Breitband unterwegs Warum in der Bahn das Internet oft nicht funktioniert

Beim Zugfahren bequem im Internet surfen? Stabiles Wlan im ICE ist technisch schwieriger, als viele annehmen.

Von Helmut Martin-Jung

Die Menschen sind müde und gestresst. Sie stehen mit ihrem Wagen im Stau, und bald wird es dunkel. Die einen haben es mit quengelnden Kindern zu tun, andere kämpfen gegen die Müdigkeit. Manche versuchen, im Stop-and-Go wenigstens ein bisschen Arbeit wegzuschaffen und zwängen den Laptop mühsam zwischen Oberkörper und Lenkrad. Und dann taucht er auf im Rückspiegel eines der Autos: der ICE. Zu majestätischer Musikuntermalung rauscht der elegante Zug vorbei, kein Stau hält ihn auf. Und es sitzen darin offenbar nur glückliche Menschen. Auch einer, der mit zufriedener Miene den Deckel seines Laptops schließt, als wollte er sagen: "Erledigt!"

Der Werbeclip der Deutschen Bahn ist gut gemacht. Aber der Mann mit dem Laptop musste aller Wahrscheinlichkeit nicht online sein für seine Arbeit. Denn Internet und Zug, das sind auch im Jahr 2015 zwei Dinge, die oft noch nicht so recht zusammen funktionieren. Warum das so ist, dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, und die Quintessenz ist: Die Bahn kommt einfach nicht hinterher bei der schnell gestiegenen Nachfrage nach schnellem Internet. Aber eines ist auch klar: Ein Kinderspiel ist es nicht, im Zug für schnelle Netzanbindung zu sorgen.

Da sich der Zug bewegt, kann die Anbindung ans Internet nur per Funk realisiert werden. Besonders bietet sich dafür die Mobilfunktechnik der vierten Generation, kurz 4G, an. Diese auch Long term evolution (LTE) genannte Technik bietet einen hohen Datendurchsatz und vergleichsweise geringe Latenzzeiten. Als Latenzzeit bezeichnet man die Zeit, die es braucht, bis eine Verbindung aufgebaut ist und Daten übertragen werden können.

Illustration: Stefan Dimitrov

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Noch sind nicht alle ICE-Züge überhaupt für Breitband-Internet ausgerüstet

Der Technologiepartner der Bahn, die Telekom, hat zwar das LTE-Netz an den Zugstrecken bereits gut ausgebaut, es gibt aber noch Regionen, in denen nur eine Anbindung über 3G- oder sogar 2G-Netze möglich ist. Bei 2G, auf dem Handy oft erkennbar als "E" in der Statusanzeige, ist schon wegen der vielen konkurrierenden Nutzer pro Zug die Anbindung ans Netz so schwach, dass keine Daten mehr übertragen werden. Es wird dann bloß noch die Verbindung aufrechterhalten.

Es sind auch noch nicht alle ICE-Züge für Breitband-Versorgung ausgerüstet, bis Ende dieses Jahres aber soll es endlich so weit sein. Neue Züge will die Bahn nicht mehr wie bisher üblich bereits fertig ausgestattet bestellen, sondern nur noch für Breitband vorbereitet. Der Vorteil: Die jeweils aktuellste Ausstattung kann dann kurz vor Inbetriebnahme installiert werden. So vermeidet man, dass die Geräte bereits veraltet sind, wenn die neuen Züge nach den oft zeitraubenden Prüfverfahren durch das Eisenbahn-Bundesamt endlich den Betrieb aufnehmen dürfen.

Im Inneren des Zuges wird das Funksignal über Wlan-Zugangspunkte an die Passagiere weitergegeben. Funksignal und Wlan werden von der Telekom betrieben. Bahnkunden, die erster Klasse reisen, können darauf kostenlos zugreifen, die in der zweiten Klasse müssen derzeit entweder einen bestimmten Tarif der Telekom gebucht haben oder aber separat einen Tagespass für etwa fünf Euro kaufen. Dieser lässt sich dann aber auch noch an anderen Hotspots nutzen.

Ohne Kabel

Wer mit seinem Tablet oder Smartphone zu Hause das Internet nutzt, muss es dazu nicht etwa mit einem Kabel verbinden, was ziemlich unpraktisch wäre. Vielmehr kommt in den meisten Fällen Wlan zum Einsatz. Das steht für Wireless Local Area Network und bedeutet, dass mit Hilfe eines Mikrowellen-Sende- und Empfangsgerätes eine Funkverbindung von den Endgeräten zu einem lokalen Netz aufgebaut wird. Die Zugangspunkte, meist gemeinsam mit einem Router in einem Gehäuse untergebracht, senden dazu in aller Regel ständig ihren Namen aus sowie Informationen darüber, welches Verschlüsselungsverfahren sie verwenden. Hat man das Passwort für ein Wlan zum Beispiel auf einem Tablet einmal eingegeben, merkt sich das Gerät diese Information und verbindet sich beim nächsten Mal automatisch mit diesem Drahtlosnetz. In Hotels, auf Flughäfen und bei vielen anderen öffentlich erreichbaren Zugangspunkten läuft es oft anders, hier müssen die Zugangsdaten über eine Webseite eingegeben werden. Helmut Martin-Jung

Hunderte Fahrgäste müssen auf einen Schlag die Funkzelle wechseln

Wer das nicht will und Datentarife bei einem anderen Anbieter wie etwa Vodafone oder O2 gebucht hat, kann versuchen, darüber eine Verbindung aufzubauen. Damit das besser funktioniert, wurde dieses Jahr auch damit begonnen, neue Repeater für Mobilfunk einzubauen. Das sind Geräte, die von außen empfangenen Signale ins Innere des Zuges weiterleiten und verstärken. Das ist auch nötig, denn die Außenhülle der Züge schwächt das Funksignal, das von draußen kommt, erheblich - etwa um den Faktor 1000 - ab.

Schwierig ist es in beiden Fällen, und das hat mit der Mobilfunk-Technik zu tun. Dabei werden stets Verbindungen zu einer Funkzelle aufgebaut. Da sich aber der Zug schnell bewegt, müssen die Wechsel von der einen Zelle in die nächste schnell abgewickelt werden. Da aber in einem Zug mehrere hundert Fahrgäste sind, von denen viele eine Datenverbindung offen haben, wechseln auf einen Schlag auch viele die Zelle. Und die wollen alle aus- und eingebucht sein.

Die Funktechnik arbeitet zudem mit geteilter Bandbreite, das heißt: Was zum Beispiel eine LTE-Zelle an Daten übertragen kann, das müssen sich alle Nutzer dieser Zelle teilen. Auf Bahnstrecken mit einer sehr gut ausgebauter Funkverbindung und im schwach besetzten Nachtzug reicht die Datenrate daher womöglich sogar, um sich Filme im Internet anzusehen, aber auf gut frequentierten Strecken tröpfeln manchmal schon die Mails nur langsam herein.