Reparatur von alten Fernsehern und Handys Willige Weiterverwerter

Auch, weil eine Reparatur aus vielen Gründen nicht mehr zwingend die einfachste Möglichkeit ist und schon gar nicht die günstigste. Muharrem Batman, 47, arbeitet seit seiner Jugend im Reparaturgeschäft, mit seiner Werkstatt "Batman Elektronik" zieht er gerade um, in einen größeren Laden in Berlin-Neukölln, denn er hat den Absprung geschafft: Er repariert auch Computer, dadurch hat er noch genügend Aufträge.

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Es war einmal ein Knochen

"Die ganzen Werkstätten hier in der Gegend, die sich auf Kühlschränke und Fernseher beschränkt haben, sind in den letzen Jahren ausgestorben", sagt er. "Vor ein paar Jahren haben Flachbildfernseher noch eine Menge Geld gekostet, heute kriege ich schon einen für 150 Euro. Wie soll sich da eine professionelle Reparatur lohnen, die vielleicht einen oder zwei Tage dauert?"

So lange dauert sie unter anderem auch, weil sich die Bedingungen verändert haben: In der Fertigung werden zunehmend Kompaktbauteile verwendet, oft sind die Geräte nicht mehr verschraubt und damit relativ leicht zu öffnen, sondern fest verklebt. "Früher haben Firmen, die Elektronik herstellen, immer die dazugehörigen Schaltpläne mitgeliefert, manchmal auch Reparatur-Kits. Das tun sie heute nicht mehr und wir müssen hier bei null anfangen und erst einmal nach den möglichen Schwachstellen forschen", sagt Batman. Hobbybastler sitzen da natürlich ähnlich ratlos vor den Geräten.

Wenn Batman davon spricht, was sich alles nicht mehr zu reparieren lohnt, klingt er resigniert, seufzt oft erst einmal, bevor er antwortet. Er hat seinen eigenen Weg gefunden, mit diesem Gefühl der Hilflosigkeit umzugehen: Aus Elektronikschrott baut er Kunstwerke, darunter ist auch ein Kleid aus ausrangierten grünen Leiterplatten mit goldenem Aufdruck. Wer es tragen könnte, weiß Batman auch schon: Das Popmusikerinnen-Gesamtkunstwerk Lady Gaga - es wäre sein Protest dagegen, dass man die Bauteile einfach zu Schrott erklärt. "Ich glaube, die Menschen würden Dinge lieber reparieren lassen oder weiterverwenden, als sie wegzuschmeißen", sagt Muharrem Batman. "Wenn sie könnten."

Aber ist der Verbraucher überhaupt ein williger Weiterverwerter, der nur vom System daran gehindert wird?

Stefan Schridde sagt: nein. Der Diplom-Betriebswirt aus Berlin beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der geplanten Obsoleszenz, also dem, was man früher entweder naserümpfend oder schulterzuckend "Sollbruchstelle" nannte und was in den Zwanzigern sogar einmal als möglicher Weg aus der Weltwirtschaftskrise diskutiert worden ist. Gemeint ist damit die Taktik der Hersteller, den Verschleiß von Produkten gezielt zu beschleunigen, um den Verbraucher zu einem baldigen Neukauf zu bewegen. Mit dem Internetportal "Murks? Nein danke!" kämpft Schridde gegen geplante Obsoleszenz in technischen Geräten.

Zuallererst, sagt er, müsse man in der Öffentlichkeit eine andere Wahrnehmung zum Thema Nachhaltigkeit erzeugen. "Es geht dabei nicht um das Problem Wegwerfgesellschaft, sondern um Wegwerfprodukte. Wenn wir es uns gefallen lassen, dass es sie gibt, sind wir selber schuld." Denn, so sieht das Schridde, in einem Kreislauf - und nichts anderes ist ja das Prinzip der Nachhaltigkeit - könne sich keiner aus der Verantwortung stehlen.