bedeckt München 17°
vgwortpixel

Privatsphäre:Tausende Whatsapp-Gruppen für Unbefugte zugänglich

Whatsapp-Logo

Gruppenchats auf Whatsapp sind öffentlicher als gedacht.

(Foto: AFP)
  • Vielen Nutzern von Whatsapp dürfte nicht bewusst sein, dass sich ihre Gruppenchats leicht über eine Suchmaschine finden lassen. Unbefugte können den Chats so einfach beitreten.
  • Auf Google hat Whatsapp diese Zugänge schon am Wochenende gesperrt, über Bing funktioniert der Trick nach wie vor.

Unbefugte können sich leichter Zugang zu Whatsapp-Gruppen verschaffen als viele denken. Tausende Gruppenchats sind einfach über Microsofts Suchmaschine Bing zu erreichen. Whatsapp-Gruppen werden auch von vielen Schulklassen, Vereinen und Unternehmen genutzt - trotz diverser Datenschutzbedenken.

Die Suchmaschine erfasst viele jener Einladungslinks, die Mitglieder einer Gruppe verschicken können, wenn sie gezielt neue Menschen in ihre Gruppe bringen wollen. Tatsächlich ist die Idee hinter dem Einladungslink, dass jeder, der ihn kennt, Zugang zur Gruppe erhält. Dass diese Zugänge aber offen im Netz stehen, dürfte den allerwenigsten Whatsapp-Nutzern bekannt sein. Gruppenmitglieder, die als Administratoren erweiterte Rechte haben, müssen auf den Besucher aufmerksam werden, um ihn wieder aus der Gruppe zu werfen.

Bing erfasst offensichtlich viele dieser Links als normale Suchergebnisse. Eine kurze Eingabe in Bings Suchmaske reicht, um den Gruppen beitreten zu können. Denn alle Einladungslinks beinhalten eine bestimmte URL. Wer alle Sub-Seiten dieser URL auf Bing sucht, erhält Hunderttausende Treffer.

Die SZ konnte so problemlos einer arabischsprachigen Gruppe beitreten, zu deren Mitgliedern sie keinerlei Kontakt hatte. Andere Gruppen wirkten dubios: Eine Suche nach "Deutschland" brachte als ersten Treffer eine Gruppe, deren Beschreibung nur aus den Worten "Heil Hitler" besteht. Jordan Wildon, Journalist der Deutschen Welle, fand auf Google vor Tagen unter anderem eine Gruppe namens "child porn", und andere, die dem Augenschein nach dem Austausch von Kinderpornografie dienen.

Nutzern bleibt derzeit nur, ihre Einladungslinks zu widerrufen, damit sie nicht mehr über die Listen funktionieren. Mehrere von der SZ getestete Treffer sind auf diese Weise schon zu "toten" Links geworden. Das ist mit einem Klick in den Einstellungen unter "Gruppeninfo" möglich. Wer hier nie einen Einladungslinks abgerufen hat, ist nach bisherigem Kenntnisstand nach nicht betroffen.

Whatsapp erklärte in einer Stellungnahme, man wolle den Fall nicht weiter kommentieren, Links zu Gruppenchats könnten aber "nur gefunden werden, wenn diese vorher öffentlich im Internet gepostet worden sind". Nur weiß vermutlich kein Gruppenadministrator, ob der Link zu seiner Gruppe schon einmal ins Netz gestellt wurde.

Eigentlich sollten die Einladungslinks im Netz nicht mehr auffindbar sein. Am Wochenende hatte Wildon bekannt gemacht, dass sich die Gruppen über Google finden und betreten lassen. Whatsapp sorgte dann mit einer technischen Umstellung dafür, dass die Gruppen über Google nicht mehr auffindbar waren. Auf Bing sind sie nach wie vor zu finden.

Offensichtlich war diese Art, Gruppen per Suchmaschine zu finden, vom Facebook-Konzern gewollt. Whatsapp gehört zu Facebook. Als ein Hacker Facebook auf diese - seiner Meinung nach gefährliche - Situation aufmerksam machte, antwortete ihm Facebook nur: Es handele sich nicht um einen Fehler, sondern um eine "bewusste Produktentscheidung".

© SZ.de/hij/saul
FILE PHOTO: Men pose with smartphones in front of displayed Whatsapp logo

Kurznachrichtendienst
:Whatsapp knackt Marke von zwei Milliarden Nutzern

Der Kurznachrichtendienst ist so beliebt, weil er simpel und werbefrei ist. Doch das wird für den Mutterkonzern Facebook zum Problem.

Von Helmut Martin-Jung

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite