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Nach Amoklauf:ProSieben Maxx stoppt Übertragungen von Counter-Strike-Turnieren

Eigentlich wollte der Sender mit der Übertragung von E-Sport "Vorbehalte ausräumen". Nach dem Amoklauf in München ändert er abrupt seinen Kurs.

Von Peter Steinlechner, golem.de

Erst Anfang Juni 2016 kündigte der Sender ProSieben Maxx an, einmal in der Woche um Mitternacht über das E-League-Turnier zu berichten, doch damit ist vorerst Schluss: "Aufgrund der jüngsten Ereignisse in München wollen wir zurzeit keine Ego-Shooter-Spiele wie CS:Go übertragen", hat er auf Facebook kurz vor Ausstrahlung der neuen Folge verkündet.

Damit kann nur der Amoklauf eines 18-Jährigen am 22. Juni 2016 gemeint sein, der in München neun Menschen tötete. Der Täter soll leidenschaftlich Counter-Strike gespielt haben. Eigentlich wollte ProSieben Maxx mit den Übertragungen ausdrücklich auch "Vorbehalte ausräumen" - womit vermutlich Ressentiments gegen Ego-Shooter im Allgemeinen und Counter-Strike im Besonderen gemeint waren. Nach der Tat hatten Bundesinnenminister Thomas de Maiziére und andere Politiker die Debatte über die vermeintliche Gefahr durch Ego-Shooter erneut eröffnet.

Die Sendung sollte sich nicht nur an Fans richten, sondern "auch dem regulären Fernsehpublikum einen Überblick" über die E-League bieten. Der Großteil der Kommentatoren unter der Ankündigung von ProSieben Maxx zeigt wenig bis kein Verständnis für die Entscheidung des Senders. "Was seid ihr denn für Heuchler? Ich dachte, diese zurückgebliebene Logik hätten wir endlich überstanden", schreibt ein Zuschauer - eine durchaus typische Äußerung.

Sender verteidigt Entscheidung

Der Sender richtet sich insbesondere an Jugendliche und junge Männer. Auf seiner Webseite wirbt er mit Bildern von Zombies, Untoten und Monstern für vielerlei Filme und Serien mit Gewaltinhalten. Seit der Absage hat er sich zunächst nur mit kurzen Statements zu Wort gemeldet. "Für manch einen lächerlich. Für manch einen uncool. Für uns zu diesem Zeitpunkt stimmig und richtig", erklärt er etwa.

Neben den Berichten auf Maxx stoppt ProSieben auch die (Online-)Übertragungen der E-League auf anderen (Internet-)Kanälen. Über die Partnerseite "99Damage" sollen die nächsten Wettbewerbe allerdings gezeigt werden, inklusive des Finales am Samstag.

© golem.de/jab

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