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Mobilfunk:Warum in Japan das Klapp-Handy zurückkehrt

Images Of Kyoto Tourism As Tourist Influx Helps Japan's Economy Amid Weak Local Demand

Smartphone-Nutzer in Kyoto: in Japan werden aber auch Klapp-Handys wieder sehr beliebt.

(Foto: Bloomberg)
  • In Japan werden verstärkt Klapp-Handys verkauft, während der Absatz von Smartphones sinkt
  • Der Grund sind die teuren Mobilfunkverträge für Smartphones, die sich für Menschen, die vor allem telefonieren wollen, nicht rechnen.

Vor 20 Jahren war Japan der übrigen Welt zwei Schritte voraus. Japaner surften mit ihrem Handy schon im Internet, chatteten, lasen Romane und sahen fern, da waren die Geräte der Europäer noch reine Telefone. Doch jetzt setzen die Mobilfunk-Pioniere Panasonic und NEC auf Reduktion: kleine Klapp-Handys mit physischer Tastatur. Diese Geräte laufen auch über die schnellen neuen Netze, die meisten haben Zugriff aufs Internet. Aber ihre Anzeigen sind klein, das Design ist einfach.

Gewiss werden auch in Japan mehr Smartphones als alte Handys verkauft, aber der Trend hat sich gewendet. Im Vorjahr stieg der Absatz von Klapp-Handys gegenüber 2013 um sechs Prozent, jener von Smartphones ist um sechs Prozent zurückgegangen. Ältere Leute, heißt es, wollen keinen Kleincomputer in der Tasche, sie wollen nur telefonieren. Ein Smartphone verwirre sie bloß. Und nirgends gibt es so viele ältere Leute wie in Japan. Zudem hält der Akku eines Klapp-Handys zehn Tage, und die Gebühren sind minimal, während die japanischen Smartphone-Abos zu den teuersten der Welt gehören. Im einem Land, in dem inzwischen 16 Prozent der Bevölkerung arm sind, ist das wichtig.

Der Abschied in Schritten der japanischen Elektronikindustrie von Smartphones hat freilich wirtschaftliche Gründe. Die Konkurrenz aus Kalifornien, Korea, Taiwan und China wird immer stärker. Die künftigen japanischen Klapp-Handys sollen deshalb tatsächlich nur noch Telefone sein. Und wie so oft ist auch die Erklärung mit den älteren Leuten nur die halbe Wahrheit. In der U-Bahn sitzen viele Leute, auch viele junge, mit einem Smartphone und einem Klapp-Handy. Das Smartphone benützen sie als Tablet-Computer, oft mit einem reinen Daten-Abo eines Billiganbieters. Ihre Gespräche führen sie auf dem Klapp-Handy. Und sparen so Geld.

Diesen Trend haben die großen Mobil-Anbieter aufgegriffen. Sie bieten Kombi-Abos an. Wer gleichzeitig mit dem Smartphone einen Vertrag für ein Klapp-Handy unterschreibt, spart etwa 25 Prozent. Das Klapp-Handy liegt dann unbenützt zu Hause, die japanische Elektronik-Industrie dagegen profitiert. Das dürfte auch zu dieser Trendwende beigetragen haben.

© SZ vom 06.06.2015/fran
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