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Kunden kritisieren Fire-Tablet:Amazon unter Feuer

Der Tabletcomputer Kindle Fire sollte die schärfste Waffe gegen den Erfolg von Apple sein. Doch nur wenige Wochen nach dem Verkaufsstart zeigen sich viele Kunden unzufrieden - der Online-Versandhändler muss nachbessern.

Thorsten Riedl

Mit beinahe kindlicher Freude stellte Jeff Bezos vor einigen Wochen die neue Kindle-Palette vor. "Und nun habe ich noch eine Sache", sagte der Chef von Amazon und ließ die Worte wirken. Eine Hommage sollte es sein an das berühmte "One more thing" von Steve Jobs. Der Apple-Gründer taugt zum Vorbild für den Chef des Online-Warenhauses - und neuerdings zum Lieblingsfeind.

Mit dem Kindle Fire brachte Bezos nämlich einen E-Book-Leser, der es mit dem iPad-Tabletcomputer von Apple aufnehmen kann. Allein die Kundschaft muss davon noch überzeugt werden. Die schickt den Kindle in Massen zurück.

Im vergangenen Jahr hat der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Jobs das iPad vorgestellt. Damals wurde der Tabletrechner, der sich ohne Tastatur und nur mit den Fingern bedienen lässt, von vielen belächelt. Inzwischen hat er für ein mittleres Erdbeben auf dem Computermarkt gesorgt.

Viele Kunden greifen zum schlanken Tablet statt zum Arbeitsplatzrechner oder Notebook. Den PC-Herstellern fehlt bislang ein Rezept gegen den Erfolg. Zwar haben sich einige mit Google verbündet und bieten Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android an. Der Erfolg blieb bislang aber aus.

Die Wut der Kunden

Der Kindle Fire gilt als derzeit wichtigster iPad-Konkurrent. Nicht nur weil Amazon auch eine speziell angepasste Android-Version nutzt. Vor allem die Macht des weltweit größten Internet-Warenhändlers wird als Argument angeführt. Jedes Tablet ist nämlich nur so gut, wie die Inhalte, die es dafür gibt - und da kann Amazon klotzen. Über den Kindle Fire will Bezos noch einmal mehr Filme, Bücher und Lieder verkaufen, nun in digitaler Form. Genauso wie es Apple beim iPad macht.

So weit, so gut - zumindest in der Theorie. Eine ungewöhnlich große Zahl von Kunden allerdings ist unzufrieden mit dem Gerät und will es zurückschicken. Die Wut entlädt sich auf den Internetseiten von Amazon selbst. Dort können die Kunden alle Produkte bewerten, auch die vom Warenhaus. Mehr als jeder fünfte Käufer gibt dem Produkt aktuell nur einen oder zwei Sterne, die beiden schlechtesten Noten. Und eine deutlich miesere Bewertung als beim iPad 2.

Die Fire-Käufer bemängeln, dass sich der Bildschirm nur schwer bedienen lässt. Außerdem kommt man schnell aus Versehen an den Aus-Schalter. Einen speziellen Schalter für die Lautstärke dagegen gibt es nicht. Die muss immer über das Menü des Gerätes eingestellt werden. Das ist lästig beim Hören von Musik oder Schauen von Filmen.

Kein Gerät, sondern ein Service

So durchziehen die Klagen das Bewertungsforum von Amazon, obschon die ersten drei Kritiken auf der US-Webseite des Unternehmens durchweg positiv sind. Von Amazon selbst heißt es dann auch, der Kindle Fire sei das erfolgreichste Produkt jemals. Das allerdings sagt gar nichts aus, da der Konzern keine Zahlen nennt und regelmäßig die eigenen Kindle-Produkte über den Klee lobt.

Bleibt die Erkenntnis, dass Tabletcomputer zwar leicht zu bedienen, aber schwer zu bauen sind. Vergangene Woche erst hat Dell sich vorerst aus dem Tablet-Geschäft zurückgezogen. Hewlett-Packard hat an diesem Wochenende bekanntgegeben, dass das eigene Tablet-Betriebssystem WebOS wegen Erfolglosigkeit nun für alle Entwickler offensteht.

Das soll die Software am Leben halten, die im vergangenen Jahr noch Hauptgrund für den Computerkonzern war, den kleineren Rivalen Palm für mehr als eine Milliarde Dollar zu kaufen.

Beim Kindle Fire soll eine neue Software die drängendsten Probleme in den nächsten Tagen lösen, verspricht Amazon. Fehlerhafte oder fehlende Schalter lassen sich damit natürlich nicht beheben. Doch so schnell wird Bezos nicht zurückstecken. Wie hat er doch neulich erst gesagt: "Wir sehen den Kindle Fire nicht als Gerät. Wir sehen ihn als Service."

© SZ vom 13.12.2011/joku
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