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Musikformat MP3:Gequetschter Sound

'Mehr Bums' fürs Ohr: Comeback großer Kopfhörer

Die MP3 hat die CD abgelöst - ob ihr Sound schlechter ist, hängt davon ab.

(Foto: dpa)
  • Dank Kompressionsverfahren benötigen digitalisierte Musikaufnahmen deutlich weniger Speicherplatz.
  • Allerdings kann bei der Technik die Soundqualität leiden.
  • Es gibt auch Wege, Musikdateien verlustfrei zu verkleinern.

Es ist wie mit der Fussel auf dem dunklen Anzug oder dem leicht schief hängenden Bild an der Wand. Viele lässt das völlig kalt. Sie sehen es nicht einmal bewusst. Andere können an einem solchen Bild einfach nicht vorbeigehen, und sogar einem Wildfremden in der U-Bahn würden sie am liebsten die Fussel vom Ärmel zupfen. Wem es bei der Musikwiedergabe vor allem um den Sound geht, der achtet auf Dinge, die normalen Hörern nur selten auffallen: Ein feines Zischeln hier an der leisen Stelle, an der die Instrumente eigentlich bloß ausklingen sollen, ein Zirpen dort bei der gezupften Gitarrensaite.

Summa Summarum Vinyl versus Songs vom mp3-Player Video
Rolle von Musik in der Freizeit

Vinyl versus Songs vom mp3-Player

Vinyl ist schön, aber nicht praktisch. Trotzdem: Sowohl die Vinyl-Ecken als auch die Menschengruppen, die in Musikhäusern davor stehen, werden in letzter Zeit größer. Ist das eine Gegenbewegung?

Solche Artefakte entstehen bei digitalisierten Musikaufnahmen, wenn die Dateien komprimiert werden, so wie das beim MP3 genannten Kompressionsverfahren geschieht. Im Grunde ist die Erfindung genial: Anstatt etwa zehn Megabyte pro Minute bei CD-Qualität, benötigen komprimierte, also zusammengequetschte Dateien, viel weniger Platz - ideal fürs Übertragen im Internet. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Diese Verfahren nutzen eine Eigenschaft der menschlichen Hörpsychologie aus. Wahrgenommen werden in dem Salat aus Schallwellen nicht alle gleich, sondern die lautesten verdecken die leiseren.

Ausreichend komprimiert, klingt jeder wie ein Roboter

Anstatt diese verdeckten Signale nun ebenso genau abzutasten wie die hörbaren, werden die komplexen Klangkurven ersetzt durch ein wesentlich einfacher gehaltenes Störsignal. Einfacher bedeutet, dass weniger Daten nötig sind, es zu beschreiben. Je stärker komprimiert wird, je weniger also das Störsignal dem ursprünglichen Signal ähnelt, desto stärker verfälscht wird der Klang - irgendwann hört sich dann eine menschliche Stimme an wie ein Roboter. Die Klangkurven hinter dem hörbaren Signal sind dann so grob, dass sie an manchen Stellen hinter dem hörbaren Signal hervortreten - und dann als Artefakte hörbar werden.

Je weniger Platz man spart, desto eher bleibt die ursprüngliche Soundqualität erhalten. Während man bei MP3-Dateien mit einer Datenrate von 128 Kilobit pro Sekunde (Kb/s) Artefakte ziemlich deutlich wahrnimmt, muss man bei 256 kb/s schon genau hinhören, bei 320 kb/s, das haben Blindtests ergeben, erkennen auch Experten nicht immer den Unterschied. Andere Kompressionsverfahren arbeiten noch etwas effektiver, außerdem gibt es auch verlustfreie Kompression, zum Beispiel den Standard FLAC, den auch manche Streaming-Dienste einsetzen.