Süddeutsche Zeitung

Netflix-Start in Deutschland:So tickt das Flatrate-TV

Netflix kommt nach Deutschland und trifft hier auf etwa 50 Video-on-Demand-Anbieter und Streamingdienste. Dennoch wird der Dienst gute Chancen haben, deutsche Seriengucker zu begeistern. Die Konkurrenz schläft zwar nicht, hat aber nicht immer attraktive Angebote. Eine Übersicht.

Es ist bequem, einfach und oft auch kostengünstig: Videotheken im Netz boomen - im Gegensatz zu den Pendants in deutschen Innenstädten. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Deloitte wollen 44 Prozent der Verbraucher in Deutschland Filme künftig aus dem Netz streamen oder herunterladen. Regelmäßige Besuche in einer Videothek plant dagegen nur noch jeder Fünfte (19 Prozent). Die Zahl der Anbieter im Geschäft mit Serien und Filmen aus dem Internet wächst. Die Berater von PricewaterhouseCoopers schätzen, dass der Online-Video-Umsatz bis 2017 von 134 Millionen auf 500 Millionen Euro steigen wird.

Netflix, der prominente Neuzugang auf dem Markt, wird seinen Teil dazu beitragen. Der US-Riese hat am Mittwoch seinen Deutschlandstart für Ende des Jahres angekündigt. Seit 2013 expandiert der Dienst in Europa. Es gibt ihn unter anderem bereits in Großbritannien, Irland und Dänemark. Und genau wie in den USA, wo der Dienst nach eigenen Angaben 36 Millionen Abonnenten hat, sorgt Netflix für viel Datenverkehr: In Großbritannien ist er für bereits für 20 Prozent an Downloadtraffic verantwortlich, in den USA sind es sogar 34 Prozent.

50 Online-TV- und Videostreaminganbieter

Netflix, das vor allem für die selbst produzierten Serien "House of Cards" oder "Orange is the New Black" gerühmt wird, trifft in Deutschland auf einen Markt, in dem bereits etwa 50 Online-TV- und Videostreaminganbieter um Gunst und Geldbeutel der Zuschauer buhlen. Hunderttausende Filme und Serien sind hier bereits erhältlich. Dennoch haben es ambitionierte Seriengucker in Deutschland oft noch schwer: Populäre US-Serien sind oft nur mit den ersten Staffeln erhältlich, wirkliche Blockbuster gibt es kaum. Doch sind es attraktive und vor allem auch vielfältige Inhalte, die über den Erfolg einer Plattform entscheidet.

Mit etwa 55 000 Titeln hat Maxdome, das Angebot von ProSiebenSat1 derzeit bei den Nutzern die Nase vorn. Maxdome beherrscht rund ein Drittel des Marktes. Netflix wird aber gute Chancen, den deutschen Markt zu begeistern. So liegen beispielsweise die Rechte von "Better Call Saul" bei Netflix. Die Serie ist das Spin-Off der sehr erfolgreichen Serie "Breaking Bad".

Die Branche gibt sich vor dem Deutschlandstart des populären US-Anbieters noch gelassen. "Jeder neue Wettbewerber trägt dazu bei, das Bewusstsein für Pay-Services hierzulande zu steigern und so den Markt weiter zu erschließen, sagte ein Sky-Manager dem Kontakter. Sky hat mit den Diensten Snap und Go selbst zwei Streaming-Angebote im Programm. Zudem besitzt der Sender für Deutschland die Rechte an der Netflix- Erfolgsserie "House of Cards". Sie ist also auch trotz des Netflix-Starts in Deutschland zuerst auf Sky zu sehen.

Ein Überblick der wichtigsten Netflix-Konkurrenten

  • Sky Go und Sky Snap: Ersterer ist ein Streamingdienst für Abonnenten des regulären Bezahlangebots und kostet 4,90 im Monat, soll aber nach Ankündigung des Sky-Chefs demnächst für alle vier Millionen Abonnenten kostenlos werden, Snap ist für Nichtabonnenten für 9,90 Euro im Monat zu haben. Zur Auswahl stehen rund 4000 Titel.
  • Maxdome: Gehört zu ProSiebenSat.1. Die Monats-Flatrate kostet 7,99 Euro, Filme und Serien können aber auch einzeln gekauft werden. Rund 55 000 Titel sind erhältlich.
  • Watchever: Gehört zum französischen Vivendi-Konzern. Das Flatrate-Abo kostet 8,99 Euro pro Monat. Rund 13 000 Titel sind im Angebot.
  • Amazon prime Instant Video: Der Dienst, der unter dem Namen Lovefilm, startete, kostet derzeit im Jahr 49 Euro (rund vier Euro im Monat), dafür kann der Kunde auf 13 000 Filme und Serienfolgen zugreifen. Allerdings zahlen Kunden vereinzelt für populäre Serien und Blockbuster oft noch einmal einen Aufpreis.
  • iTunes: Der Apple-Dienst hat kein Abo-Modell, per Download oder Streaming können rund 70.000 Titel abgerufen werden. Die Titel sind vergleichsweise teuer: Sie kosten zwischen einem und zehn Euro.
  • Videoload: Für den Dienst der Telekom gibt es verschiedene Monats-Flatrates. Sie kosten ab 4,99 Euro. Die rund 16 000 Titel können auch einzeln gekauft oder gestreamt werden.

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