Die gut vernetzte Klette

Daran erkennt man sie

Sie leidet seit jeher daran, dass sie mit ihren beiden Armen immer nur so einen begrenzten Teil der Welt umarmen kann. Ein Glück, dass nun via Facebook jede ihrer Liebesbekundungen, Müdigkeitsnotizen oder Glücksgefühle an den ganzen großen Kreis ihrer Kollegen, Freunde und an alle jene geht, die sie irgendwann irgendwo mal getroffen hat.

Mit ihrer sozialen Überfunktion sorgt sie für das Facebook-Grundrauschen. Die Vernetzte ist natürlich selbstständig im kreativen Sektor oder macht was mit Medien. Sie hat eine enorme Sozialkompetenz und postet deswegen unentwegt inspirierende Musikvideos, inspirierende Mineralwasserflaschenetiketten und Bilder von sich in selbstgenähten Umhängen. Manchmal zeigt sie auch ihre Füße in der Badewanne und überliefert Kalendersprüche, die allen anderen Schwung für den Tag geben sollen. Ständig muss sie verkünden, dass sie irgendwohin unterwegs ist und dieses Irgendwohin ist immer eine Variation von "lecker Pizza machen bei Isa und ihrer armenischen Mitbewohnerin".

Typische Statuszeile

Olá allerseits! Hier wirklich SuuuperSoonneee! Und ich sitze mit Binchen und ihrem Kirschkuchen auf dem Balkon!

Im Fotoalbum

Sie lädt der Einfachheit halber ihren gesamten Kameraspeicher auf Facebook. Deshalb findet man Dutzende Ordner, die "Andalusien 2009", "Costa del Sol with Family" oder "Jungesellinnenabschied Martina" heißen. Die Ordner sind nicht frei von unscharfen beziehungsweise leider doch sehr unansehnlichen Aufnahmen.

Wer sind die Freunde?

Eine Bevölkerungsschicht, die früher "Junge Szene" genannt worden wäre, plus natürlich abstruse Erasmus/Globetrotter-Bekanntschaften, die regelmäßig artig nachfragen, wann es die Klette mal wieder nach Christchurch, Neuseeland, verschlägt.

Bild: Grafik: Katharina Bitzl 3. Oktober 2010, 10:572010-10-03 10:57:00 © SZ vom 02.10.2010/joku