Reparatur von alten Fernsehern und Handys Nasses Grab in der Toilettenschüssel

"Die kaufende Gesellschaft muss dem Hersteller deutlich mitteilen, was sie vom Hersteller erwartet. Entweder politisch über Gesetze oder beim Einkauf." Und dort entweder über Kaufentscheidungen: gegen den zusammengeklebten Föhn für 6,99 Euro und für das Gerät, für das der Hersteller garantiert, noch mindestens fünf Jahre nach Ende der Produktion Ersatzteile bereitzuhalten - eines der Kriterien für das Umweltzeichen "Blauer Engel". Oder mit konkreten Forderungen, wie der nach einer solchen Fünf-Jahres-Garantie. Das praktisch umzusetzen versucht Schridde gerade.

Doch was helfen solche praktischen Projekte gegen eine andere Art von Obsoleszenz, eine psychische: das - auch vom Hersteller erzeugte - Gefühl, dass Produkte an Wert verlieren, sobald das Design älter, das Lifestyle-Gefühl ein anderes geworden ist. "Früher fragte man sich beim Kauf eines Produktes: Wie ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen?", sagt der Betriebswirtschaftler Schridde. "Heute vermittelt uns die Werbung: ,Hauptsache, das Leben macht Spaß! Neukaufen ist nicht schlimm, das gehört zum guten Ton!'"

Technik-Tipps

Luftgetrocknet

Gefühligkeitsgeräte dieser Art stellt zum Beispiel Apple im großen Maßstab her, das iPhone setzt in dieser Hinsicht Standards. Und lässt aber gleichzeitig auch lukrative Nischen entstehen aus Problemen, die die Hersteller nicht oder nicht zufriedenstellend lösen: Während universelle Reparaturwerkstätten nicht mehr genügend Aufträge bekommen, gibt es immer mehr spezialisierte Smartphone-Rettungsstellen, zum Beispiel für das spontane Auswechseln von gesplitterten Displays.

Oder wenn das Handy sein nasses Grab in einer Toilettenschüssel gefunden hat und man es mit beherztem Griff ins Klo gerade noch retten konnte. Der Hersteller hat allerdings Indikatoren ins Gehäuse eingebaut, die sich von Weiß nach Rot verfärben, wenn sie nass werden - das war's mit der Garantie. Nun gibt es aber Reparaturshops, die nicht das Telefon reparieren, sondern die verfärbten Indikatoren austauschen gegen unschuldig-blütenweiße. Austauschen lassen, an den Hersteller schicken, bangen, hoffen. Und dann: endlich wieder spielen.

Unser Handy ist unser Klatschaffe. Ein Kühlschrank wird das nie sein. Weil wir selten unsere intimsten Geheimnisse ins Gemüsefach flüstern. Weil er einfach funktionieren soll, und gern noch nicht allzu plump aussehen dabei. Obsoleszenz, ob geplant oder psychisch, ist also nur der neuralgische Punkt, an dem sich das Thema Nachhaltigkeit gerade reibt, nicht der Kern der Sache. Der liegt beim mündigen, verantwortungsvollen Bürger selbst. Auch wenn zum Beispiel die vielen verschiedenen Biolabels und überhaupt die Fülle an Informationen verwirren und kaum einer die Zeit aufbringen will, sich mit all dem zu befassen.

Allein in München, einer Stadt, in der an einem windigen Tag schon mal drei wertvolle Regenschirme kopfüber in einem einzigen Mülleimer stecken, listet der Verbund Offener Werkstätten elf Einrichtungen, in denen sich Menschen in Repair Cafés und Bastelräumen treffen, ehrenamtliche Elektriker, Rentner mit kaputten Leselampen, Metaller, Studenten mit verbogenen Fahrrädern, Mechaniker. Vielleicht sind das nur winzige Pünktchen im Gesamtbild. Aber da stehen sie dann, die großen Kinder, und retten, was ihnen rettenswert erscheint.

Fünf Jahre Smartphone

Lieber leben als iPhone