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iPhone 4S im Test:Zurück in der ersten Geräteliga

Die Reaktionen auf das neue iPhone 4S waren eher verhalten, dennoch gab es 24 Stunden nach der Vorstellung bereits eine Million Vorbestellungen. Lohnt sich die Anschaffung des Geräts tatsächlich? Wir haben das neue iPhone vorab getestet. Mit Video.

Helmut Martin-Jung

Der Beifall bei der Vorstellung des iPhone 4S fiel sehr verhalten aus, in vielen der ersten Einschätzungen überwog sogar die Enttäuschung. Doch den Kunden scheint das egal zu sein. Bereits in den ersten 24 Stunden danach gingen weltweit eine Million Vorbestellungen ein, fast doppelt so viele wie beim Vorgänger. Reicht es also inzwischen, einen angebissenen Apfel auf ein Handy zu platzieren, damit es sich verkauft?

Das täte dem neuen iPhone dann doch Unrecht. Apple bringt es mit dem Doppelkernprozessor A 5 aus dem iPad 2 und mit einer rückseitigen Acht-Megapixel-Kamera technologisch wieder in die erste Geräte-Liga. Die hatten zeitweilig Smartphones anderer Hersteller besetzt, allen voran der südkoreanische Rivale Samsung mit seinem Galaxy S II.

Die Kalifornier beseitigen mit einem neuen Antennendesign auch einen wichtigen Kritikpunkt - den oftmals schlechten Empfang des Vorgängers - und schaffen es trotz des renovierten Innenlebens unterm Strich, die ordentlichen Akkulaufzeiten des Vorgängers zu halten.

Versprechen für die Zukunft

Das iPhone 4S kommt auch mit zwei Versprechen für die Zukunft, die einen genaueren Blick lohnen. Das erste nennt sich Siri und ist ein sprachgesteuerter persönlicher Assistent. Er ist tief im System verankert, kann also nicht bloß eine Adressangabe oder Suchanfrage annehmen, sondern hilft tatsächlich bei Alltagsaufgaben. Der Befehl "Schreibe eine E-Mail an Andrea" lässt Siri im Adressbuch nach einer Person dieses Namens suchen.

Hat sie mehrere E-Mail-Adressen, fragt das System, welche verwendet werden soll und nimmt dann, ebenfalls per Diktat, den Text entgegen. Die Erkennungsqualität ist hoch, gemessen daran, dass man Siri nicht trainieren muss. Dialekt oder zu laute Umgebungsgeräusche bringen den Assistenten aber schnell aus der Bahn. Dennoch ist der Dienst Siri, der sich im Betastadium befindet und derzeit für Englisch, Deutsch und Französisch funktioniert, zukunftsweisend, weil er seine Informationen aus verschiedenen Quellen schöpft und damit den Weg ebnet für eine neue Art und Weise, mobile Geräte zu bedienen und sie im Alltagsleben einzusetzen.

Anders als der Dienst Siri, für den Apple die gesteigerte Rechenleistung des neuen Prozessors einsetzt, wird das Betriebssystem des neuen iPhones, iOS 5 auch auf den beiden älteren Modellen laufen, also dem iPhone 4 und dem iPhone 3 GS. Wichtigste Neuerung sind die Cloud-Dienste. Bilder etwa, die man auf einem Gerät macht, erscheinen auf Wunsch auf allen anderen Apple-Geräten, Kalender- und Adressbucheinträge werden synchronisiert.

Bei Apple gekaufte Musik soll man bald auch in Deutschland beliebig oft auf all seinen iOS-Geräten anhören dürfen. US-Kunden können sogar für eine Jahresgebühr von 25 Dollar Songs herunterladen, die sie auf CD besitzen. Jeder Nutzer erhält zudem fünf Gigabyte Speicherplatz.

Es ist also ein weiteres Mal die Mischung aus ansprechender wie leistungsfähiger Hardware sowie einem sehr komfortabel nutzbaren Netzwerk aus Diensten, die das iPhone von der Konkurrenz abhebt. Das lässt sich Apple fürstlich bezahlen. Verkaufsstart ist am 14. Oktober.

© SZ vom 12.10.2011/mri

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