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Im Kurztest: Samsung Chromebook:Laptop mit Internet-Zwang

Das Chromebook von Samsung erinnert nicht bloß äußerlich an die Netbooks mit einfacher Ausstattung. Ein MacBook oder einen Windows-Laptop ersetzt es nicht.

Helmut Martin-Jung

Bei der ganzen Aufregung um Tablet Computer gerät eine Kategorie von Klein-Computern fast in Vergessenheit, die im Januar 2008 einen ähnlichen Hype auslöste wie 2010 das iPad. Damals kam der erste Eee PC des taiwanesischen Herstellers Asus auf den Markt. Der billige Minirechner hatte ein Linux-Betriebssystem und als Startoberfläche einen Bildschirm mit einigen wenigen, dafür aber großen Symbolen.

Computer: Chromebook von Samsung

Chromebook von Samsung

(Foto: dapd)

Und viele Menschen bemerkten erstmals: Mehr Computer braucht man eigentlich nur selten. Das Chromebook von Samsung ähnelt nicht bloß äußerlich den Netbooks, die der koreanische Konzern mittlerweile sehr erfolgreich herstellt. Sein Betriebssystem gemahnt auch ein wenig an das Ur-Netbook. Allerdings mit einem gewaltigen Unterschied: Mit Googles Betriebssystem Chrome, das dem Laptop zu seinem Namen verhilft, kann man nur dann sinnvoll arbeiten, wenn es mit dem Internet verbunden ist. Das ist natürlich gewollt so, nicht etwa ein Fehler.

Dahinter steckt eine ziemlich radikale Auffassung eines weiteren Modethemas der vergangenen Jahre - Cloud-Computing. Chrome ist so angelegt, dass es jede Datei sofort in die Datenwolke hochlädt, in diesem Falle also in Google-eigene Rechenzentren. Dort kann man die Datei mit dem wieder aufspüren, was Google groß gemacht hat: die Suchmaschinentechnologie. Texte schreiben, Tabellenkalkulation, Präsentationen - all diese Basisaufgaben des Büromenschen lassen sich mit dem Laptop gut erledigen, allerdings gibt es natürlich Einschränkungen.

Externe Festplatten, die mit NTFS formatiert sind, erkennt das System nicht. Ein Bild aus einem Programm kopieren und in ein anderes einfügen, auch das leistet ChromeOS im Moment noch nicht; auch ist man ziemlich aufgeschmissen, wenn - beispielsweise im Zug - die Online-Verbindung abbricht. Google will der Software allerdings beibringen, dass sie sich auch offline etwas merkt.

Diese Änderungen und alle anderen muss man nicht wie bei anderen Betriebssystemen mühsam einspielen, das passiert vollautomatisch und ist einer der Vorteile des Systems. Ein anderer ist, dass es in weniger als zehn Sekunden startet. Gesetzt den Fall, man hat bereits einen Google-Zugang, ist das Gerät damit nach einer Minute startklar.

Die Hardware, die für 399 Euro angeboten wird, ist unspektakulär, aber solide. Der matte, aber helle Bildschirm gefällt vor allem. Die Tastatur entspricht nicht ganz dem Standard, den man von Samsung gewohnt war. Derzeit ist das Chromebook nur etwas für Menschen, die ausschließlich online sind, ein MacBook oder einen Windows-Laptop ersetzt es nicht.

© SZ vom 1.8.2011/mri
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