollten bei ihrer Investitionsentscheidung darauf achten, dass Ausgabeaufschlag, jährliche Verwaltungsgebühr, An- und Verkaufsspesen, Depotgebühren und die Kosten beim Wechsel von einem Fonds in einen anderen moderat sind. Viele Fondsgesellschaften bieten eine kostenlose Depotverwaltung an. Aber die Managementgebühren müssen in jedem Fall gezahlt werden. Mehr als 1,5 Prozent im Jahr sollten es nicht sein. Direktbanken bieten ausgewählte Fonds ohne oder mit reduziertem Ausgabeaufschlag an. Auch spezielle Fondsvermittler wie AAV oder Fonds-Sparkauf haben gute Konditionen.

Große Auswahl an Fonds

Das Angebot an Fonds für Sparpläne ist riesig. Rendite ins Depot bringen etablierte und langfristig erfolgreiche internationale und europäische Aktienfonds. Sie erzielten im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre acht Prozent Rendite im Jahr - nach Kosten. Sparpläne auf Rentenfonds erwirtschafteten knapp sechs Prozent und Immobilienfonds fünf Prozent. Zwei, drei Prozentpunkte Unterschied bei der Rendite können am Ende darüber entscheiden, welchen Lebensstandard Sparer im Alter haben. Fachleute warnen allerdings, dass hohe Renditen in der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft sind. Das gilt auch für gute Noten von Ratingagenturen wie Morningstar oder Feri. Ein Indiz für Leistung sind sie aber schon. Wer Zweifel hat, dass es einem Fondsmanager dauerhaft gelingen kann, den Markt zu schlagen, oder wer sich schlicht die Mühe sparen will, eine Schneise durchs Fondsdickicht zu schlagen, der entscheidet sich besser für börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF. Rund 200 werden mittlerweile an der Deutschen Börse gehandelt, die beliebtesten sind die ETF auf Dax und Euro Stoxx 50.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB