Millionen Apple-IDs abgegriffen:Hacker werfen FBI Massenüberwachung vor

Das FBI steht im Verdacht, Daten über Millionen Bürger gesammelt zu haben. Die Hackergruppe Antisec behauptet, von einem FBI-Computer zwölf Millionen Kennnummern von Apple-Geräten erbeutet zu haben. Zum Beweis stellten die Hacker eine Million Datensätze ins Netz. Das FBI bestreitet die Vorwürfe.

Es ist ein Frontalangriff auf das FBI: Das Hacker-Kollektiv Antisec wirft der amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI vor, millionenfach Daten von Mobilfunknutzern gesammelt zu haben. Um den Vorwurf zu beweisen, veröffentlichte die Gruppe im Internet eine Datei, die angeblich die Seriennummern von einer Million Geräte mit dem Apple-Betriebssystem iOS sowie einige persönliche Angaben zu ihren Besitzern enthält. Die Liste sei ein Auszug einer viel größeren Datei mit zwölf Millionen Einträgen, erklärte die Hacker. Die Daten habe man vom Laptop eines FBI-Mitarbeiters erbeutet, der im Regional Cyber Action Team in New York arbeite.

Bei der amerikanischen Polizeibehörde will man von den Vorwürfen nichts wissen. Das FBI habe die von Antisec veröffentlichten Informationen weder angefragt noch besessen, erklärte die Ermittlungsbehörde in Washington. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es auch keine Hinweis, dass von einem FBI-Computer Daten abhanden gekommen seien.

Die Seriennummern von iOS-Geräten wie dem iPhone und dem iPad wurden früher von Programm-Entwicklern dazu verwendet, einzelne Geräte zu identifizieren und ein massenhaftes Kopieren ihrer Apps zu unterbinden. Außerdem griffen Werbenetzwerke auf den sogenannten Unique Device Identifier (UDID) zurück.

Apple verweigert seit dem vergangenen Februar Programmen die Zulassung, die weiterhin die Geräte-ID abfragen. Experten gehen davon aus, dass allein mit den jetzt veröffentlichten Kennnummern kein Schaden angerichtet werden kann. Dazu benötige man weitere Daten, wie etwa die E-Mailadresse des Geräteinhabers. Mehrere Internetseiten bieten inzwischen die Möglichkeit zu überprüfen, ob man von der Datenveröffentlichung betroffen ist.

Reporter soll mit Tutu posieren

In einem im Internet veröffentlichten Statement erhebt die Gruppe Antisec, die eine Abspaltung des Hacker-Kollektivs Anonymous ist, schwere Vorwürfe gegen amerikanische Behörden: "Die Regierungsdienste sind davon besessen, eine weltweite Hexenjagd gegen Hacker zu führen und gleichzeitig Hacker zu rekrutieren, um ihre eigene politische Agenda auszuführen", schrieb die Gruppe. Man veröffentliche nun den anonymisierten Datenauszug, um auf die massenhafte Überwachung der Bürger durch das FBI hinzuweisen.

Weitere Informationen zu den Hintergründen der Veröffentlichung wollte Antisec vorerst nicht nennen. Man werde sich erst äußern, wenn der Reporter des Online-Magazins Gawker, Adrien Chen, einen Tag lang auf der Webseite des Magazins in einem Tutu und mit einem Schuh auf dem Kopf zu sehen sei. Chen kommt dieser Aufforderung inzwischen nach.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/pauk/mri
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