"Portal Knights" im Test:Das kann der Gewinner des Computerspielpreises

Lesezeit: 4 min

Screenshots Portal Knights

Wer keine Lust mehr auf die Abenteuer in der Welt von "Portal Knights" hat, kann sich auch eine eigene Burg im Spiel bauen.

(Foto: 505 Games/PR)

Halb Minecraft, halb Zelda: "Portal Knights" kopiert zwei populäre Spielkonzepte und wurde beim deutschen Computerspielpreis dennoch ausgezeichnet. Zu Recht?

Von Caspar von Au

Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot" beantwortet Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Und gibt einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem neuen Spiel freuen können - und wann Sie lieber noch skeptisch sein sollten

Worum geht es in "Portal Knights"?

Ein steinerner Türrahmen steht auf einem Grashügel aus lauter Quadern. Die Türöffnung flimmert bläulich, wohin sie führt, ist nicht erkennbar. Ein Ritter mit grünen Haaren und grünem Vollbart stürmt mit erhobenem Holzschwert auf die Tür zu - und wird von einem Strudel in die Öffnung hineingezogen. Sekunden später spuckt ihn der Strudel in einer Wüste, die ebenfalls aus Quadern besteht, wieder aus.

Informationen zum Spiel

"Portal Knights" ist seit dem 18. Mai 2017 für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

Das Spiel wurde mit dem Deutschen Computerspielpreis 2017 in der Kategorie Bestes Deutsches Spiel ausgezeichnet.

So beginnt "Portal Knights". Das Spiel hat beim Computerspielpreis 2017 in der Königskategorie den Preis als bestes deutsches Spiel gewonnen und war außerdem noch als bestes Kinderspiel und als bestes Jugendspiel nominiert. Das Spiel, das von dem Frankfurter Studio Keen Games entwickelt wurde, lässt sich als Genre-Mix bezeichnen: Vermischt werden Rollenspiel-Elemente mit den Freiheiten, die Sandbox-Spiele mitbringen: Der Spieler kann sich in Portal Knights frei bewegen, er kann sich irgendwo in der Welt niederlassen und ein Häuschen bauen und alle Rohstoffe, die er im Spiel sammelt, zu Werkzeugen, Waffen und Möbeln zusammensetzen. Die Jury des Computerspielpreises schreibt in ihrer Begründung zur Vergabe, Portal Knights schaffe "den Genre-Mix-Spagat mit Bravour".

Wie in einem typischen Rollenspiel steuert der Spieler in Portal Knights einen Helden, den er sich zu Beginn des Spiels selbst zusammenstellen kann. Dabei kann er zwischen drei Klassen wählen: Krieger, Waldläufer oder Magier. Er kann sich das Geschlecht des "Portal Ritters" aussuchen, das Aussehen anpassen und ihm oder ihr einen Namen geben.

Die Welt von Portal Knights ist in viele kleine Inseln zerborsten, die durchs Weltall schweben. Die Aufgabe der Ritter ist es, sich auf den Inseln auf die Suche nach Portalen zu machen, um die Welt wieder zusammenzusetzen. Die Portale sind im Prinzip nur steinerne Türrahmen, bis der Spieler genügend Portalsteine gesammelt hat und ihre Magie wieder herstellt. Die Abenteuer in Portal Knights kann der Spieler entweder alleine oder gemeinsam mit bis zu drei Mitspielern im Team bewältigen. Auf der Playstation oder Xbox können zwei Spieler sogar an einer Konsole spielen.

Was sieht vielversprechend aus?

Portal Knights gelingt die Umsetzung der beiden Genres unterschiedlich gut. Der Open-World-Gedanke ist klar erkennbar und der Spieler kann die Welt eigenständig durchstreifen - allerdings kann er gerade zu Beginn des Spiels nur zu wenigen Inseln reisen, deren Portal er bereits aktiviert hat.

Häuserdächer, Erdhaufen, Bäume: Der Spieler kann mit seiner Waffe oder einer Spitzhacke alles im Spiel in seine Einzelteile zerlegen und einsammeln. Aus einem gefällten Baum gewinnt er Holz und den Samen, um einen neuen Baum zu pflanzen. Erde lässt sich für Beete wiederverwenden oder zu Treppen und Brücken aufschichten, um Abgründe zu überwinden. Im weiteren Verlauf lernt der Ritter weitere Rezepte und Anleitungen kennen, mit denen er komplexere Dinge herstellen kann. Etwa einen Amboss, eine Kupferarmbrust oder Ritterstatuen (zur Verzierung). Insgesamt gibt es mehr als hundert unterschiedliche Gegenstände, die der Spieler aus allen möglichen Materialien bauen kann.

