Nach dem Falthandy Wohin der Smartphone-Markt als nächstes steuert

DJ Koh hält das neue Samsung Galaxy Fold in die Höhe

(Foto: AFP)

Mit seinem neuen Smartphone mit faltbarem Bildschirm testet Samsung technische und preisliche Grenzen aus. Die Entwicklung geht stürmisch weiter. Und wo bleibt Europa?

Kommentar von Helmut Martin-Jung

Der Aufstieg der Smartphones ist unvergleichlich. Nicht nur, weil sich binnen eines Jahrzehnts Milliarden der Taschencomputer mit Telefonfunktion verkauft haben. Sondern auch, weil die in den Geräten vereinten Fähigkeiten tief in unser Leben eingegriffen haben. Sie weisen einem den Weg, sie gießen einen nicht enden wollenden Strom von Nachrichten und Benachrichtigungen über ihre Nutzer, wachen über deren Gesundheit, sind Spielekonsole, Kamera und Musikabspieler. Kurzum: Sie sind zu dem Stück Technik geworden, das die meisten nicht mehr hergeben würden.

Dass in jüngster Zeit die Verkäufe weltweit stagnierten, ist kein Zeichen des Überdrusses, kein Signal dafür, dass die Menschen sich aus der Abhängigkeit von den datenhungrigen Begleitern befreien wollen. Der Markt ist nur allmählich gesättigt. Smartphones werden mindestens für die nächsten Jahre ihre Funktion als Fernbedienung des Lebens behalten.

2000 Euro für den mobilen Allzweck-Computer

Da die Geräte immer mehr Zwecke erfüllen, gibt es eine Tendenz zu größeren Bildschirmen. Insofern ist es nur konsequent, wenn nun Samsung als der Smartphone-Marktführer ein Gerät mit einem faltbaren Bildschirm vorlegt. Die immer größeren Anzeigen passen schließlich immer schlechter in Hosentaschen. Wie sinnvoll und praktisch der zur Größe eines Tablets aufklappbare Bildschirm wirklich ist, muss sich noch erweisen.

Klar ist aber schon jetzt, dass Samsung diese Neuerung - eine der wenigen echten Innovationen der vergangenen Jahre - dazu nutzt, die preisliche Schmerzgrenze wieder ein Stück nach oben zu verschieben. Um die 2000 Euro werden Kunden dafür bezahlen müssen, mehr als für das derzeit teuerste iPhone. Auch hier wird man abwarten müssen, ob die Strategie aufgeht. Apple hatte sie zuletzt etwas überreizt, zumal da der Konzern aus Cupertino keine mit dem Faltbildschirm vergleichbaren Neuerungen zu bieten hatte, sondern nur evolutionäre Weiterentwicklungen.

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Der nächste bedeutende Schritt dürfte weniger von den Geräten selbst ausgehen als vom Fortschritt in der Netzanbindung. Schon heute ist es so, dass Smartphones ohne eine Anbindung ans Internet nahezu völlig ihren Nutzen verlieren. Der kommende Mobilfunkstandard 5G ermöglicht die Übertragung großer Datenmengen in kurzer Zeit und reagiert nahezu verzögerungsfrei. Er bindet zudem viel besser als seine Vorgänger Unmengen an Sensoren ein. Was das alles bedeutet, ist - wie meist bei technischen Umwälzungen - nur begrenzt vorhersehbar.

Wird Europa beim nächsten Evolutionsschritt abgehängt?

Absehbar ist dagegen leider, dass Europa bei dieser Technik erneut ins Abseits zu geraten droht. In vielen Ländern verfügen die Netzanbieter noch nicht einmal über die Frequenzen, die sie dafür bräuchten. Wie viel diese kosten sollen, ist umstritten. Die Staaten sollten daher bei den anstehenden Versteigerungen den Bogen nicht überspannen. Natürlich können die Konzerne gewisse Kosten wieder hereinwirtschaften. Je höher diese aber liegen, desto mehr wird der Ausbau in weniger lukrativen Regionen leiden.

Bei allem Fortschritt - eines ist bei Smartphones über die Jahre kaum besser geworden: Der Akku macht allzu oft zu früh schlapp. Das ist der Preis dafür, dass die vermeintlichen Alleskönner große Bildschirme haben, eine Vielzahl von Sensoren und Rechenfähigkeiten, die mehr und mehr denen von Laptops gleichen. Alles, das gilt auch für Smartphones, kann man eben nicht haben.

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