Innovative Internet-Start-ups Anzeigen scheinen die Nutzer nicht zu stören

Es wird immer einfacher für Anbieter, auch Sprache als Datenpaket von einem Nutzer zum anderen zu leiten. Apps auf dem Mobiltelefon und neue, schnellere Mobilfunkstandards machen das möglich. Bei WhatsApp und Viber geht der Datentransport an den Mobilfunkanbietern vorbei. Pinger dagegen tritt wie ein weiterer Anbieter auf, bezahlt Vodafone oder Telefónica für ihre Dienste und bekommt von ihnen für die eigenen Leistungen Geld. Nutzer erhalten von Pinger eine Telefonnummer, können also richtige SMS verschicken und jedes normale Telefon anrufen - und nicht nur in einem eigenen System chatten. Pinger passe strategisch zum Geschäft der Telekom, sagt eine Sprecherin der Beteiligungsgesellschaft T-Venture. Zudem komme man sich nicht in die Quere: Pinger richte sich vor allem an junge Menschen, von denen viele den Dienst nicht auf dem Mobiltelefon nutzten, sondern Pinger auf ihrem iPod oder iPad installieren und so diese zum Handy machen.

In Deutschland funktioniert der Dienst mit einem Punktesystem: Für jede vertelefonierte Gesprächsminute und verschickte SMS werden zehn Punkte abgezogen, umgekehrt für eingehende Anrufe und Nachrichten gutgeschrieben. Sein Modell hält Woock für erfolgreicher als das anderer Anbieter: "Viber? Damit kannst du kein Taxi rufen. Skype? Das ist teuer!"

Denn wer mit Skype ein Telefon anrufen will, muss dafür bezahlen, so nimmt das Unternehmen Geld ein. Viber wird es wohl in Zukunft ähnlich machen. Der Dienst wolle mit zusätzlichen Diensten Geld verdienen, sagt eine Sprecherin. Pinger finanziert seinen Nutzern die kostenlosen Dienste dagegen vor allem über Werbung. Im vergangenen Jahr hat das Start-up damit etwa 20 Millionen Dollar umgesetzt.

Die Nutzer scheinen die Anzeigen nicht zu stören, über zwölf Millionen sind es mittlerweile, vor allem in den USA. Sie verschicken im Monat zwei Milliarden SMS. Nach Pingers Start in Deutschland vor etwa einem halben Jahr soll der Dienst bis Ende 2012 in zehn weiteren Ländern eingeführt werden. "Wir werden Pinger in jedem Markt der Welt zugänglich machen", sagt Woock.

Mobiltelefonbesitzer an kostenlose Dienste gewöhnt

Die großen Mobilfunkanbieter wollen den kostenlosen Angeboten nun einen eigenen Dienst entgegensetzen. Ausgedacht hat sich das der internationale Verband der Mobilfunkbetreiber. Über den Dienst sollen auch Fotos verschickt und Videogespräche geführt werden können. In Deutschland will Vodafone damit im Mai starten, die Telekom soll im Sommer folgen. Man wolle die Kunden damit überzeugen, wie einfach der Dienst zu bedienen sei, sagt Ellenbeck. Beobachter überzeugt das Angebot nicht: Es wird im Gegensatz zu Pinger, Viber und WhatsApp Geld kosten, wenn auch nicht klar ist, wie viel. Außerdem haben sich Besitzer von Mobiltelefonen schon an die kostenlosen Dienste gewöhnt.

Punkten wollen die Mobilfunkbetreiber mit ihrem Dienst auch beim Thema Datenschutz. Doch Unternehmensberater Mogg glaubt nicht, dass jemand die kostenlosen Dienste meidet, weil sie seine Daten preisgeben. "Gerade die jüngeren Zielgruppen gehen mit den eigenen Daten meist freizügiger um", sagt er.