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Mobilfunk:Warum sich der Handyempfang für viele bald verbessern könnte

Millionen-Programme gegen Funklöcher

Mal wieder kein Netz? Das könnte sich bald ändern. Das Kartellamt hat die Netzbetreiber zur Kooperation aufgefordert.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Im Kampf gegen Funklöcher im Mobilfunk arbeiten die drei großen Telekommunikationsfirmen jetzt zusammen - aber nicht freiwillig. Das Kartellamt hatte zuvor Druck gemacht.

Von Caspar Busse, München

Es gibt noch immer Gegenden in Deutschland, wo man vergeblich auf sein Mobiltelefon schaut und Verbindung sucht, Empfang ist dort nicht möglich. Die großen Netzbetreiber - Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica mit der Marke O2 - sprechen dann von den "weißen Flecken" auf der Mobilfunklandkarte. Wie so oft im Leben gibt es aber auch hier Schattierungen. Fachleute haben sogenannte "grauen Flecken" ausgemacht: Das sind die Regionen, in denen zwar wenigstens eines der drei deutschen Mobilfunknetze zu empfangen ist. Die Kunden mit einem Handyvertrag für die jeweils anderen zwei Netze befinden sich aber dann im Funkloch - "kein Netz" erscheint bei ihnen auf dem Display.

Doch das soll sich nun ändern. Die drei großen Netzbetreiber wollen gemeinsam gegen den Grauschleier vorgehen. Wie die Firmen am Dienstag mitteilten, wurden entsprechende Absichtserklärungen unterschrieben. Die Vereinbarungen zum LTE-Empfang umfassen insgesamt 2400 Standorte, an denen Sendetechnik und Antennen künftig gemeinsam genutzt werden und die Kunden der unterschiedlichen Anbieter mit dem Netz verbinden. Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas betonte, dass das erst der Anfang sei und es möglicherweise später auch um mehr Standorte gehen könnte - im Kampf gegen den Frust der Nutzer. "Die kooperative Mitnutzung von Standorten ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg und ein gutes Signal an Deutschlands Mobilfunkkunden." Haas fügte sogar an: "Das ist ein echter game-changer." Es sei also ein Punkt, der das Spiel grundsätzlich ändern könnte.

Der Wettbewerb um die Mobilfunkkunden in Deutschland ist hart zwischen Telekom, Vodafone und Telefónica (einst entstanden aus der Fusion von O2 und E-Plus). Alle drei sind in etwa gleich stark. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist die Netzabdeckung von Telefónica außerhalb der Städte und Ballungsräume aber schlecht. In den großen Städten hat Telefónica nach eigenen Angaben deshalb einen Marktanteil von gut 50 Prozent, in den anderen Regionen liegt er unter 25 Prozent. Insgesamt hat das Unternehmen rund 45 Millionen Kunden und bietet oft günstigerer Tarife. Telekom und Vodafone kommen dagegen auf mehr Umsatz, auch weil sie wegen der größeren Netzabdeckung besonders für Geschäftskunden attraktiver sind. Die bringen in der Regel mehr Umsatz und mehr Gewinn als private Nutzer.

Jetzt arbeiten alle drei zusammen, aber nicht freiwillig. Das Bundeskartellamt hatte zuvor energisch darauf gedrängt. Vor einem Jahr verkündeten Telekom und Vodafone bereits eine ähnliche Kooperation über 4000 Standorte. Das aber rief die Bedenken der Wettbewerbsbehörde hervor, Telefónica beschwerte sich und wurde gehört. "Eine Kooperation von Deutscher Telekom und Vodafone ohne Beteiligung von Telefónica wäre aus unserer Sicht wettbewerblich problematisch", teilte Andreas Mundt am Dienstag mit. Der Präsident des Bundeskartellamtes sagte, er habe deshalb auf die Erweiterung der Kooperation um Telefónica gedrungen. Damit sei auch den Mobilfunkkunden in Deutschland am besten geholfen. "Wenn sich alle Anbieter zur Schließung solcher Lücken wechselseitig Zugang zu den Netzen der anderen Anbieter verschaffen, lassen sich etwa Verbindungsabbrüche noch besser vermeiden", so Mundt.

"Wir bringen genauso viel mit zur Party wie unsere Wettbewerber"

Die Standorte mit den "grauen Löchern" liegen in eher dünn besiedelten Gegenden Deutschlands. Dort ist ein wirtschaftlicher Betrieb der Antennen schwierig. Durch die gemeinsame Nutzung der Standorte sind die Kosten für die Netzbetreiber niedriger als bei einem Alleingang. Hätten nur Telekom und Vodafone zusammen gearbeitet, sei der dadurch entstehende Vorteil praktisch uneinholbar für Telefónica geworden, "weil gerade Standorte betroffen sind, an denen ein zusätzlicher Ausbau in der Regel unwirtschaftlich ist", so das Kartellamt. Mittel- und langfristig sei dann "eine verminderte Wettbewerbsintensität und Nachteile für alle Verbraucher zu befürchten" gewesen. Auch Netzagentur-Präsident Jochen Homann sagte: "Kooperationen der Betreiber können wesentlich zu einer besseren Mobilfunkversorgung in Deutschland beitragen."

"Wir bringen genauso viel mit zur Party wie unsere Wettbewerber", sagte Telefónica-Deutschland-Chef Haas. Telefónica ermögliche der Konkurrenz also ebenfalls zu vielen Masten Zugang, dabei seien auch noch zu erstellende Anlagen inbegriffen. "Graue Flecken" könne man in Zukunft mit der Lupe suchen. Laut Haas sei die Geschäftsentwicklung von Telefónica Deutschland 2020 gut gewesen. Im vierten Quartal habe es "ein extrem starkes Momentum" gegeben. Auch 2021 soll das weiter gehen. Zu rund 80 Prozent der Kunden habe man direkten Zugang, der Rest wird über Partner, etwa über Aldi oder Tchibo, bedient.

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