Satellit zur Miete Für 250 Dollar im Weltall experimentieren

Für einige könnten sich von nun an doch Kindheitsträume erfüllen - zumindest für diejenigen, die sich früher nach dem Weltall gesehnt haben. Ein kalifornisches Start-up stellt einen Kleinsatelliten für eigene Experimente zur Miete bereit.

Von Regina Brand

Es gibt allerlei Gegenstände zu mieten; sei es ein Liegestuhl am Strand, ein Auto oder ein Rasenmäher vom Baumarkt. Für 250 Dollar pro Woche können Weltraumliebhaber vom vierten August an einen eigenen Satelliten namens ArduSat buchen. Das Start-up Nano-Satisfi aus San Francisco gibt Tüftlern die Möglichkeit, mit einem Minisatelliten Experimente im All durchzuführen. Die Nutzer können Spuren von Meteoriten nachverfolgen oder versuchen, das Magnetfeld der Erde nachzuzeichnen. Auch Geo-Caching, beim dem anhand der Satelliten-Kamera bestimmte Ort auf der Erde identifiziert werden, ist möglich. Der Satellit ist eine kleine Box, die zehn Zentimeter in der Breite, Höhe und Tiefe misst. Er ist mit allerlei Instrumenten ausgerüstet: mehreren Kameras, einem Lichtsensor, einem Magneto- und Spektrometer und einem Geigerzähler.

In einem kurzen Video erklärt Joel Spark, der Chefingenieur von Nano-Satisfi, die technischen Details und preist vor allem die leichte Erlernbarkeit für Erstnutzer an. Per Bediengerät können die privaten Forscher den Satelliten je nach Belieben steuern und mit dem Bordcomputer des Satelliten kommunizieren. Falls Hobbyforscher außerdem Verbesserungsvorschläge zur Software und zum Aufbau des Flugkörpers haben, könnten sie diese bei Spark einreichen, denn schließlich will das Start-up seinen Prototypen weiter verbessern und eben auch die Ratschläge von Privatpersonen mitberücksichtigen.

Zugang zu Raumfahrtthemen erleichtern

Den Gründern von Nano-Satisfi geht es um mehr, als nur einen Satelliten zur Vermietung bereit zu stellen. Sie wollen Interessierten vor allem den Zugang zu Forschungen im Weltall ermöglichen. "Das, was gerade passiert, kann man mit der Revolution von Großrechnern zu PCs vergleichen", sagte Peter Platzer, der Geschäftsführer von Nano-Satisfi The Verge. Es ginge den Machern nicht darum, dass Hobbyforscher nun bahnbrechende Erkenntnisse über die Erde und das All herausfinden, sondern Neugier für Raumfahrtthemen zu fördern.

Platzer und seine Kollegen haben eine Vision: Schüler, Rentner und alle anderen sollen bei Erkundungen im All selbst mitmachen können - wenn auch nur mittels eines kleinen Satelliten, der von der Erde aus gesteuert wird. Denn bisher konnten sich private Tüftler keinen eigenen Satelliten leisten oder mieten, da ein herkömmlicher Satellit zwischen einer halben Milliarde und zwei Milliarden Dollar kostet und ausschließlich Staaten oder Unternehmen zur Verfügung steht.

Zehn amerikanische Schulen nehmen bereits an dem Pilotprojekt, das im August startet, teil. In Kooperation mit der amerikanischen Luft- und Raumfahrtorganisation Nasa wurde zudem eine spezielle Software erstellt, die den Nutzern dabei hilft, eigene Experimente anzulegen und die Daten anschließend auszuwerten.

Kritiker zweifeln an, dass der Kleinsatellit einwandfrei funktionieren wird. Dadurch, dass weniger Platz vorhanden ist, könnten weniger Kontrollsysteme eingebaut werden. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fehler auftrete. Für jedes Bauteil gebe es bei herkömmlichen Satelliten ausreichend Back-up-Systeme, die genutzt werden können, wenn ein Untersystem ausfällt. Diese Back-up-Systeme würden beim Ardusat allerdings fehlen.

Das Start-up wurde als sogenanntes Kickstarter-Projekt durch verschiedene Investorengelder ermöglicht. Auch der russische Milliardär Dmitry Grishin unterstützt das Unternehmen. Um das Projekt langfristig finanzieren zu können, denkt Nano-Satisfi über ein Geschäftsmodell nach, bei dem gewonnene Informationen zu Wetterlagen oder Naturkatastrophen weiterverkauft werden sollen.