Das alles funktioniert wunderbar und ist auch für jüngere Spieler verständlich aufgebaut. Wer möchte, kann Stunden damit zubringen, um sich im Spiel seine Traumburg zu errichten. Der Spieler kann auch Weizenfelder bestellen und eine Baumwollplantage aufbauen. Und er kann die Höhlen, Schluchten und Ruinen der Inseln erkunden. Allerdings muss er sich dabei gegen die Angriffe von feuerspuckenden Maden, rollenden Schildkröten und von Steinriesen wehren.

Es fehlt an Überraschung, Spielwitz und Spannung

Warum sollte man trotzdem kritisch sein?

Weniger gut funktionieren dagegen die Rollenspiel-Elemente von Portal Knights. Zwar gibt es ein Ziel - der Spieler soll alle Portale reparieren und die zerrissene Welt der Inseln wieder verbinden. Am Ende warten sogar mächtige Endgegner auf die Ritter, die sogenannten Portalhüter, die es zu besiegen gilt. Dennoch fehlt dem Spiel ein eindeutiger roter Faden.

Hin und wieder begegnen dem Ritter andere computergesteuerte Menschen im Spiel, die den Spieler um einen Gefallen bitten. Ansonsten ist es immer das Gleiche: Der Ritter landet auf einer Insel, sucht das kaputte Portal, beschafft sich ausreichend Steine, um das Tor zu reparieren und der Kreislauf beginnt auf der nächsten Insel von vorne. Türme, Ruinen und Höhlen sind immer ähnlich aufgebaut. Der Spieler kämpft gegen ähnliche Monster und erbeutet ähnliche Schätze. Da hilft es kaum, dass manche Landschaften Wüsten, andere Vulkane oder grüne Wiesen sind. Es fehlt an Überraschung, an Spielwitz und vor allem an Spannung. Als Spieler fragt man sich bald: Wozu mach ich das nochmal?

Woran erinnert "Portal Knights"?

Nicht nur vom Spielkonzept hat sich Portal Knights einiges bei "Minecraft" abgeschaut. Auch grafisch fühlt man sich an das erfolgreiche Sandbox-Spiel erinnert. Das hängt natürlich vor allem mit der Welt zusammen, in der vieles aus Quadern besteht. Im Gegensatz zu Minecraft ist aber nicht alles kantig: Die Helden ähneln in ihren Proportionen virtuellen Legomännchen. Portal Knights ist simpler aufgebaut als Minecraft: Es gibt weniger Gegenstände, die der Spieler herstellen kann; und wenn er einmal eine Anleitung gelesen hat, muss er nur noch die benötigten Materialien zusammentragen.

Bei den Rollenspiel-Elementen erinnert Portal Knights vor allem an "The Legend of Zelda". Kleinere Schätze sammelt der Spieler, in dem er wie in Zelda Vasen kaputthaut. Der Lebensbalken besteht aus mehreren Herzen, die je nach Lebenskraft auch nur zur Hälfte gefüllt sein können. Auch die Aufträge, die Spieler erfüllen können, sind ähnlich strukturiert wie in Zelda. Die Ähnlichkeiten sind Absicht: Man habe einen "ausgewogenen Mix aus The Legend of Zelda und Minecraft" schaffen wollen, sagte Juliane Richter, Producerin bei Keen Games, dem Fachmagazin PC Games.

Ist die Auszeichnung als bestes deutsches Spiel gerechtfertigt?

Screenshots Portal Knights

Auf der Playstation und der Xbox können zwei Spieler an einer Konsole gemeinsam spielen.

(Foto: 505 Games/PR)

Portal Knights ist aber mehr als nur eine Mischung der beiden Spiele. Die farbenfrohe Grafik hebt sich deutlich vom Vorbild Minecraft ab. Der Koop-Modus mit bis zu vier Spielern bringt etwas mehr Spaß in die sonst spannungsarme Handlung des Spiels. Nichtsdestotrotz ist der Genre-Mix nicht hundertprozentig gelungen, da vor allem die Rollenspiel-Elemente nicht zum restlichen Aufbau des Spiels passen.

Dass der Computerspielpreis Portal Knights als bestes deutsches Spiel ausgezeichnet hat, hängt vermutlich auch mit dem Erfolg von Open-World-Spielen wie Minecraft zusammen. Dazu kommt: Portal Knights ist familienfreundlich, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen zugänglich. Im Koop-Modus können sie gemeinsam spielen. Sowohl die Systemanforderungen an einen Computer als auch der Schwierigkeitsgrad sind nicht besonders hoch. Portal Knights ist deshalb ein gutes Einsteigerspiel für Kinder und Erwachsene, die zuvor noch nichts aus dem Sandbox-Genre gespielt haben.

"Portal Knights" ist seit dem 18. Mai 2017 für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB