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Pakistan:Anwohner soll zufällig Angriff auf Bin Laden getwittert haben

"Ein großer Knall, das Fenster wackelt": Sohaib Athar verfolgte offenbar zufällig den Angriff auf Osama bin Laden. Und twitterte darüber. Der Kurzmitteilungsdienst ist mit dieser Nacht endgültig zur Plattform der blitzschnellen Gerüchte und Berichte geworden..

Bis vor wenigen Stunden war Sohaib Athar noch ein unbekannter IT-Berater. Seit heute ist er der Mann, der unabsichtlich die Tötung des Al-Qaida-Führers getwittert haben soll.

In der vergangenen Nacht berichtete er gegen ein Uhr Ortszeit über den Kurzmitteilungsdienst, ein Helikopter kreise über der pakistanischen Stadt Abbottabad. "Ein großer Knall, der das Fenster wackeln lässt, ist hier zu hören", schrieb er. "Ich hoffe, das ist nicht der Beginn von etwas Fiesem." Dann hielt Athar, der zuvor in Lahore gelebt und erst vor wenigen Monaten nach Abbottabad gezogen sein soll, seine Follower permanent auf dem Laufenden. Er postete den wahrscheinlichen Ort des Gefechts und gab Nachrichten über einen Hubschrauberabsturz weiter - die Chronik der Tweets findet sich hier.

Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nichts von der Tragweite des Einsatzes. Erst als die Nachricht vom Tod bin Ladens verkündet wurde, wurde ihm klar: "Oh-oh, jetzt bin ich der Typ, der den Angriff auf Osama live gebloggt hat, ohne es zu wissen."

Auch Twitter-Nutzer Mohcin Shah aus der pakistinischen Stadt Rawalpindi twitterte über den Angriff. Seine Familie, die offenbar in der Nähe des Bin-Laden-Verstecks lebt, hatte ihn den Angaben zufolge per Telefon auf dem Laufenden gehalten.

Gerüchte schon weit vorher

Twitter hat sich in der vergangenen Nacht erneut als wichtige Mitteilungsplattform erwiesen. Die Nachricht über bin Ladens Tod machte hier zuerst die Runde - schon wenige Stunden nach der Razzia twitterte der US-Schauspieler und Profiwrestler Dwayne "The Rock" Johnson, der gute Kontakte zur US-Armee pflegen soll, von einer "Nachricht, die die Welt schocken wird". Euphorisch ergänzte er: "Ich bin stolz, ein Amerikaner sein."

Als um 21:45 Uhr US-Ostküstenzeit Obamas Kommunikationschef Dan Pfeiffer eine Rede des Präsidenten ankündigte, tauchten auf Twitter erste Gerüchte auf, es könne sich um die Tötungsnachricht handeln. Um 22:25 Uhr twitterte dann Keith Urbahn, Bürochef des ehemaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld: "Mir wurde von einer verlässlichen Person mitgeteilt, dass sie Osama bin Laden getötet haben. (...) Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber lasst uns beten, dass es wahr ist."

Twitter-Botschaften aus der Hölle

Innerhalb weniger Minuten bestätigten daraufhin der New York Times zufolge anonyme Insider aus dem Pentagon und dem Weißen Haus die Information. Als Präsident Barack Obama um 23:35 Uhr vor die Presse trat, waren vor dem Weißen Haus erste Spontanpartys im Gange.

Die Reaktionen bei Twitter und auch bei Facebook zeugen von Erleichterung - viele wirken aber auch makaber bis zynisch. Die Facebook-Gruppe "Osama bin Laden is DEAD" hat schon 270.000 Nutzer gesammelt. Auf YouTube werden Videos von Spontanfeiern in den USA hochgeladen. Auf dem Satirekonto "Osama in Hell" lässt ein Unbekannter den Getöteten aus der Hölle twittern, es erfreut sich ebenfalls großer Popularität. Andere verbreiten tausendfach Tweets wie "Ruhe in Frieden, Osama bin Laden. Weltmeister im Versteckspielen (2001-2011)" oder "Donald Trump verlangt Osama bin Ladens Todesurkunde" - in Anspielung auf die Debatte um Barack Obamas Geburtsurkunde.

Spott für Tippfehler

In Deutschland muss Regierungssprecher Steffen Seibert viel Spott über sich ergehen lassen, weil er folgende Botschaft über Twitter abgeschickt hat: "Kanzlerin: Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger."

Und auch Geschäftemacher haben die Arbeit aufgenommen. Bei Ebay stößt man auf erste Auktionen, in denen T-Shirts mit Jubelslogans angeboten werden: "Osama schmort in der Hölle" - "Obama hat Osama gefasst, 1. Mai 2011".