Der lockere Chef

Daran erkennt man ihn

Er hat im Überschwang und um Verständnis für das moderne Lebensgefühl zu signalisieren, einen Facebook-Account eingerichtet, ist aber dann wegen diverser Terminstaus nicht weiter in die Tiefen der Profilfragebögen eingestiegen und hat auch kein Foto. Trotz dieser maximalen Darstellungs-Langeweile hat er nach zwei Tagen 72 Freunde, ohne einen einzigen Freundschaftsantrag verschickt zu haben. Denn die Belegschaft steht vor seiner virtuellen Tür natürlich Schlange und bemüht sich mit Hilfe aufmerksamer Pinnwandeinträge darum, geistreich zu erscheinen.

Wenn der Chef einmal im Monat unter großem Aufwand eine Statusmeldung verfasst, wird diese reflexhaft und sofort von allen für gut befunden. Besonders Karrierewillige lassen sich dabei sogar zu dem Kommentar "Haha, sehr treffend ausgedrückt" hinreißen. Was natürlich zu Klassenkeile im Großraumbüro führt.

Typische Statuszeile

Lese gerade die FTD und überlege: Wer hat noch mal schwarz-gelb gewählt?

Im Fotoalbum

Nichts. Oder aber ein verstörendes Bild, das ihn jenseits aller Anzüge und Frisuren beim Skiurlaub zeigt.

Wer sind die Freunde?

Alle, die in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zu ihm stehen - und auch ein paar hohe Tiere von der Konkurrenz plus zweieinhalb Promis.

Bild: Grafik: Katharina Bitzl 3. Oktober 2010, 10:572010-10-03 10:57:00 © SZ vom 02.10.2010/joku