Soziales Netzwerk Journalistische Kriterien sind überprüfbar, die von Facebook nicht

Das Auswählen (und damit Nichtauswählen) von Nachrichten kann ein Problem darstellen. Es gehört zur Kernfunktion des Journalismus, zu entscheiden, zu bestimmten Themen zu recherchieren - und zu anderen nicht. Gründe fürs Weglassen könnten unter anderem fehlende Relevanz für die Leserschaft oder Kapazitäten sein. Zudem ist es Aufgabe der Medien, Geschichten zu recherchieren, die nicht "trenden". Dass Artikel von Facebook-Mitarbeitern "eingespeist" werden, nennen Journalisten Agenda-Setting. Themen werden recherchiert und prominent platziert, weil sie es aus deren Sicht wert sind, erzählt zu werden.

All das sind journalistische Kriterien: überprüfbar, kritisierbar. Dass aber ein Konzern wie Facebook auch journalistische Entscheidungen trifft, kommuniziert er nicht offen.

Facebooks Äußerungen sind schwammig - aus Prinzip. Denn das Silicon Valley genießt einen Vertrauensvorschuss, und das soll wohl auch soll bleiben. Wie die New York Times schreibt, gehen in den USA nach Angaben der Pew-Meinungsforscher satte 65 Prozent davon aus, dass Medien einen negativen Einfluss auf das Land haben. Bei Technologie-Firmen liegt diese Zahl bei 17 Prozent. Klar, in welche Schublade Facebook von seinen Nutzern gesteckt werden will.

Linktipp:

In diesem Artikel schreibt der Kommunikationswissenschaftler Tarleton Gillespie sehr lesenswert über künstliche Intelligenz und ihre Funktion für Facebook, zum Beispiel bei den Trending Topics. Hinweis: Das Blog gehört zu Microsoft.

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