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Whistleblower-Plattform droht Finanzkollaps:Das Material geht aus

Wer verhindern will, dass Wikileaks seine Arbeit endgültig einstellen muss, sollte alternative Geldübertragungswege wie das Spenden per SMS oder Bank-zu-Bank-Überweisungen nutzen, so der Aufruf Assanges. Und er solle darauf achten, dass diese Bank dann nicht zur Bank of America gehöre.

Der finanzielle Aspekt ist die eine Seite; viel gravierender dürfte die Tatsache sein, dass Wikileaks bereits seit Sommer 2010 kein neues Material entgegennimmt. Seit dem Abgang einer Gruppe von Mitgliedern rund um Openleaks-Chef Daniel Domscheit-Berg funktioniert der Hochlade-Mechanismus nicht mehr. Nun will Wikileaks am 28. November ein neues System ans Netz bringen.

Neues Material hat Wikileaks auch dringend nötig: Zwar gibt Assange an, Wikileaks halte weitere brisante Dokumente in der Hinterhand. Doch Zweifel an dieser Aussage dürfen erlaubt sein: Die letzte große Enthüllung fand mit den Guantanamo-Akten bereits im April 2011 statt.

Dieses Material dürfte wie die amerikanischen Botschafts-Depeschen, die Videos über den gewaltsamen Tod irakischer Zivilisten durch das US-Militär sowie die Afghanistan-Dokumente der amerikanischen Nachrichtendienste aus einer einzigen Quelle stammen. In den USA wurde der US-Soldat Bradley Manning deswegen angeklagt.

Bereits Ende 2009 teilweise offline

Ende August war bekanntgeworden, dass geheime US-Botschaftsdepeschen unredigiert im Netz kursieren und damit mögliche Informanten in Gefahr bringen. Wikileaks wurde dafür heftig kritisiert und entschied sich daraufhin, die Dokumente unredigiert zu publizieren. Bis auf weiteres werden dies die letzten geheimen Materialien sein, die Wikileaks veröffentlichte.

Bereits Ende 2009 hatte Assange Teile von Wikileaks vom Netz genommen, um auf die prekäre Finanzlage aufmerksam zu machen. Nachdem die Organisation daraufhin begann, mit Enhüllungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden, konnte das Ende des Portals verhindert werden.

© sueddeutsche.de/mri/joku
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