Wikileaks-Gründer:Schweden: Haftbefehl gegen Assange

Bislang tat Wikileaks-Gründer Assange die Vergewaltigungsvorwürfe stets als Unfug ab. Jetzt will die schwedische Justiz Haftbefehl erlassen. Doch Assange wehrt sich.

Der Gründer des Enthüllungsportals Wikileaks, Julian Assange, hat bisher alle Vorwürfe der Vergewaltigung abgestritten und als üble Nachrede abgetan. Jetzt erwägt die schwedische Justiz, einen Haftbefehl zu erlassen. Wie die Staatsanwaltschaft in Stockholm mitteilte, soll am Nachmittag über einen Haftbefehl gegen den Australier entschieden werden.

Wikileaks founder Assange speaks during a news conference on the internet release of secret documents about the Iraq War in London

Schon bald hinter Gittern? Die schwedische Justiz will am Nachmittag über einen Haftbefehl gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange entscheiden.

(Foto: reuters)

Staatsanwältin Marianne Ny begründete den Antrag auf einen Haftbefehl damit, dass Assange bislang nicht zu Befragungen zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung vorgeführt werden konnte.

Assange werde im Falle einer positiven Entscheidung des Gerichts auch international zur Fahndung ausgeschrieben werden, hieß es weiter. Ein im August ausgestellter Haftbefehl wegen Verdachts auf Vergewaltigung einer Schwedin und sexueller Belästigung einer weiteren Frau war nach wenigen Tagen zurückgezogen worden.

Zwei Frauen hatten sich bei der schwedischen Polizei gemeldet und Assange der Vergewaltigung und Belästigung beschuldigt.

Nach Bekanntwerden der Anschuldigungen legten Wikileaks-Mitarbeiter Assange einen Rückzug aus der Organisation nahe, bis die Vorwürfe ausgeräumt seien. Assange wies die Anschuldigungen dagegen als Kampagne gegen ihn und Wikileaks zurück.

Inzwischen liegt auch eine Erklärung von Assanges Anwalt vor. In dieser heißt es, die Vergewaltigungs-Vorwürfe bestünden nur aus einem "nachträglichen Disput über einvernehmlichen, aber ungeschützten Sex." Die beiden Frauen, welche die Vorwürfe erhoben hatten, hätten erklärt, die sexuellen Handlungen hätten auf freiwilliger Basis stattgefunden.

Die Anschuldigungen seien erst erhoben worden, nachdem die Frauen herausgefunden hätten, dass Assange zu ihnen beiden gleichzeitig eine Beziehung unterhielt. Zudem habe sich der Wikileaks-Gründer bereits vor Wochen bereit erklärt, vor der schwedischen Polizei auszusagen. Die Anschuldigungen lägen ihm bisher noch nicht in schriftlicher Form vor.

Vor kurzem hatte Assange noch laut darüber nachgedacht, in der Schweiz einen Asylantrag zu stellen. Er und seine Mitarbeiter seien in jüngster Zeit unter immer stärkeren Druck der USA und anderer Staaten geraten, sagte er vor zwei Wochen in Genf. Die Schweiz sei für ihre "kämpferische Unabhängigkeit" bekannt, begründete der gebürtige Australier seine Absichten.

Im Oktober hatte Schweden Assanges Antrag auf eine ständige Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis eine Absage erteilt. Der 39-Jährige beabsichtigte, in Schweden die Zentrale von Wikileaks aufzubauen, um dort von dem gesetzlichen Informantenschutz zu profitieren. Wikileaks hatte Ende Oktober fast 400.000 bislang geheime Dokumente ins Netz gestellt, in denen es um den Einsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak geht.

© sueddeutsche.de/AFP/leja/gba
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